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2035: Die Welt in Berlin

Eine Weltausstellung als Zukunftsprojekt für das ganze Land

Die Metropolregion Berlin-Brandenburg bewirbt sich um die EXPO 2035 – und will mehr sein als ein Großevent: ein offenes Zukunftslabor, in dem Klimaneutralität, neue Formen der Mobilität und des Wohnens, Gesundheit und Prävention, Bildung und Innovation, Digitalisierung sowie gesellschaftliche Weiterentwicklung im Alltag erprobt werden. Die Stadt wird Bühne, Werkstatt und Testfeld – und Deutschland zum Experimentierraum für die Zukunftsfähigkeit eines Industrielandes.

© Expo 2035 GmbHBis 2050 werden mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. In den urbanen Räumen entscheidet sich, ob Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit sowie ökonomische und technologische Innovation miteinander vereinbar sind. Weltausstellungen – kurz EXPOs (World Expositions) – dienen seit dem 19. Jahrhundert als internationale Foren für technologische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen.
 
Staaten, Städte, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Akteure präsentieren auf diesen Großereignissen ihre Antworten auf die zentralen Zukunftsfragen ihrer Zeit. Heute stehen dabei weniger spektakuläre Bauwerke im Vordergrund als vielmehr nachhaltige Lösungen für globale Herausforderungen – von Klimaschutz über Mobilität bis hin zu neuen Formen des Zusammenlebens.

Eine neue internationale Ausgangslage
Diese Perspektive hat Ende Januar 2026 eine neue geopolitische Dimension erhalten: Donald Trump kündigte an, dass sich die Vereinigten Staaten ebenfalls um die Ausrichtung der EXPO 2035 bewerben wollen – mit Miami als möglichem Austragungsort. Mit der US-amerikanischen Bewerbung ist der Wettbewerb um die nächste Weltausstellung endgültig im internationalen Macht- und Gestaltungsfeld angekommen.
 
Sie zeigt die Relevanz und das Potential der EXPO und markiert zudem eine entscheidende Wendung: Die Frage der EXPO 2035 ist nicht länger nur eine Standortentscheidung, sondern Ausdruck unterschiedlicher Zukunftsentwürfe. Hier ein Modell, das auf Offenheit, Nachhaltigkeit, soziale Teilhabe und multilaterale Kooperation setzt – dort eine stärker national geprägte Inszenierung wirtschaftlicher Stärke, geopolitischer Ambitionen und globaler Sichtbarkeit.
 
Für Deutschland und Europa erhöht sich damit nicht nur der Wettbewerbsdruck, sondern auch die politische Bedeutung der eigenen Bewerbung. Eine EXPO in Berlin-Brandenburg wäre vor diesem Hintergrund ein bewusstes Signal: für demokratische Zukunftsgestaltung, für internationale Zusammenarbeit und für eine regelbasierte, nachhaltige Globalisierung.

So könnte Berlin ab 2035 aussehen: grün, inklusiv, effizient – und schön © Expo 2035 GmbH
Berlin-Brandenburg als Zukunftslabor
Eine EXPO 2035 in Berlin-Brandenburg könnte genau hier ansetzen: nicht als klassische Leistungsschau, sondern als groß angelegtes Zukunftslabor für die Praxis eines Industrielandes im Wandel. Denn die zentralen Fragen unserer Zeit – wie wir klimaneutral wirtschaften, mobil bleiben, bezahlbar wohnen, Gesundheit fördern, Bildung neu denken oder digitale Technologien sinnvoll einsetzen – lassen sich nicht im abgeschlossenen Labor beantworten. Lösungen müssen im Alltag erprobt werden. Eine Weltausstellung in Deutschland wäre deshalb weniger ein einmaliges Ereignis als vielmehr ein langfristiger Prozess: offen, überprüfbar und bereits heute beginnend.

Die Metropolregion Berlin-Brandenburg steht exemplarisch für viele Spannungen der Gegenwart: Eine wachsende Metropole trifft auf ländliche Räume, eine dynamische Innovationsökonomie auf Wohnungsknappheit, internationale Anziehungskraft auf teils überlastete Infrastrukturen. Genau diese Gemengelage macht die Region spannend. Lösungen, die hier funktionieren, lassen sich auf viele andere Regionen Deutschlands und Europas übertragen.

Das geplante Konzept für die EXPO 2035 setzt daher nicht auf ein isoliertes Ausstellungsgelände, sondern auf eine Stadt- und Regional-EXPO. Ein zentrales Areal bildet den Kern, ergänzt durch thematische Orte – etwa auf dem Messegelände rund um das ICC oder auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof – mit Schwerpunkten wie Mobilität, Energie, Digitalisierung, Gesundheit, Wissenschaft und Kultur.
 
