Deutschland will Tropenwald-Fonds Tropical Forest Forever Facility (TFFF) unterstützen

Naturschutzverbände fordern die Bundesregierung auf, noch vor Ende der COP eine konkrete Zusage zu machen

Wir sind sehr enttäuscht, dass Deutschland es heute versäumt hat, ein klares und ambitioniertes finanzielles Bekenntnis zur Tropical Forest Forever Facility (TFFF) abzugeben.

© sarangib, pixabay.comWohlhabende Länder wie Deutschland fordern seit Jahren eine stärkere Beteiligung des Privatsektors am Schutz der für die Welt lebenswichtigen Regenwälder. Insbesondere durch die Entwicklung investitionsbasierter Ansätze anstelle von öffentlichen Zuschüssen durch traditionelle Geberländer. Genau das hat Brasilien mit der Entwicklung der TFFF in enger Zusammenarbeit mit Deutschland und anderen Regierungen sowie renommierten Finanzinstituten in den letzten beiden Jahren getan. Trotzdem hat die deutsche Regierung aus nicht nachvollziehbaren Gründen es heute nicht geschafft, die für den so wichtigen Start der TFFF erforderlichen klaren finanziellen Bekenntnisse zu tätigen. 

Es ist nicht ausreichend, wenn Deutschland bekräftigt, dass man die Tropical Forest Forever Facility „mit einem namhaften Betrag unterstützen werde", wenn gerade jetzt ein konkretes finanzielles Bekenntnis zu öffentlichem Kapital aus Deutschland benötigt wird, um private Investitionen im Rahmen des TFFF-Modells zu erschließen.

Die von Norwegen zugesagten 3 Milliarden US-Dollar werden nur dann vollständig zur Verfügung gestellt, wenn andere Länder bis Ende 2026 insgesamt 9,8 Milliarden US-Dollar (100 Mrd. NOK) zusagen. Es kommt ganz stark auf Deutschland an, ob wir es schaffen, diese Lücke zu schließen. Durch das fehlende konkrete finanzielle Bekenntnis zum TFFF, verpasst es Deutschland andere Länder zu Investitionen zu motivieren.

Wir fordern die Bundesregierung auf, noch vor Ende der COP eine konkrete Zusage zu machen. Ohne eine konkrete finanzielle Beteiligung hat die deutsche Stimme in der TFFF deutlich an Kraft verloren, dennoch erwarten wir von der Regierung, dass sie ihren Einfluss und ihre Expertise in Bereich Regenwaldschutz nutzt, um eine Verbesserung folgender Aspekte der TFFF voranzutreiben:
  • Ausschluss umweltschädlicher Investitionen: Eine umfassende Liste ausgeschlossener Investitionen mit klaren Definitionen und unabhängiger Aufsicht muss veröffentlicht werden, um Investitionen die Klima, Wald oder Menschenrechten schaden, zu vermeiden und die Integrität des Fonds zu gewährleisten.
  • Finanzmodell: Eine Präzisierung der Renditeannahmen des TFFF ist notwendig, um dessen Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten sicherzustellen.
  • Zusätzlichkeit und NCQG: Alle Investitionen sollten zusätzlich zu bereits eingegangenen Klimafinanzverpflichtungen erfolgen. Nur die Auszahlungen aus der TFFF an Regenwaldländer sollten als Teil des NCQG gezählt werden, nicht die Investitionen in die TFFF selbst.
  • Transparenz und Monitoring: Wichtige Details zum Monitoring, zur Transparenz der Verteilung der TFFF-Erlöse durch Tropenwaldländer sowie zu den globalen und nationalen Beschwerde- und Rechtsbehelfsmechanismen sollten in die offizielle Dokumentation der TFFF eingefügt werden.
  • Walddegradierung: Alle Formen der Degradierung sollten mit der vorgesehenen Sanktion von 140 US-Dollar belegt werden, nicht nur die durch Feuer verursachten Schäden.
  • Baumkronenbedeckung: Der Schwellenwert sollte deutlich angehoben werden, um Wälder mit hoher Integrität zu priorisieren. Eine Teilzahlung für geringere Baumkronenbedeckung wäre möglich.
  • Menschenrechte: Die TFFF-Charta sollte explizite Bestimmungen zum Schutz indigener Völker und lokaler Gemeinschaften in Regenwaldgebieten (IPLCs) beinhalten.
Zitate
"Deutschland und Norwegen haben eine langjährige enge Partnerschaft im Regenwaldschutz. Beide waren in den letzten zwölf Monaten in die Ausgestaltung der TFFF eng eingebunden. Im Lichte der von Norwegen zugesagten 3 Milliarden US-Dollar für die TFFF ist die fehlende Ankündigung Deutschlands peinlich. Die TFFF muss bald ihre Arbeit aufnehmen, damit die Zerstörung der Regenwälder endlich aufhört.”
Felix Finkbeiner, Gründer von Plant-for-the-Planet

