Umwelt | Klima, 26.06.2025

ETS-2 braucht sozialen Kompass

Verbände fordern gerechten Emissionshandel und legen 5-Punkte-Plan vor

Ab 2027 werden mit dem neuen EU-Emissionshandel (ETS-2) europaweit erstmalig Preise auf den Ausstoß von CO2 in den Bereichen Gebäude und Verkehr erhoben. Die Preise für Öl, Gas und Benzin werden dadurch spürbar steigen. Damit besonders betroffene Haushalte entlastet werden, stellt die EU einen Klima-Sozialfonds bereit. Voraussetzung für die Auszahlung der Gelder: Die EU-Mitgliedstaaten müssen bis zum 30. Juni Klima-Sozialpläne mit Maßnahmenvorschlägen bei der EU-Kommission einreichen. Wenige Tage vor Fristende fordert ein breites Bündnis aus Klima-, Umwelt- und Sozialverbänden in einem 5-Punkte-Plan von der Bundesregierung einen Fahrplan, der den neuen Emissionshandel so gestaltet, dass er wirkt und niemanden überfordert.

© Albert Klein, unsplash.com„Der neue Emissionshandel ist ein wichtiger Baustein, um die Klimaziele im Gebäude- und Verkehrsbereich zu erreichen. Damit er wirkt und von den Menschen mitgetragen wird, muss er von Anfang an sozial flankiert werden. Die Bundesregierung steht jetzt in der Verantwortung, den Klima-Sozialplan fristgerecht bei der EU-Kommission einzureichen,” fordert Stefanie Langkamp, Geschäftsleiterin Politik bei der Klima-Allianz Deutschland

Elke Ronneberger, Bundesvorständin Sozialpolitik Diakonie Deutschland, fordert: „Klimaschutz muss sozial gerecht sein. Es darf nicht passieren, dass gerade diejenigen, die am wenigsten zur Klimaerwärmung beitragen, am stärksten unter steigenden Heiz- und Spritpreisen leiden und am wenigsten von Klimaschutzmaßnahmen profitieren. Ein bundesweites Sozialticket oder gezielte Förderboni für die Sanierung von Sozialwohnungen entlasten gezielt Menschen mit geringem Einkommen. Damit Klimaschutz sozial abgefedert und breit akzeptiert wird, braucht es deutlich mehr Mittel im Bundeshaushalt – sonst bleibt soziale Klimapolitik wirkungslos." 

Die Organisationen fordern begleitende politische und ordnungsrechtliche Maßnahmen zum neuen Emissionshandel. Dazu zählen Investitionen in die öffentliche Infrastruktur und gesetzliche Vorgaben zur CO2-Minderung ebenso wie Maßnahmen zur sozialen Abfederung. 

Christoph Bals, Geschäftsführender Vorstand Politik von Germanwatch, warnt: „Deutschland kann und muss als größter Treibhausgasemittent in Europa dafür Sorge tragen, dass die Emissionen schnell sinken und der CO2-Preis nicht durch die Decke geht. Dafür braucht es einen Elektrifizierungsturbo mit gezielten Investitionen in Wärmepumpen, E-Mobilität und die öffentliche Infrastruktur. Das würde auch die finanziellen Belastungen für besonders betroffene Haushalte abfedern. Die Bundesregierung sollte noch dieses Jahr ein Klimaschutzprogramm auf den Tisch legen.”

Zusätzlich fordern die Organisationen eine deutliche Aufstockung des EU-Klima-Sozialfonds als begleitendes Solidaritätsinstrument. Die bisher vorgesehenen 65 Milliarden Euro reichten bei weitem nicht aus, um die sozialen Herausforderungen durch den neuen Emissionshandel in der EU europaweit abzufedern. 

Hintergrund
Insgesamt 15 Organisationen haben das Forderungspapier unterzeichnet:  
Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V., AWO Bundesverband e.V., Bündnis Bürgerenergie e.V. - BBEn, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), Deutsche Umwelthilfe e.V., Deutscher Caritasverband e.V., Deutscher Naturschutzring e.V., Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband - Gesamtverband e.V. (Der Paritätische), Diakonie Deutschland, Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V., Germanwatch e.V., Klima-Allianz Deutschland e.V., Transport & Environment (T&E) Deutschland gGmbH, Verkehrsclub Deutschland e.V. - VCD, WWF Deutschland 


Der Expertenrat für Klimafragen hat Deutschland zuletzt eine unzureichende Minderung der Emissionen im Gebäude- und Verkehrssektor bescheinigt. Die bisherigen Maßnahmen werden voraussichtlich nicht ausreichen, um die nationalen und europäischen Klimaziele in diesen Sektoren bis 2030 einzuhalten. Die neue Bundesregierung ist verpflichtet, innerhalb eines Jahres ein Klimaschutzprogramm mit wirksamen Maßnahmen, insbesondere auch für diese beiden Sektoren, vorzulegen. 

Die Klima-Allianz Deutschland ist das breite gesellschaftliche Bündnis für den Klimaschutz. Mit über 150 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Umwelt, Kirche und weitere religiöse Gemeinschaften, Entwicklung, Bildung, Kultur, Gesundheit, Verbraucherschutz, Jugend, Soziales und Gewerkschaften setzt sie sich für eine ambitionierte und sozial gerechte Klimapolitik auf lokaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene ein. Hinter ihren Mitgliedsorganisationen stehen rund 32 Millionen Einzelmitglieder.

Kontakt: Klima-Allianz Deutschland e.V., Jakob Schreyer | presse@klima-allianz.de | www.klima-allianz.de



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
28
APR
2026
BootCamp Impact Business Design
Zertifizierter Impact Business Design Master
Köln
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Ein Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Pioniere & Visionen

Innovation und Kreativität brauchen Spielräume
Christoph Quarchs Gedanken zum Frühlingserwachen
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Neues Buch "Enkelfähigkeit® & ihre Perspektiven"

Earth Day 2026: Gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft

Volvox by ecotec

Biodiversität und die Logik der Kreisläufe

Neue Umfrage zum Welttag des Buches: Nachhaltigkeit wird für Kochbuchfans zum Kaufkriterium

Pro Minute werden 100 Bäume gefällt

Earth Day 2026: 26% Rabatt auf nachhaltige Wirkung

3Q4U - 3 Questions for you

  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Global Nature Fund (GNF)
  • 66 seconds for the future
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • circulee GmbH
  • NOW Partners Foundation
  • SUSTAYNR GmbH
  • WWF Deutschland
  • TÜV SÜD Akademie
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Engagement Global gGmbH
  • ZamWirken e.V.
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG