Wasser in der Krise

Wenn Wasser zur Mangelware wird: die stille Eskalation einer globalen Bedrohung

Der Anstieg der Treibhausgase erwärmt Ozeane, schmilzt Eisschilde und begünstigt extreme Wetterereignisse wie Dürre und Hochwasser. Milliarden Menschen droht bis 2050 akuter Wassermangel – vor allem jenen, die kaum zum Problem beigetragen haben.

© WASSERATLAS / WRI Die Erderwärmung beeinflusst den Wasserkreislauf, mit weitreichenden Folgen. So führt der Anstieg der globalen Temperatur zur Erwärmung der Ozeane. Dadurch verändern sich erstens die Wasserzirkulation und damit der Wärmeaustausch; zweitens schmelzen die grönländischen und antarktischen Eisschilde schneller denn je.
 
Das beeinträchtigt wiederum den Wärmefluss an der Meeresoberfläche, da sich durch die Eisschmelze weniger Tiefenwasser bildet, das als Motor des Temperaturaustauschs im Ozean unabdingbar ist. Konkret sorgt die Eisschmelze dafür, dass weniger kaltes Wasser in die Tiefe sinkt und somit der natürliche Kreislauf des Wassers gestört wird. Wasser an der Oberfläche wird stärker erwärmt, was den Anstieg der Meeresspiegel fördert – da warmes Wasser mehr Platz einnimmt als kaltes Wasser und zusätzlich das Schmelzen von Gletschern und Eisschilden beschleunigt.
 
Klimakrise verändert Wetter und Wasserhaushalt
Aber auch die Luftströmungen sind von der Erderwärmung betroffen; Windströme und die Wege von Stürmen und Niederschlägen verändern sich. Wetterlagen können an Intensität zunehmen. Wenn sich die Oberflächentemperatur der Meere erhöht, können die warmen Luftmassen mehr Wasser aufnehmen – mit jedem Grad Erwärmung erhöht sich die Aufnahmekapazität um 7 Prozent. Die höhere Aufnahme von Feuchtigkeit begünstigt Extremwetter und kann lokal zu Trockenperioden, aber auch Starkregen führen. Die Attributionsforschung, die den Einfluss des menschengemachten Klimawandels auf Extremwetterereignisse untersucht, hat herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit für
Starkregen durch die Klimakrise um das 1,2- bis 9-Fache steigt. Fällt Starkregen auf ausgetrocknete Böden, fließt das Wasser vor allem an der Oberfläche ab. In der Folge droht Hochwasser.
 
Auch in Deutschland wirkt sich die Klimakrise gravierend auf den Wasserhaushalt aus. Seit der Jahrtausendwende hat Deutschland eine Wassermenge größer als das Volumen des Bodensees verloren – nämlich 2,5 Kubikkilometer Wasser pro Jahr. Besonders großen Wasserverlust erlebte Deutschland in den Jahren 2018 bis 2020, in denen das Grundwasser historische Tiefstände aufwies. Da Grundwasser nur langsam auf Veränderungen reagiert, sind die Auswirkungen dieser Dürrejahre bis heute noch nicht überall ausgeglichen. Im US-amerikanischen Kalifornien zeigt sich, wohin die Entwicklung gehen kann: Grundwasserstände sind vielerorts schon über 30 Meter gesunken und mehrere Tausend Brunnen versiegt.
 
Doch die Klimakrise verringert nicht nur die verfügbare Wassermenge, sondern beeinträchtigt auch die Wasserqualität. Steigende Temperaturen und sommerlicher Wassermangel begünstigen zum Beispiel das Wachstum von gefährlichen Bakterien wie Blaualgen und Vibrionen. Zusätzlich sinkt der Sauerstoffgehalt, und es verringert sich der Verdünnungs­effekt für schädliche Stoffe wie Nitrat im Wasser.
 
Wasserknappheit in urbanen Zentren
© WASSERATLAS 2025 UBADie globale Klimakrise trifft vor allem jene, die am wenigsten zu ihr beigetragen haben und sich am wenigsten schützen können: Länder mit niedrigen Einkommen und arme Menschen in Ländern mit hohem Einkommen. Als direkte Reaktion flüchten viele Menschen vor der Klimakrise zunächst in städtische Zentren auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen. Dort, wo der Trinkwasserbedarf hauptsächlich durch Grundwasser gedeckt wird, führt der unkontrolliert steigende Wasserverbrauch zu Landsenkungen.
 
Beispiel Jakarta: Pro Jahr sinkt die indonesische Hauptstadt über 20 Zentimeter ab. Große Teile der Stadt befinden sich bereits unter dem Meeresspiegel. Dadurch dringen große Mengen Meerwasser in Grundwasserschichten ein – viele Brunnen werden so unbrauchbar.
 
Auch in Gebirgsregionen wird Wasser wegen wachsender Städte und der Klimakrise knapp, etwa an den westlichen Hängen entlang der Anden. Durch Gletscherschwund und eine höhere Verdunstung verringern sich die nutzbaren Wasservorräte.
 
Auch Seen und Flüsse verlieren durch Übernutzung und längere Trockenperioden deutlich an Wasservolumen. Weil dadurch die Fischbestände zurückgehen und die Lebensgrundlage vieler Fischer*innen und ihrer Familien gefährdet ist, verschärfen sich soziale und politische Probleme.
 
Dieser Artikel erschien zuerst im Wasseratlas. Der Wasseratlas der Heinrich-Böll-Stiftung und des BUND informiert kostenlos darüber, wie man Wasserökosysteme vor Übernutzung und Verschmutzung schützen – und das Menschenrecht auf Wasser stärken kann. 

Dieser Artikel ist in forum 03/2025 - Der Wert der Böden erschienen.



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
28
APR
2026
BootCamp Impact Business Design
Zertifizierter Impact Business Design Master
Köln
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Ein Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

LOHAS & Ethischer Konsum

"All You Need is Love"
Christoph Quarch verteidigt den Valentinstag als Schutzzeit für die romantische Liebe
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Aufbruch in Santa Marta

Städte weltweit fordern eine Beschleunigung des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien

Koalition von Ländern treibt beschleunigte Abkehr von fossilen Energien während Energiekrise voran

Agroforst als Schlüssel für Wasserhaushalt, Klimaanpassung und die Zukunft der Landwirtschaft

Deutsche Umwelthilfe widerlegt Mythos angeblich hoher Systemkosten Erneuerbarer Energien

Indigene Demonstrierende verknüpfen italienische Lederindustrie mit der Zerstörung der Wälder ihrer unkontaktierten Verwandten

Die Energiewende ist kein Kostenblock – sie ist ein Gewinnmodell für die Regionen

Circular Economy stärkt Wettbewerbsfähigkeit

  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • TÜV SÜD Akademie
  • circulee GmbH
  • NOW Partners Foundation
  • 66 seconds for the future
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Engagement Global gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • SUSTAYNR GmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • WWF Deutschland
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • ZamWirken e.V.