„Reclaim Responsibility” statt „Black Friday”

Deutsche Umwelthilfe startet Aktionsshop mit geretteten Textilien von Ghanas Müllhalden

  • Wöchentlich landen rund 15 Millionen exportierte Kleidungsstücke in Ghana, viele davon auch aus Deutschland – sie sind größtenteils nicht recyclingfähig und enden deshalb auf Mülldeponien
  • Rabattwahnsinn am Black Friday befeuert Umwelt- und Klimaprobleme: DUH startet Protestshop mit geretteten Einzelteilen
  • Anstehende Umsetzung von EU-Richtlinie: DUH fordert von Umweltminister Schneider, Textilhersteller endlich in die Verantwortung zu nehmen
Zum Black Friday macht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die globalen Folgen des klimaschädlichen Geschäftsmodells Fast-Fashion greifbar. Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation startet unter dem Motto „Reclaim Responsibility” einen Aktionsshop, in dem gerettete und wieder aufbereitete Textilien aus Ghana ein zweites Leben erhalten. Dies soll die Absurdität der heutigen Überproduktion in der Textilindustrie zeigen: Obwohl viele Kleidungsstücke neu oder kaum getragen sind, werden immer mehr hergestellt. Für die Hersteller lohnt sich das weiterhin, weil sie für die Ressourcenzerstörung, Umweltschäden und Müllentsorgung ihrer Produktion nicht verantwortlich gemacht werden.

Fliegende Textilhändler auf den alten Bahngleisen auf dem Kantamanto Markt © Kevin McElvaney, DUHBarbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Fast-Fashion hat Mode zu Plastik-Wegwerfprodukten gemacht: 70 Prozent der Klamotten bestehen heute aus synthetischen Fasern, von denen weniger als ein Prozent zu neuer Kleidung recycelt wird. Umweltminister Schneider hat jetzt die Chance, die bislang weitgehend unregulierte Massenproduktion auf Kosten von Arbeitskräften und Umwelt wirksam zu begrenzen. Künftig darf es sich für Modemarken nicht mehr auszahlen, immer neue kurzlebige Trends zu bedienen und nicht-recyclingfähige minderwertige Ware in riesigen Mengen auf den Markt zu bringen. Mit der anstehenden Umsetzung der Erweiterten Herstellerverantwortung muss er festlegen, dass die Verantwortung der Hersteller nicht beim Checkout im Online-Shop oder an der Ladentheke endet, sondern bis zum Lebensende eines Produkts reicht. Dafür sollten mindestens 25 Prozent der Gebühren der Erweiterten Herstellerverantwortung für einen Fonds genutzt werden, über den wirklich kreislauffähige Geschäftsmodelle mitsamt der notwendigen Infrastruktur gefördert werden."

Ghana ist eines der Hauptexportziele für deutschen Textilmüll. Wöchentlich erreichen rund 15 Millionen gebrauchte Kleidungsstücke aus der ganzen Welt die Häfen Ghanas – und zunehmend auch neuwertige, ungetragene Ware, die besonders durch Konsumspitzen wie den Black Friday entsteht. Bei solchen durch Rabattaktionen ausgelöste Spontankäufen werden in Deutschland schon rund 80 Prozent der Textilien ungetragen zurückgeschickt. Diese Masse an Retouren, Überproduktion und Altkleider in zunehmend schlechter Qualität können auch in Ghana nur zum Teil weiterverkauft werden, bereits 40 Prozent der importierten Textilien gelten hier als Müll. Dieser Textilmüll unbekannter Zusammensetzung kann weder in Deutschland noch in Ghana sortenrein sortiert oder gar recycelt werden. Deswegen landet er auf Deponien oder wird verbrannt.

Gemeinsam mit dem lokalen Partner „The Revival” hat die DUH Textilien von informellen Mülldeponien in Accra gesammelt, gewaschen, repariert oder upgecycelt. Die geretteten Kleidungsstücke können im DUH-Aktionsshop kostenfrei bestellt werden; lediglich die Kosten für den Versand in Mehrweg-Boxen aus Berlin fallen an.

Viola Wohlgemuth, Senior-Expertin für Textilien und Kreislaufwirtschaft: „Die ökologischen und sozialen Auswirkungen von Fast Fashion in Ghana sind verheerend – ehemalige Sandstrände bestehen heute aus Textilmüllbergen. Hier wird das globale Versagen einer linearen Textilindustrie deutlich und Deutschland trägt als einer der größten Textilmärkte und Exporteur von gebrauchten Textilien eine besondere Verantwortung. Allein in Deutschland verbrauchen wir jährlich etwa 1,56 Millionen Tonnen Textilien – etwa 19 Kilogramm pro Person. Es ist höchste Zeit, dass Leihen, Reparieren, Second Hand das neue Normal werden!”

Hintergrund:
Mit der EU-Richtlinie zur Erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien (EPR) muss Deutschland bis Sommer 2027 ein eigenes nationales System aufsetzen. Frankreich und die Niederlande zeigen, wie es geht: Dort sind Hersteller bereits gesetzlich verpflichtet, Textilien in eine zweite Nutzung zu bringen, Reparaturen zu ermöglichen und Recycling zu fördern.

Links:

Kontakt: Deutsche Umwelthilfe e.V., Barbara Metz | metz@duh.de | www.duh.de



     
        
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