Lifestyle | Essen & Trinken, 24.06.2026
Neuer Bericht belegt: Kaffee in Deutschland mit verbotenen Pestiziden belastet
Die Pestizide kommen vor allem in den Anbauländern zum Einsatz
- Bericht zeigt deutliche Pestizid-Belastung beim Anbau von konventionellem Kaffee: 159 Pestizid-Wirkstoffe kommen zum Einsatz
- Mehr als die Hälfte der eingesetzten Pestizide sind in der EU verboten, mit gravierenden Folgen für die Gesundheit von Arbeitenden, die Artenvielfalt und die Umwelt in den Anbauländern
- Coffee Watch, Deutsche Umwelthilfe, INKOTA-Netzwerk und PAN UK fordern Stopp von in der EU verbotenen Pestiziden
Konventioneller Kaffee ist mit in Deutschland verbotenen, hochgiftigen Pestiziden belastet. Dies ist das Ergebnis eines gemeinsamen Berichts von Coffee Watch, Deutscher Umwelthilfe, dem INKOTA-Netzwerk und dem Pesticide Action Network (PAN) UK. Der Bericht stellt insgesamt 159 Pestizidwirkstoffe fest, die in der Kaffeeproduktion eingesetzt werden. Davon sind 59 Prozent in der Europäischen Union verboten. Die Pestizide kommen vor allem in den Anbauländern zum Einsatz, wo sie Mensch und Natur gefährden und gelangen über globale Lieferketten dennoch in die Kaffeetassen der Menschen in Deutschland. Der Bericht legt die ungerechten doppelten Standards in der Kaffeebranche offen.Silke Bollmohr vom INKOTA-Netzwerk und Hauptautorin des Berichts erklärt: „Der Bericht macht die Doppelmoral in der Kaffeebranche deutlich sichtbar: Pestizide, die in der EU als zu gefährlich eingestuft sind, werden in Kaffeeanbauländer exportiert und dort unter deutlich schwächeren Schutzstandards eingesetzt. Der so produzierte Kaffee gelangt anschließend wieder in unsere Supermärkte - die gesundheitlichen Folgen tragen jedoch andere: Arbeiterinnen und Arbeiter, ihre Familien und die Bevölkerung in den Anbaugebieten. Sie erkranken, während wohlhabende Länder sich vor genau diesen Risiken schützen. Das ist Umweltungerechtigkeit und ein Menschenrechtsproblem. Politik und Unternehmen dürfen nicht länger von einem System profitieren, das die Risiken auf Menschen und Ökosysteme in den Anbauländern verlagert."
Dazu Svane Bender, Bereichsleiterin Naturschutz und Biologische Vielfalt der DUH: „Der Schaden, der durch hochgiftige Pestizide im Kaffeeanbau für Mensch und Natur entsteht, ist katastrophal. Allein Deutschland importiert jährlich durchschnittlich 1,1 Millionen Tonnen ungerösteten Kaffee mit einem Profit für die Kaffeefirmen von bis zu 12,9 Milliarden Euro pro Jahr. Die Folge sind kranke Arbeiterinnen und Arbeiter, zerstörte Artenvielfalt und vergiftete Böden. Wir fordern, dass der Export von Pestiziden, die hierzulande verboten sind, schnellstmöglich gestoppt wird. Deutsche Kaffeefirmen müssen außerdem Bäuerinnen und Bauern in den Anbaugebieten beim pestizidfreien und nachhaltigen Umbau ihrer Plantagen unterstützen."
Die eingesetzten Pestizide stehen nachweislich mit massiven Gesundheitsschäden in Zusammenhang wie Krebs und Fortpflanzungsschäden. Laut Bericht enthält etwa jede fünfte Tasse Kaffee giftige Pestizidrückstände. Während Verbraucherinnen und Verbraucher so mit Pestizidrückständen in Kontakt kommen können, tragen die Menschen in den Anbauländern die größte Last. Sie sind den Pestiziden unmittelbar ausgesetzt, oft ohne ausreichende Schutzkleidung. Bei einigen Giften sind die Rückstände sogar noch langanhaltender, wie bei Glyphosatrückständen (AMPA genannt), bei denen in 72 Prozent der Kaffeeproben Giftrückstände nachgewiesen wurden.
Allein in Brasilien wurden 2015 rund 19,8 Millionen Liter Pestizide im Kaffeeanbau eingesetzt, das ist pro Hektar mehr als beim Anbau von Mais oder Soja. In Vietnam hat sich der Pestizideinsatz in 25 Jahren mindestens verdreifacht. In Kenia entfallen 27 Prozent des nationalen Pestizideinsatzes auf den Kaffeeanbau, obwohl Kaffee weniger als 1 Prozent der Anbaufläche einnimmt.
Coffee Watch, DUH, INKOTA-Netzwerk und PAN fordern Bundesregierung und die EU auf, den Export von in Europa verbotenen Pestizide zu beenden und Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen, den Übergang zu einer ökologisch verträglichen und menschenrechtskonformen Kaffeeproduktion mitzufinanzieren.
Hintergrund:
Der Bericht „Gift in unserer Kaffeetasse" fasst wissenschaftliche Literatur, öffentliche Daten und Feldforschung aus Brasilien, Vietnam, Kenia, Kolumbien und anderen wichtigen Anbaugebieten zusammen.
Kontakt: Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH), Svane Bender | bender@duh.de | www.duh.de
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