Technik | Energie, 18.07.2025

Ökogas: Nachhaltig mit Biogas & CO2-Kompensation heizen

Der Klimawandel und die Notwendigkeit, den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren, sind zentrale Themen unserer Zeit

Biogasnutzung im Kreislauf: Wärme aus organischen Abfällen. / Copyright: Chat GPT
Der Klimawandel und die Notwendigkeit, den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren, sind bekanntlich zentrale Themen unserer Zeit. Doch während einige Haushalte hierzulande schon etwas länger auf „grünen" Strom setzen, ist nachhaltiges Heizen mit Ökogas trotzdem noch immer recht unbekannt. Und das, obwohl es auch im Wärmesektor mittlerweile deutlich umweltfreundlichere Alternativen zu herkömmlichem Erdgas gibt. Aber was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Ökogas? Wie funktioniert die Produktion? Und lohnt sich der Umstieg auch finanziell?

Was ist Ökogas?

Der Begriff bezeichnet Gasprodukte, die entweder aus erneuerbaren Quellen stammen oder deren CO2-Emissionen durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden. Im Gegensatz zu konventionellem Erdgas, das aus fossilen Lagerstätten gewonnen wird und bei der Verbrennung klimaschädliches CO4 freisetzt, setzt Ökogas grundsätzlich auf zwei nachhaltige Ansätze:

Biogas (Biomethan)
  • Wird durch Vergärung von organischen Materialien wie Gülle, Bioabfällen oder Energiepflanzen erzeugt. 
  • Ist nahezu CO4-neutral, da beim Verbrennen nur so viel CO4 entsteht, wie die Ausgangsstoffe während ihres Entstehungsprozesses aufgenommen haben. 
  • Wird nach Aufbereitung in das Erdgasnetz eingespeist und kann ohne technische Anpassungen genutzt werden.  
CO2-kompensiertes Erdgas 
  • Dabei handelt es sich um fossiles Erdgas, dessen Emissionen durch Klimaschutzprojekte (beispielsweise Aufforstung) ausgeglichen werden. 
  • Die Kompensation erfolgt über zertifizierte Anbieter, die sicherstellen, dass die CO2-Menge auch tatsächlich eingespart wird. 
Wichtig: Nicht alle als "Ökogas" vermarkteten Produkte enthalten Biogas. Manche Anbieter verkaufen lediglich CO2-kompensiertes Erdgas. Dementsprechend sollten Verbraucher auf die genaue Zusammensetzung achten und sämtliche Anbieter in Ruhe miteinander vergleichen, um auch tatsächlich von echtem Ökogas profitieren zu können.
 

Biogas: Energie aus natürlichen Quellen

Herkunft und Produktionsprozess
Biogas entsteht in Biogasanlagen durch den anaeroben (sauerstofffreien) Abbau von organischem Material. Als Substrate dienen:
  • Landwirtschaftliche Reststoffe (Gülle, Mist, Ernterückstände etc.) 
  • Bioabfälle (aus Haushalten, Lebensmittelindustrie oder kommunaler Sammlung) 
  • Energiepflanzen wie Mais, Getreide oder Grassilage (umstritten, da sie in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln stehen können) 
Der Vergärungsprozess läuft in mehreren Stufen ab:
  1. Hydrolyse: Bakterien zerlegen komplexe organische Stoffe in einfache Verbindungen. 
  2. Versäuerung: Es entstehen organische Säuren. 
  3. Methanbildung: Methanogene Mikroorganismen produzieren Methan (CH4) und CO2. 
Das entstandene Rohbiogas besteht zu etwa 50 bis 75 Prozent aus Methan, bei dem Rest handelt es sich um CO2, Wasserdampf und Spurengase.

Aufbereitung und Einspeisung in das Gasnetz
Damit Biogas als Erdgas-Ersatz genutzt werden kann, muss es gereinigt und aufbereitet werden:
  • Entschwefelung (Entfernung von Schwefelwasserstoff) 
  • CO2-Abtrennung (Erhöhung des Methananteils auf über 96 Prozent) 
  • Trocknung (Entfernung von Wasserdampf) 
Gut zu wissen: Das so gewonnene Biomethan hat Erdgasqualität und kann direkt in das Netz eingespeist werden. Da sich physisch nicht nachverfolgen lässt, welcher Haushalt tatsächlich Biogas bezieht, arbeiten die Anbieter mit Herkunftsnachweisen (zum Beispiel Grünes-Gas-Label).
 

