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Landnutzung: eine Datenbank für den Klimaschutz

So könnte Europas Land- und Forstwirtschaft klimafreundlicher werden

Die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen gilt als eine der Hauptursachen für den Klimawandel. Entscheidungen über Landnutzung beeinflussen also maßgeblich den Klimaschutz. Welche Faktoren aber beeinflussen diese Entscheidungen? Für die Beantwortung dieser Frage liegt nun eine neue, umfassende Datenbank vor: Ein europäisches Konsortium unter Federführung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) hat erstmals detailliert Flächennutzungsdaten EU-weit harmonisiert, mit deren Hilfe Europas Land- und Forstwirtschaft klimafreundlicher werden kann.

© pexels, pixabay.comLandnutzung ist entscheidend für den Klimaschutz: Auf fast 40 Prozent der gesamten Fläche in der EU wird Landwirtschaft betrieben. Dabei emittiert der Agrarsektor etwa zehn Prozent der EU-weiten Treibhausgasemissionen. Bei der Produktion von Nahrungsmitteln liegt der Anteil sogar bei 30 Prozent, bis sie letztendlich auf den Tisch der Verbraucher kommen. Wälder hingegen können zwar CO2 speichern. Gleichzeitig aber ist ihre intensive Bewirtschaftung eine weitere Treibhausgasquelle. Das Einsparpotenzial für den gesamten Bereich ist daher immens: Laut Studien könnte eine Extensivierung der agrarischen Produktion in Kombination mit einer gesünderen und nachhaltigeren Ernährung, die weniger auf tierische Produkte setzt, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um zehn bis 40 Prozent unter den Stand von 2010 drücken. 

Vor diesem Hintergrund arbeitet das von der EU geförderte Forschungsprojekt Europe-LAND an der Entwicklung nachhaltigerer Landnutzungsstrategien in der EU. Zunächst will man verstehen, welche Faktoren beeinflussen, wie Flächen genutzt werden – und wie diese Entscheidungen hin zu mehr Nachhaltigkeit gelenkt werden können. „Das ist die über allem stehende Forschungsfrage unseres Projekts. Doch die Beantwortung ist sehr komplex und von Region zu Region unterschiedlich", erklärt Dr. Franziska Wolf, leitende Projektmanagerin der HAW Hamburg. 

Um der Antwort näherzukommen, untersucht ein interdisziplinäres Konsortium aus 13 Partnern in zwölf EU-Mitgliedsstaaten die treibenden Faktoren für Landnutzungsentscheidungen. „Wir haben dafür Daten im Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem (InVeKoS) in ganz Europa gesammelt", erklärt Prof. Martin Rudbeck Jepsen von der Universität Kopenhagen, der mit seinem Team für die Sammlung der Fakten verantwortlich ist. Daten aus InVeKoS sind seit 2024 öffentlich zugänglich und sollen Aufschluss über das Landnutzungsverhalten geben. Die Schwierigkeit dabei: Noch sind die Werte nicht in allen Ländern verfügbar und auch die Art der Darstellung und der Informationstiefe sind in jedem Land anders. „Wir haben die vorhandenen Daten zusammengetragen und erstmalig auf ein gemeinsames Niveau zusammengeführt", sagt Rudbeck Jepsen. 

Das Ergebnis ist eine öffentlich zugängliche Datenbank, die Aufschluss über das Landnutzungsverhalten gibt und mit der nun erstmals Vergleiche und Rückschlüsse möglich sind. „Die IACS Database dient uns als Grundlage für eine bislang fehlende einheitliche Analyse der landwirtschaftlichen Bodennutzung und wird kontinuierlich im Projektverlauf aktualisiert, sobald neue Daten verfügbar sind", so Wolf. Dabei fasst IACS Database Flächennutzungsdaten auf Feldebene mit anonymisierten Informationen über landwirtschaftliche Betriebe, Tierhaltung und ökologischen Anbau zusammen. Die Datenbank deckt fast die gesamte EU ab und liefert je nach Region Zeitreihen von bis zu 20 Jahren. „IACS ist eine großartige Quelle zur Analyse des Landnutzungsverhaltens und zu den Veränderungen", so Wolf. „Die Daten sind eine wertvolle Grundlage, um detaillierte Aussagen zum Status der landwirtschaftlichen Produktion in der EU zu treffen. Damit können beispielsweise die Auswirkungen der EU-Gesetzgebung hin zu nachhaltiger Landwirtschaft evaluiert werden." Im Rahmen der neu gegründeten IACS Community of Practice, einem Netzwerk mit Landnutzungsexperten aus ganz Europa unter anderem mit Geografen und Wissenschaftlern aus dem Bereich Landwirtschaft, aber auch Vertretern europäischer Institutionen, wird diskutiert, wie das Datenset darüber hinaus für verschiedene Forschungsbedarfe eingesetzt werden kann.

Profitieren könnten von den Ergebnissen nicht nur Klimaschutz und Biodiversität, sondern ebenso die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum in der EU. „Wenn wir Landwirtschaft und Landnutzung in Europa bereits heute auf bevorstehende klimatische Veränderungen und gleichzeitig biodiversitätsschonend einstellen und anpassen, können wir langfristig sicherstellen, dass genug Nahrung vorhanden ist – und dabei wettbewerbsfähig bleiben", erklärt Wolf. „Eine Anpassung an die Klimaveränderung benötigt zudem sicherlich Innovationen und häufig auch Investitionen. Das könnte zu neuen Technologien und Methodiken führen und damit ebenso die Wettbewerbsfähigkeit steigern", betont Wolf.

Kontakt: Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Dr. Franziska Wolf | franziska.wolf@haw-hamburg.de | www.europe-land.eu



     
        
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