Im Alter die Welt retten

Senior-Gründer entwickelt Maritimes Recycling und erhält dafür den Zugabe-Preis der Körber-Stiftung

Die Welt verbessern geht in jedem Al­ter. Das beweist der 68-jährige Unter­nehmer Günther Bonin aus München. Der passionierte Segler entwickelt spe­zielle Schiffe, um die Ozeane von Plas­tikmüll und Schadstoffen zu befreien. Seine NGO One Earth – One Ocean tüftelt gemeinsam mit Industrie und Experten an innovativen Recycling­lösungen für die Weltmeere. Als sozia­ler Gründer 60plus erhielt Bonin von der Körber-Stiftung den Zugabe-Preis 2024, der mit 60.000 Euro dotiert ist. Im Gespräch mit der Körber-Stiftung berichtet er von seinem Projekt.

 Günter Bonin auf dem Müllsammelschiff ''Seekuh'' in Lübeck, April 2024 © Patrick Pollmeier
Herr Bonin, mit maritimem Recycling die Ozeane retten – wie geht das?
Mehr als zehn Millionen Tonnen Müll gelangen jährlich in die Weltmeere. Etwa drei Viertel davon sind Plastik, das eine Lebensdauer von bis zu 500 Jahren hat. Mikroplastik ist inzwischen überall. Es schädigt das Ökosystem und uns Menschen. Wir wollten endlich anfangen, etwas dagegen zu tun. Darum haben wir spezielle Schiffstypen entwickelt, mit denen wir den Müll aus den Gewässern und Ufern einsammeln. Also eine Müllabfuhr für das Wasser.

Eine riesige Aufgabe! Wie viel Plastik können Sie herausholen?
Wir müssen groß denken, auch wenn wir klein angefangen haben. Inzwischen haben wir Sammelteams in neun Ländern und bieten mehr als 100 Menschen regelmäßige Arbeit. Allein in Kambodscha haben wir letztes Jahr 1.000 Tonnen Plastik aus den Gewässern eingesammelt und von den Wertstoffen konnte man 200 Tonnen weiterverwerten. Die Gelder, die wir einnehmen, investieren wir wieder in das Land, in eine neue
Reinigungszelle.

Neben den Schiffen und den Clean-up-Aktionen weltweit ist Ihre NGO auch in Deutschland aktiv. Welche Projekte beschäftigen Sie derzeit?
Angefangen haben wir damit, unsere Gewässer vor Ort zu säubern. Inzwischen bergen wir mit Tauchern auch Geisternetze aus der Ostsee. Besonders wichtig ist uns unsere Aufklärungsarbeit. Wir gehen an die Schulen und wollen die Kinder dafür sensibilisieren, Müll zu vermeiden. Denn noch ist es möglich, das Ruder herumzureißen. Und dann gibt es da noch ein Riesenprojekt: Zusammen mit Experten und der Industrie entwickeln wir unseren „SeeElefanten". Das ist ein großes Recyclingschiff, das den gesammelten Müll aufnehmen, verarbeiten und verwerten kann. Bis zu 60.000 Tonnen pro Jahr!

Der Zugabe-Preis würdigt Sie als sozialen Gründer und Vorbild für ein aktives Altern. Wie schauen Sie auf Ihr Alter?
Für einen jungen Menschen ist man mit 68 alt, aber das Alter hat nichts zu sagen. Es kommt darauf an, was man macht. Es darf nicht immer nur um das Geld gehen, es muss auch mal um eine Idee gehen. Solange ich gesund bin, werde ich meine Energie nutzen, um meine Ziele umzusetzen.

Was bedeutet Ihnen der Preis und wie geht es weiter?
Eine tolle Anerkennung für meine Arbeit! Und jetzt bin ich Teil des Zugabe- Netzwerkes gemeinsam mit anderen „verrückten" Spätgründern. Das gibt Austausch und Motivation. Für One Earth – One Ocean geht es mit Vollgas weiter. Nichts tun ist ab und an ganz witzig, aber nichts für mich. Ich muss etwas bewegen, was Sinn ergibt. Ich werde so lange weitermachen, bis ich vom Kutter falle.

Herr Bonin, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Jetzt nominieren für den Zugabe-Preis 2025!

Das Interview haben wir zuerst in der "forum Extra"-Beilage zur WirtschaftsWoche veröffentlicht. Mit diesem Format möchten wir neue Kreise in der Wirtschaft für das Thema Nachhaltigkeit begeistern. Das Magazin steht für Sie kostenlos zum Download und auch zum Weiterreichen zur Verfügung.


     
        
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