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Wissenstransfer in der Porsche Classic Werksrestaurierung: Die einzigartige Erfahrung der Mitarbeiter bleibt erhalten

Langjährige Expertise wird an die nächste Generation weitergegeben

  • Erfolgs-Faktoren: umfangreiches Fachwissen und handwerkliches Können
  • Familien-Sache: Vater-Sohn-Team in der Getriebe-Restaurierung
  • Gemischtes Doppel: generationenübergreifendes Tandem im Interieurbereich
Sie haben Zugang zu den Original-Karosserielehren, zu den Originalwerkzeugen, zu eigens nachgefertigten Originalteilen und zum Unternehmensarchiv. Doch das Wichtigste haben die Mitarbeiter der Porsche Classic Werksrestaurierung im Kopf und in den Händen: ihr umfangreiches Know-how und ihr handwerkliches Geschick verbunden mit jahrelanger Erfahrung. Damit bauen sie Porsche Klassiker im Zuge einer originalgetreuen Werksrestaurierung oder eines individuellen Sonderwunsch-Projekts zu absoluten Traumwagen auf. Wenn aber diese Fachleute in den Ruhestand gehen, könnte eine Lücke entstehen. Der Austausch und der Transfer ihres Wissens sind für Porsche Classic sehr wertvoll und ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Peter Schwämmle beim Einarbeiten eines Dachhimmels in einen 356 © Porsche AG
„Die Fußstapfen sind riesig", gibt Tobias Kariegus unumwunden zu. Vor Kurzem erst hat der 33-Jährige seinen Vater als Getriebeexperten in der Porsche Classic Werksrestaurierung abgelöst. „Diese Nachfolgeregelung ist natürlich ideal für uns. So bleibt das Wissen nicht nur in der Familie, sondern auch in der Firma", sagt Uwe Makrutzki, Leiter der Porsche Classic Werksrestaurierung.

Nach seiner Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker hat Tobias Kariegus zehn Jahre in der Porsche Produktion gearbeitet, bevor er zur Porsche Classic Werksrestaurierung gewechselt ist. „Schon meine frühere Stelle war ein Traumjob. Aber alte Schaltgetriebe ganz unterschiedlicher Modelle vom 356 bis zum 959 zu restaurieren, ist nochmal spannender und erfüllt mich persönlich noch mehr." Ein halbes Jahr „training on the job" musste genügen, bevor Vater Klaus mit 62 Jahren in den Vorruhestand gewechselt ist und den Staffelstab an Sohn Tobias übergeben hat. „Das klingt nach einer kurzen Einarbeitungsphase. Aber das halbe Jahr relativiert sich, wenn man weiß, dass der Lehrmeister die absolute Koryphäe war", betont Uwe Makrutzki.

Insgesamt 40 Jahre Erfahrung hat Klaus Kariegus gesammelt: Schon in der Abteilung Werksreparatur, dem Vorläufer der Porsche Classic Werksrestaurierung, hat der gelernte Kfz-Mechaniker an Getrieben „geschraubt". Und das Qualifikationsprogramm für seinen Nachfolger war durchaus anspruchsvoll, familiäre Rücksichtnahme gab es nicht: Neben diversen Restaurierungen hat das Vater-Sohn-Gespann in diesen sechs Monaten eine stolze Kleinserie von 50 Getrieben für den 911 (Typ 993) gefertigt – ein wichtiger Ersatzteilvorrat für die weltweiten Kunden, die Porsche Classic mit Ersatzteilen versorgt.

Im Zuge einer Porsche Werksrestaurierung werden Motor und Getriebe grundsätzlich komplett zerlegt, gereinigt und befundet. Verschlissene oder defekte Teile werden ersetzt oder, sofern möglich, auf Wunsch ebenfalls repariert und restauriert. „Die Ursache für einen Fehler wie etwa einen herausspringenden Gang zu finden, ist oft echte Detektivarbeit. Meist hilft dann die Erfahrung, wenn man sich erinnert, wo es beim gleichen Getriebe schon mal Probleme gab", so Vater Kariegus.