CO2-Kompensation und Zertifikate: Wie funktioniert der Ausgleich?

Funktionsweise der CO2-Kompensation
Bei CO2-neutralem Erdgas werden die durch Verbrennung entstehenden Emissionen durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen. Das Prinzip:
  1. Der Gasanbieter berechnet die CO2-Emissionen seines Produkts. 
  2. Er investiert in zertifizierte Projekte, die dieselbe Menge CO2 einsparen (beispielsweise durch Waldschutz und den Bau von Solaranlagen oder effizienten Kochöfen in Entwicklungsländern).  
  3. Unabhängige Prüforganisationen bestätigen die Wirksamkeit. 
Wichtige Zertifizierungsstandards
Wichtige Standards für seriöse Kompensation sind:
  • Gold Standard (strengste Kriterien, fördert erneuerbare Energien und Waldschutz) 
  • TÜV-zertifizierte Projekte (unabhängige Prüfung der CO2-Einsparungen) 
  • myclimate (unterstützt nachhaltige Entwicklungsprojekte) 
  • VERRA (weltweit anerkannter Standard für Klimaschutzprojekte)  
Kritiker bemängeln jedoch, dass Kompensation allein keine Emissionen vermeidet, sondern nur ausgleicht. Dennoch ist es ein Schritt in Richtung Klimaneutralität, solange der Gasmarkt noch nicht vollständig auf Biogas umgestellt ist.
 

Vorteile für Umwelt und Verbraucher

1. Geringerer CO2-Fußabdruck                         
Biogas ist nahezu klimaneutral, da bei der Verbrennung nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie die Pflanzen zuvor gebunden haben. Kompensiertes Gas reduziert zudem indirekt Emissionen. 

2. Unterstützung regionaler Kreisläufe 
Biogasanlagen stärken häufig die lokale Landwirtschaft und Abfallverwertung. 
 
3. Kein Geräteumbau nötig 
Da Ökogas die gleichen Eigenschaften wie Erdgas hat, funktioniert es problemlos mit bestehenden Heizungsanlagen.  

4. Unabhängigkeit von fossilen Importen 
Biogas kann dezentral produziert werden und verringert die Abhängigkeit von Gaslieferungen aus dem Ausland. 

5. Zukunftssicherheit  
Mit steigender CO2-Bepreisung fossiler Brennstoffe wird Ökogas wirtschaftlich immer attraktiver.  

Was kostet Ökogas?

Ökogas ist in der Regel etwas teurer als konventionelles Erdgas, allerdings nur moderat:
  • Biogas kostet etwa 0,5 bis 2 ct/kWh mehr als Erdgas (dementsprechend lohnt sich also ein Anbietervergleich). 
  • CO2-kompensiertes Gas ist oft nur minimal teurer (ca. 0,2 bis 1 ct/kWh Aufschlag). 
  • Beispielrechnung (durchschnittlicher Jahresverbrauch 20.000 kWh): Erdgas: 1.400 €/Jahr, Ökogas: 1.440 bis 1.480 €/Jahr (also nur geringfügig höher). 
Fördermöglichkeiten
  • KfW-Förderung 
    Programme wie „Energieeffizient Bauen und Sanieren" unterstützen den Einsatz erneuerbarer Energien inkl. Biogas.  
  • Kommunale Zuschüsse
    Einige Städte bezuschussen den Wechsel zu Ökogas (zum Beispiel im Rahmen von Klimaschutzprogrammen).  
  • Bonusprogramme der Anbieter
    Neukundenrabatte, Wechselprämien oder Treueboni.  

Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung

Ökogas ist eine praktikable Lösung für Haushalte, die ihren Gasverbrauch ohne teure Technikumstellungen etwas nachhaltiger gestalten möchten. Während Biogas eine echte erneuerbare Alternative darstellt, sorgt CO2-Kompensation immerhin für einen klimaneutralen Ausgleich. Beide Varianten leisten einen Beitrag zur Energiewende und zeigen, dass auch im Wärmesektor umweltbewusste Entscheidungen möglich sind.

Wer Ökogas wählt, reduziert aktiv seinen CO2-Fußabdruck, unterstützt den Klimaschutz und sendet zugleich ein starkes Signal an den Markt: Die Nachfrage nach grüner Energie wächst – und damit die Chance auf eine fossilfreie Zukunft.


     
        
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