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Doris Hauser

Wa!

Wie Deutschland auf der Expo 2025 für Kreislauf und Kooperation wirbt

Was bedeutet es heute, ein Zukunftsbild von Deutschland in die Welt zu senden? Der Deutsche Pavillon auf der Expo 2025 in Osaka (13. April bis 13. Oktober 2025) gibt eine überraschend klare Antwort – und zwar nicht durch große Worte, sondern durch konsequente Haltung. Statt technischer Effekthascherei setzt das Ausstellungskonzept auf zirkuläres Denken, soziale Einbettung und eine Architektur, die nicht für den Moment, sondern für den Kreislauf gebaut wurde.

© Doris HauserDer Deutsche Pavillon steht unter dem japanischen Leitwort „Wa!" – ein Begriff, der so viel bedeutet wie Harmonie, Kreis, Gemeinschaft. Und genau das wird hier spürbar. Der Anspruch ist hoch: über 90 Prozent Wiederverwendbarkeit der eingesetzten Materialien. Damit versteht er sich nicht als temporäre Expo-Architektur, sondern als Teil eines zirkulären Materialkreislaufs.
 
Holz aus Deutschland wurde gezielt so verarbeitet, dass es nach der Expo rückstandslos demontiert und in neue Projekte integriert werden kann. Auch Wände aus Pilzwerkstoff oder wiederverwendbare Weichen-Elemente belegen: Hier wird Bauen als Übergang gedacht – nicht als Endpunkt.

© Doris Hauser
Diese konsequente Haltung betrifft aber nicht nur die Materialien. Auch das Freeflow-Konzept, das auf eine gelenkte Besucherführung verzichtet, steht für einen Perspektivwechsel: Die Menschen entscheiden selbst, wie sie sich durch den Pavillon bewegen. Aus der klassischen Erzählung wird ein dialogischer Raum, offen für Vielfalt und Tempo. Der Pavillon steht damit symbolisch für das, was ein neues „Made in Germany" bedeuten kann: Ingenieurskunst trifft auf Empathie, Kreislaufwirtschaft auf Offenheit, Detailverliebtheit auf globale Verantwortung.

Für forum gibt der Direktor des Deutschen Pavillons, Christopher Hecker, Einblicke in die Entstehung eines Projekts, das nicht nur Nachhaltigkeit verspricht, sondern sie auf allen Ebenen lebt: gestalterisch, materiell, sozial und kulturell.
 
Was war die mutigste Entscheidung im Projekt?
Ganz klar das Freeflow-Konzept. Wir sind von der klassischen Dramaturgie abgewichen, in der Besucher:innen in Gruppen durch eine festgelegte Abfolge geführt werden. Stattdessen haben wir den Raum geöffnet – inhaltlich und architektonisch. Und siehe da: Die Menschen bleiben 40 bis 60 Minuten, erleben den Pavillon intensiv, individuell, neugierig.

Wie lässt sich Nachhaltigkeit in so einem komplexen Projekt wirklich umsetzen?
Indem man Verständnis auf allen Ebenen schafft. Es reicht nicht, wenn das Management Nachhaltigkeit vorgibt. Auch die Handwerker:innen müssen verstehen, warum wir lieber einen nachhaltigen Kleber einsetzen als den billigsten. Nur wenn alle Beteiligten die Vision teilen, entsteht ein stimmiges Ganzes.

© Doris Hauser Was soll von der Expo bleiben – über die Architektur hinaus?
Verbindungen. Zwischen Menschen, Disziplinen, Nationen. Wir haben eng mit unseren Nachbarn aus Korea und Luxemburg kooperiert, Wissen geteilt, Probleme gemeinsam gelöst. Und wir haben Respekt vermittelt – auch gegenüber Pflanzen, Tieren, Materialien. Nachhaltigkeit heißt für uns: mit allem Leben sorgsam umgehen.

Ein neues deutsches Narrativ
Der Deutsche Pavillon auf der Expo 2025 zeigt nicht nur, was möglich ist, sondern auch, was nötig ist: mutige Entscheidungen, zirkuläre Materialkreisläufe, gemeinschaftliche Haltung und ein klarer Wertekompass.

„Made in Germany" wird hier neu erzählt – als „Made with Germany": mit Kopf, Herz und Hand. Mit einem Team aus über 100 Menschen vor Ort, das die kulturelle Vielfalt Deutschlands sichtbar macht. Mit einer Architektur, die nicht nur gebaut wurde, sondern weiterlebt. Und mit einem Begriff, der alles zusammenfasst: Wa! – als Symbol für die Zukunft, die nicht linear gedacht werden kann, sondern zirkulär, respektvoll, offen.
 
Doris Hauser ist Impact Designerin, Geschäftsführerin von CONNECTcom und Initiatorin von New.Impact.Thinking. Sie unterstützt Unternehmen und die MICE-Branche dabei, Nachhaltigkeit wirksam zu kommunizieren und zukunftsfähig zu gestalten. Mitglied der Initiative Nachhaltige Veranstaltungswirtschaft (I.N.V.) im BAUM. e.V.


     
        
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