„Mit dem fehlenden konkreten finanziellen Bekenntnis der Bundesregierung zum TFFF riskiert die Bundesregierung nicht nur ihre politische und moralische Verantwortung beim Schutz der Regenwälder aufs Spiel zusetzen, sie handelt auch wieder Ihrer eigenen Forderung nach einer stärkeren Beteiligung des Privatsektors am Schutz der Natur und des Klimas, der Kernidee der TFFF."
Georg Schwede, Campaign for Nature

"Wir bedauern Deutschlands Entscheidung, sich bislang nicht an der TFFF zu beteiligen, eine verpasste Chance, seine Führungsrolle im globalen Waldschutz zu stärken. Ein Beitrag hätte die direkte Unterstützung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften verbessert, die an vorderster Front für den Erhalt der Wälder kämpfen. Die Mängel des Fonds dürfen keine Ausrede für Untätigkeit sein: ein Engagement hätte Deutschland die Chance erhalten, die Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards der Facility zu verbessern. Wir fordern Deutschland auf, seinen Kurs zu korrigieren und im Zuge der Weiterentwicklung der TFFF einen Beitrag zu leisten, der seinen Möglichkeiten und Verpflichtungen entspricht; als Ergänzung, nicht als Ersatz bestehender Klima- und Biodiversitätszusagen.”
Martina Schaub, Vorständin, OroVerde
 
Über die Tropical Forest Forever Facility
Die tropischen Regenwälder der Welt sollen durch einen insgesamt 125 Mrd. US-Dollar Fonds (zusammengesetzt aus 20 Prozent öffentlichen und 80 Prozent privaten Mitteln) geschützt werden. Teile der Gewinne des Fonds sollen genutzt werden, um Regenwaldländer zu belohnen, wenn sie ihre Wälder schützen. Das Modell sieht vor, bis zu 4 US-Dollar pro Hektar geschützten Regenwald auszuzahlen. Bei Entwaldung sind wiederum Abzüge in Höhe von 400 und 800 US-Dollar pro Hektar vorhergesehen.  
5,557 Milliarden US-Dollar an Investitionen in den TFFF wurden am 6. November zugesagt. Allein Norwegen hat bis zu 2,9 Milliarden US-Dollar (30 Mrd. NOK zugesagt). 

Über Plant-for-the-Planet
Plant-for-the-Planet ist eine globale Initiative, die für Klimagerechtigkeit kämpft. Dazu empowern wir junge Menschen, sich jetzt für eine lebenswerte Zukunft einzusetzen, und schützen und renaturieren Waldökosysteme. Außerdem betreiben wir Forschung und bieten kostenlose Software-Tools sowie Beratung für Renaturierungsorganisationen auf der ganzen Welt. Wir sind davon überzeugt, dass die drei Billionen Bäume der Welt geschützt werden müssen und tragen dazu bei, eine weitere Billion Bäume zurückzubringen.

Kontakt: Plant-for-the-Planet Foundation, Victoria Krumbeck | victoria.krumbeck@plant-for-the-planet.org | www.plant-for-the-planet.org



     
        
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