Studie: Wie Ökolandbau Humusgehalte im Ackerbau beeinflusst

Bodenkohlenstoff wird nachhaltiger aufgebaut als konventionell

Bio-Äcker bevorraten im Mittel nicht mehr Bodenkohlenstoff als konventionelle. Diese Erkenntnis einer neuen Thünen-Studie unter Leitung von Prof. Dr. Axel Don überrascht, weil die meisten bisherigen Studien Ökolandbau in punkto Humusbildung als überlegen sahen. Der Bodenkohlenstoff werde im Ökolandbau freilich weniger auf Kosten der Umwelt aufgebaut – etwa durch Stickstoff-Verluste – als unter konventioneller Bewirtschaftung, so die Forscher. Ihr Fazit: Bodenkohlenstoff-Aufbau ist im Ökolandbau nachhaltiger.  
 
© EliElschi, pixabay.comFür die Studie, die die Fachzeitschrift Geoderma publiziert, wurden rund 2.800 Datensätze von mineralischen Oberböden sowohl aus der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft (2.159 Ackerflächen, davon 99 öko-zertifiziert) als auch aus dem Modell- und Demonstrationsvorhaben HumusKlimaNetz (578 Ackerflächen, davon 330 ökologisch) ausgewertet. Standortbedingte Unterschiede wurden herausgerechnet.  
 
Als Gründe für den Humus-Aufbau nennen die Autoren vor allem drei Faktoren:  
  • Stickstoff-Dünger: Der Einsatz synthetischer Dünger im konventionellen Anbau führte im Mittel zu höheren Erträgen. Die resultierenden Biomasse-Erträge und damit Wurzeln sowie Ernte-Reste wirkten humussteigernd. 
  • Humusmehrer: Hier lagen die Öko-Äcker mit 39 Prozent Humusmehrern wie Kleegras in den Fruchtfolgen deutlich vor den konventionellen Äckern mit 11 Prozent. 
  • Organische Düngung tierischer Herkunft: Zwei Drittel aller Äcker erhielten laut Studie keine organische Düngung – und zwar in beiden Bewirtschaftungssystemen. 
Peter Röhrig, geschäftsführender Vorstand des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, kommentiert:  
„Diese Studie ist ein Weckruf: Die Landwirtschaft kann und muss mehr für Humus tun. Welche Maßnahmen dafür die besten sind, wird derzeit im HumusKlimaNetz unter Leitung des Thünen-Instituts erforscht, an dem sich der BÖLW und der Deutsche Bauernverband beteiligen.  
 
Im Ökolandbau ist der Einsatz von synthetischem Dünger nicht erlaubt. Zwar kann er erheblich zum Bodenkohlenstoff beitragen, wie die Studie zeigt. Für die Umwelt und das Klima ist dieser Gewinn aber teuer erkauft – durch Kohlendioxid bei der Herstellung, durch Lachgas, das 300 mal so klimarelevant ist wie CO2 und durch Stickstoff-Verluste, die als Nitrat in unsere Gewässer und ins Grundwasser gelangen.  
 
Fazit:
Der Öko-Landbau sorgt heute für genauso viel Bodenkohlenstoff wie konventioneller Anbau – aber er erspart dabei dem Klima Millionen Tonnen an Treibhausgasen, er erspart Gewässern Stickstoff-Einträge, und er erspart allen voran Landwirtinnen und Landwirten den Umgang mit chemisch-synthetischen Pestiziden, die zur Berufskrankheit Parkinson führen können. Deshalb braucht es mehr Öko-Betriebe, die sich besser als heute um den Humus-Aufbau kümmern. Für die gesamte Landwirtschaft gilt: Maßnahmen zum Humus-Aufbau müssen in die Öko-Regelungen der Agrarförderung aufgenommen werden."  
 
Hintergrund  
Originalveröffentlichung: Don, A. Brügge, K., David Emde, Konstantin Aiteew, Christopher Poeplau (2025). No detectable elevated soil carbon under organic farming in German croplands - results from two soil surveys. Geoderma Vol. 464, December 2025. doi.org/10.1016/j.geoderma.2025.117634 

Der BÖLW ist der Spitzenverband deutscher Erzeugerinnen, Verarbeiter und Händlerinnen von Bio-Lebensmitteln und vertritt als Dachverband die Interessen der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland. Mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken werden jährlich von rund 58.000 Bio-Betrieben 17 Milliarden Euro umgesetzt. Die BÖLW-Mitglieder sind unter anderem: Biokreis, Bioland, Bioland Verarbeitung & Handel, Biopark, Bundesverband Naturkost Naturwaren, Dachverband ökologische Pflanzenzüchtung in Deutschland, Demeter, Ecoland, ECOVIN, GÄA, Interessensgemeinschaft der Biomärkte, Naturland, Arbeitsgemeinschaft der Ökologisch engagierten Lebensmittelhändler und Drogisten, Verbund Ökohöfe.

Kontakt: Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW), Annette Bruhns | presse@boelw.de | www.boelw.de



     
        
Cover des aktuellen Hefts

forum future economy

forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy.

  • Mit diesem Schritt markiert der Verlag bewusst eine Zeitenwende – hin zu einer Wirtschaft, die Zukunft schafft, statt nur Probleme zu verwalten.
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
08
DEZ
2025
Seeds of Hope
Lichtblicke am Jahresende
80336 München
09
DEZ
2025
Club of Rome Salon: Building the City of the Future (in English)
Cities, World Expos, and Stakeholders Driving Sustainability
10178 Berlin
Alle Veranstaltungen...
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Megatrends

Deutsche Einheit - deutsche Identität(en)
Christoph Quarch sieht die Zukunft in der Stärkung individueller Identitäten im Dialog mit anderen
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Ökologische Stromproduktion aus Fließgewässern

Ab 14.12.2025 gilt der neue Fahrplan der Deutschen Bahn für 2026

EMAS-Validierung für ein transparentes, europäisches Umweltmanagement der LaSelva Bio-Feinkost Unternehmensgruppe

Schulen stärken Bildung für nachhaltige Entwicklung

Seit 15 Jahren: faire und umweltbewusste Beschaffung mit dem Kompass Nachhaltigkeit

Blue Green FUTUREventura

Nachhaltigkeit in der Cloud

The GREEN MONARCH Awards 2025 Verleihung in Berlin

  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • TÜV SÜD Akademie
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • circulee GmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • NOW Partners Foundation
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • toom Baumarkt GmbH
  • Engagement Global gGmbH