Anschließend muss der wieder fit gemachte Antrieb seine Leistungsfähigkeit bei einem ausgiebigen Testlauf unter Beweis stellen. „Das war immer der spannendste Moment, wenn der Chef auf Erprobungsfahrt ging", schmunzelt Klaus Kariegus. Denn Prüfstände, auf denen sich vorab die einwandfreie Funktion ermitteln ließe, gibt es in der Getriebeabteilung nicht. „Aber in den allermeisten Fällen kam Uwe Makrutzki mit einem breiten Grinsen vom Testlauf zurück", so Kariegus Senior weiter. „Also hat alles ordnungsgemäß funktioniert." Oftmals werden Getriebe auch nicht vor Ort eingebaut, sondern zu den Porsche Classic Partnern weltweit verschickt.

Seinem Sohn hinterlässt er umfangreiche persönliche Notizen mit Einstellwerten sowie Reparaturanleitungen zu Exoten wie dem Porsche Jagdwagen. Auch Sonderwerkzeuge wie beispielsweise selbst gebaute Einstellgehäuse überlässt er ihm selbstverständlich: Diese Gehäuse werden anstelle des hinteren Getriebeteils an den Block geschraubt. Weil sie entsprechend ausgeschnitten sind, bieten sie ein „Fenster" zum Einstellen beispielsweise der Schaltgabeln.

Mit dem Generationenwechsel ist auch der Getriebebereich innerhalb der Porsche Classic Werksrestaurierung umgezogen. Damit einher gehen ergonomische Verbesserungen: Anders als sein Vater bearbeitet Tobias Kariegus die 50 bis 100 Kilogramm schweren Getriebe nicht mehr an Montageständern, die an der Werkbank angebracht sind. Stattdessen nutzt er eine auf seine Statur maßgeschneiderte Haltevorrichtung. Eine moderne Krananlage an der Hallendecke hilft ebenfalls beim Transport der Antriebskomponenten.

Der Wissenstransfer im Interieurbereich
Die Liebe zum Detail: Durch ständige Qualitätsprüfung entstehen einzigartige Interieurs © Porsche AG
Auf den ersten Blick könnte dieses Duo, das im Interieurbereich der Werksrestaurierung von Porsche Classic arbeitet, nicht unterschiedlicher sein: Peter Schwämmle, 57, erzählt als gelernter Sattler zurückhaltend und bescheiden von seinem Tagesgeschäft. Ab und an blitzt ein Lächeln auf und verrät seine Leidenschaft für edle Materialien und ihre Verarbeitung auf höchstem handwerklichem Niveau. Kollegin Maren Siedentopf ist 35 Jahre jünger. Doch die Liebe zum Handwerk verbindet die beiden: „Etwas Einzigartiges zu erschaffen, erfüllt mich mit tiefer Zufriedenheit", sagt Peter Schwämmle. „Hinzu kommt noch die Wertschätzung der Kunden. Einige kenne ich seit Jahren, und bei einem neuen Projekt schauen sie manchmal kurz vorbei." Auf diese Weise eine unmittelbare Rückmeldung zur eigenen Arbeit zu bekommen, sei toll. Maren Siedentopf, die nach ihrer Ausbildung ebenfalls zunächst in der Produktion gearbeitet hat und vor zwei Jahren zur Porsche Classic Werksrestaurierung gewechselt ist, findet dieses direkte Feedback ungemein motivierend. Neben der Vielfalt der Aufgaben fasziniert sie das Zusammenspiel von Materialien und Verarbeitungstechniken: „Jeder Stich, jeder Stoff erzählt seine eigene Geschichte. Indem wir uns monatelang mit einem Projekt befassen und dabei selbst ausgefallenste Wünsche der Kunden erfüllen, werden wir Teil dieser einzigartigen Geschichte."

