Umwelt | Ressourcen, 13.02.2026
Chance verpasst: Bis zur PPWR 2030 wird es kaum noch funktionierende Recyclingwirtschaft in Deutschland geben!
Massive Kritik von Reinigungsmittelhersteller Werner & Mertz an neuem Verpackungsgesetz
Es war ein schwarzer Tag für die Recyclingbranche in Deutschland und die Kreislaufwirtschaft in ganz Europa: Am 11.02.2026 hat das Bundeskabinett den Entwurf für das neue Verpackungs-Durchführungsgesetz (VerpackDG) beschlossen. Obwohl im Vorfeld immer wieder gefordert wurde, ein Level-Playing-Field, also gleiche Wettbewerbsbedingungen, für insbesondere auch hochwertige Recyclate in Deutschland zu schaffen, und es konkrete Lösungsansätze gibt, wie ein ausgewogenes Anreizsystem aussehen könnte, wurde dieser Aspekt im neuen Gesetz vollkommen außer Acht gelassen. Dies ist umso betrüblicher, zumal es in vielen anderen europäischen Ländern bereits wirkungsvolle Anreizsysteme gibt.
Förderung von Downcycling statt Anreizen für hochwertige Kreislaufführung
Das Mainzer Reinigungsmittelunternehmen Werner & Mertz sieht deshalb die Zukunft der Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen in Gefahr: „Statt hochwertigem Recycling fördert das neue Gesetz wenn überhaupt Downcycling. Das ist aber eine Sackgasse. BMUKN und BMWE verlängern mit diesem Beschluss für die gesamte Recyclingbranche in Deutschland sehenden Auges den Investitionsstau!", so Werner & Mertz-Inhaber Reinhard Schneider.
Das VerpackDG sieht höhere Recyclingquoten vor. Da aber kein Anreiz für hochwertiges Recycling vorliegt, wird die Recyclingbranche hier weiterhin nicht investieren. Stattdessen wird der Beschluss eine Zunahme des Downcyclings bewirken, um die Quoten zu erreichen. Von Downcycling spricht man, wenn Recyclingmaterial in minderwertige Produkte fließt, die dann selbst häufig nicht noch einmal wiederverwendet werden können – somit das Ende des Kreislaufs. Beispiele hierfür sind Abwasserrohre oder braungraue Mischkunststoffe. Nicht nur die fehlende Kreislauffähigkeit dieser Produkte ist ein Problem, sondern auch die geringe Nachfrage: Der Markt für diese Güter ist sehr klein. Es kann also durchaus sein, dass Downcycling betrieben wird, um die Quoten zu erfüllen, die Produkte dann aber nicht einmal genutzt werden. Das ist auch aus ökonomischer Sicht eine Katastrophe. Der Markt für hochwertige Anwendungen ist ungleich größer: Er umfasst quasi alle Verpackungen im WPR-Bereich und der Kosmetik. Und darüber hinaus darf selbst bei Lebensmittelverpackungen fünf Prozent recyceltes Material aus haushaltsnahen Sammlungen genutzt werden – ein riesiges Potenzial, das bislang noch nicht einmal zur Hälfte abgerufen wird.In hochwertiges Recycling muss jetzt investiert werden – sonst droht der Kollaps
Von politischer Seite wird auf die europäische Verpackungsverordnung PPWR verwiesen, die den Einsatz hochwertiger Recyclate fördern sollte. Allerdings tritt sie zu großen Teilen erst 2030 in Kraft. „Das VerpackDG steht im kompletten Gegensatz zur PPWR und wird uns daran hindern, dass wir die Quoten für hochwertiges Recycling 2030 tatsächlich erfüllen können. Im Gegenteil: Mit den gerade beschlossenen Maßnahmen wird es bis 2030 kaum mehr funktionierende Infrastruktur für hochwertiges Recycling in Deutschland geben!", mahnt Schneider.
Schon jetzt leidet die deutsche Recyclingbranche massiv – in den vergangenen Monaten wurden im Kunststoffrecyclingsektor vermehrt Standorte geschlossen, Anlagen stillgelegt und Insolvenzen angemeldet, da preisbedingt die industrielle Nachfrage nach hochwertigen Recyclaten immer weiter gesunken ist. Die Recycler, die zum Großteil dem Mittelstand angehören, brauchen gerade jetzt Anreize und Sicherheit für Investitionen in hochwertige Sortiertechnologien. Sie können nicht warten bis 2030, da für die wirtschaftlich bereits angeschlagenen Betriebe die finanzielle Durststrecke zu lang ist und ein Aufbau der Sortieranlagen einen längeren Vorlauf benötigt.
Lösungsansatz gibt es längst
Werner & Mertz legte schon mehrmals einen konkreten Lösungsansatz vor, wie hochwertiges Recycling in Deutschland gefördert werden kann: Die Idee ist, ein von zentraler Stelle geführtes Bonus-Malus-System einzuführen. Unternehmen, die Neuplastik (Virgin Plastic) aus billigem Erdöl verwenden, zahlen ein, während Firmen, die hochwertiges Recyclat in ihren Produkten einsetzen, einen finanziellen Ausgleich erhalten – gegenfinanziert aus dem Malus der erstgenannten Unternehmen. Um einen ausreichenden Bonus für Recyclatverwender finanzieren zu können, reicht ein sehr niedriger Malus pro Mengeneinheit beim Virgin Plastic, da zurzeit sehr viel mehr „Malus-Material" , also Virgin Plastic, in Verkehr gebracht wird. Je mehr Rezyklat in Zukunft eingesetzt wird – das sollte ja der Sinn dieses Systems sein – desto höher wird dann der Malus für jede Tonne Virgin Material, weil sich das Mengenverhältnis Virgin/Rezyklat verschiebt. Wenn diese Transformationsanreize mehrheitlich Erfolg haben, kann der Bonus pro Tonne Rezyklat wieder reduziert werden, da die Massenproduktion hochwertiger Rezyklate einen kostenentlastenden Skaleneffekt erzeugt. Dieses Anreizmodell bewirkt, dass zu keiner Zeit und erst recht nicht zu Beginn der Transformation ein wirtschaftlich unzumutbarer Malus entsteht, dafür aber eine wirksame Skalierungshilfe für hochwertige Kreislaufwirtschaft erreicht wird.
„Dieses System ist weder überkomplex noch unzumutbar – sondern schafft genau den finanziellen Anreiz, den es braucht, um die industrielle Nachfrage zu steigern und die notwendigen Investitionen in hochwertiges Recycling anzustoßen.", so Schneider.
Resilienz schaffen statt Abhängigkeiten
Das neue VerpackDG ist nicht nur aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht problematisch, sondern insbesondere aufgrund der aktuellen politischen Weltlage: „Resilienz ist ein Schlüsselfaktor für Deutschland und Europa und es ist gerade jetzt notwendig, uns aus der Abhängigkeit und Erpressbarkeit über fossile Rohstoffe zu befreien. Dazu muss das VerpackDG dringend überarbeitet werden!", fordert Schneider.
Kontakt: Werner & Mertz GmbH, Birgitta Schenz | BSchenz@werner-mertz.com | www.werner-mertz.com
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