Hinzu kommen Kiez- und Projektorte, verteilt über Berlin, Brandenburg und perspektivisch ganz Deutschland. Kommunen, Initiativen und Unternehmen setzen hier konkrete Vorhaben um und machen sie sichtbar: vom klimaneutralen Quartier über neue Mobilitätslösungen bis hin zu digitalen Verwaltungsdiensten. Die Idee ist eine EXPO, die nicht nur besucht, sondern mitgestaltet werden kann – die Stadt als Bühne, Werkstatt und Begegnungsort.

© Expo 2035 GmbHVom zivilgesellschaftlichen Impuls zum nationalen Projekt
Auffällig ist der Ursprung dieser EXPO-Idee. Anders als bei früheren Weltausstellungen ging der Impuls nicht primär von Staat oder Industrie aus, sondern kam aus der Zivilgesellschaft. Der Verein Global Goals für Berlin e. V. brachte die Initiative 2022 aus der praktischen Arbeit an den UN-Nachhaltigkeitszielen heraus auf den Weg. Die EXPO soll als Hebel dienen, um nachhaltige Entwicklung und strukturelle Transformation in Berlin und Deutschland zu beschleunigen. Grundidee ist es, die vielen Ideen und Projekte, die bereits heute die nachhaltige Transformation vorantreiben, sichtbar zu machen, zu fördern und weiterzuentwickeln.

Inzwischen ist daraus eine formelle Struktur entstanden. Neben dem Verein koordiniert die EXPO 2035 Berlin GmbH seit 2024 die Bewerbung und das inhaltliche Konzept. Mit der EXPO 2035 Berlin Beteiligungsgesellschaft der Deutschen Wirtschaft beteiligt sich auch die Wirtschaft finanziell und programmatisch. Ziel ist es, die EXPO als gemeinsames Zukunftsprojekt von Bund, Ländern, Wirtschaft und Gesellschaft zu verankern und dafür die politische Zustimmung auf Landes- und Bundesebene zu gewinnen.

Ein massiver Gewinn für die Wirtschaft
Eine EXPO in Deutschland hätte auch messbare ökonomische Auswirkungen. Erwartet werden bis zu 100.000 Arbeitsplätze sowie ein zusätzlicher wirtschaftlicher Impuls von über 20 Milliarden Euro, wie von PricewaterhouseCoopers berechnet wurde. Dieser ergibt sich aus Besucherausgaben, umfangreichen Investitionen in Gelände und Infrastruktur, privaten Folgeinvestitionen sowie langfristigen Nachlaufeffekten. Es wird ein zusätzliches BIP-Wachstum von rund 0,1 Prozent über fünf Jahre erwartet, ausgelöst durch Tourismus-, Bau- und Dienstleistungsaktivitäten sowie weitere Multiplikatoreffekte.

Ein zentrales Vorhaben im Umfeld der EXPO ist ein geplantes Innovationsbeschleunigungsgesetz, das Genehmigungs- und Planungsverfahren vereinfachen soll. Der Anspruch lautet, schneller zu werden, ohne Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und Beteiligung auszuhöhlen. So könnte die EXPO weit über das Jahr 2035 hinaus Wirkung entfalten – als Zukunftslabor für einen handlungsfähigeren Staat.

Mehr als ein einmaliges Ereignis
Die Entscheidung über eine deutsche Bewerbung liegt bei der Bundesregierung; der Zuschlag für die EXPO 2035 wird Ende 2027 vergeben. Eine EXPO 2035 in Berlin-Brandenburg hätte das Potenzial, nicht nur internationale Bühne zu sein, sondern Werkstatt – kein Ausnahmezustand, sondern ein zukunftsweisendes Modell für eine krisenfeste Gesellschaft.

Henning Wehmeyer ist Geschäftsführer der EXPO 2035 Berlin GmbH sowie der EXPO 2035 Berlin Beteiligungsgesellschaft der Deutschen Wirtschaft. Mit langjähriger Erfahrung in verschiedenen Funktionen an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kunst, Kultur, Bildung und Zivilgesellschaft treibt er die Bewerbung der Metropolregion Berlin-Brandenburg um die Weltausstellung 2035 strategisch voran und versteht die EXPO für Deutschland als gemeinsames Zukunftsprojekt einer offenen, vielfältigen, nachhaltigen und demokratischen Gesellschaft.

Dieser Artikel ist in forum 02/2026 - Zukunft braucht Frieden erschienen.



     
        
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