Das Interieur ist eines der letzten Gewerke einer Vollrestaurierung oder eines Sonderwunsch-Projekts in der Porsche Classic Werksrestaurierung. Zwischen originalgetreuer Wiederherstellung und individueller Sonderausstattung stehen den Kunden vielfältige Möglichkeiten offen. Peter Schwämmle und Maren Siedentopf fertigen exklusive Bauteile für die Innenräume. Sitzverkleidungen, Instrumententafeln, Türspiegel und vieles mehr werden mit Leder bezogen.

Mehr als 1.000 Schnittmuster für die diversen Bauteile verschiedener Modellreihen lagern in einem großen Archivschrank. Wird ein besonders seltener Porsche restauriert, trennt der Interieur-Fachmann auch schon mal das alte Leder an den Nähten auf und bügelt es, um es als Muster weiterverwenden zu können. Verarbeitet werden natürlich auch diverse Stoffe, darunter Porsche-typische Muster wie Pepita oder Pascha.

Maren Siedentopf fragt viel nach und macht sich eifrig Notizen. Denn auch hier geht es um Wissenstransfer, weil Peter Schwämmle in einigen Jahren in Rente gehen wird: „In hoffentlich nicht zu naher Zukunft werde ich hier allein für die Interieur-Restaurierung zuständig sein. Davor habe ich Respekt, empfinde aber auch ein bisschen Vorfreude", sagt die 22-Jährige. „Schließlich wäre es toll, wenn ich mal so viel wüsste wie mein Kollege Peter, der seit mehr als 40 Jahren dabei ist."

Die beiden arbeiten nicht nur an Oldtimern, sondern nutzen dabei selbst altes Gerät: Zwei der drei Nähmaschinen stammen aus den 1950er Jahren. „Das Stichbild ist bei den älteren Maschinen einfach charmanter. Weil es unregelmäßiger ausfällt, ist es viel näher an Handarbeit", erläutert Peter Schwämmle. Zusammen mit der Prägesäule sind es die einzigen Maschinen im Raum. Mit dieser werden mit Druck und Temperatur Muster ins Leder geprägt. Darunter sind Porsche Schriftzüge, Wappen, Modellreihen-Kürzel aber auch individuelle Motive wie aktuell ein Glückbringer in Gestalt einer Comic-Figur. Für diesen Prägestempel aus Messing hat der Kunde die Figur von einem alten Aufkleber abgezeichnet. Angebracht war er im Auto der Großeltern.

Werksrestaurierung und Sonderwunsch-Programm: Porsche Classic
 Traditionelle Werkzeuge, welche teils schon seit 200 Jahren von Sattlern verwendet werden, gehören zum Repertoire © Porsche AGHergestellt von Porsche, wiederhergestellt von Porsche: An jährlich bis zu zehn werksrestaurierte Sportwagenklassiker vergibt Porsche Classic dieses einzigartige Gütesiegel. Mehr als ein Dutzend Spezialisten warten, reparieren und restaurieren in der Porsche Classic Werksrestaurierung straßenzugelassene Sportwagen im Kundenauftrag. Der Bereich verfügt über alle Gewerke einer Manufaktur: Karosseriebau samt Lackiererei, Motoren- und Getriebebau sowie einer Sattlerei.

Zusätzlich sind Einzelstücke im Rahmen des Porsche Sonderwunsch-Programms nach hochindividueller Kundenidee möglich. Denn mit den Ausprägungen Werksumbau und Werksunikat wurde das bisherige Angebot der Porsche Classic Werksrestaurierung deutlich ausgeweitet. Die Kundenfahrzeuge werden dazu vollständig in ihre Einzelteile zerlegt, jedes Bauteil eingehend geprüft und wenn nötig aufgearbeitet, modifiziert oder ersetzt. Das Fahrzeug wird dann nach den individuellen Wünschen des Kunden umgesetzt.

Kontakt: Porsche AG, Nadine Toberer | nadine.toberer@porsche.de | newsroom.porsche.de


Quelle: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

Wirtschaft | Führung & Personal, 27.05.2024

     
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