Gesellschaft | Politik, 11.01.2024
Oxfam-Bericht zur sozialen Ungleichheit
Superreiche und Konzerne profitieren von Inflation, Kriegen und Pandemie, während die meisten Menschen unter den Folgen leiden
Die fünf reichsten Männer der Welt haben ihr Vermögen seit 2020 mehr
als verdoppelt. Das entspricht einem Gewinn von 14 Millionen US-Dollar
pro Stunde. Gleichzeitig sind weltweit fast fünf Milliarden Menschen
ärmer geworden. Das zeigt der Bericht "Inequality Inc.", den die
Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam zu Beginn des
Weltwirtschaftsforums im Schweizer Ferienort Davos veröffentlicht. Darin
fordert Oxfam eine Besteuerung großer Vermögen. Es gilt, diese Mittel
in den Klimaschutz, den Ausbau von Bildung, Gesundheitsversorgung und
sozialer Sicherung zu investieren - hier und weltweit.
Serap Altinisik, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende von Oxfam
Deutschland, kommentiert: "Während Milliarden von Menschen die
Schockwellen von Pandemie, Inflation und Krieg ertragen müssen, boomen
die Vermögen der Milliardär*innen. Diese zunehmende soziale Ungleichheit
stellt Gesellschaften vor immer größere Zerreißproben. Sie verstärkt
geschlechtsspezifische und rassistische Diskriminierungen, weil
marginalisierte Gruppen wie Frauen oder BIPOC (Black, Indigenious, und
People of Colour) besonders betroffen sind, sie untergräbt die
Demokratie und trägt maßgeblich dazu bei, dass die Klimakrise sich zu
einer Katastrophe ausweitet. Das muss sich ändern, wir brauchen eine
Besteuerung hoher Vermögen, damit auch die Superreichen ihren gerechten
Beitrag zum Gemeinwohl leisten." Der Bericht zeigt:
- Die fünf reichsten Männer der Welt haben
ihr Vermögen seit 2020 von 405 Milliarden US-Dollar auf 869 Milliarden
US-Dollar mehr als verdoppelt.
- Alle Milliardär*innen zusammen sind heute um 3,3 Billionen
US-Dollar (34 Prozent) reicher als 2020. Ihr Vermögen wuchs damit
dreimal so schnell wie die Inflationsrate.
- Fast fünf (4,77) Milliarden Menschen, die ärmeren 60
Prozent der Menschheit, haben seit 2020 zusammen 20 Milliarden US-Dollar
Vermögen verloren.
- Das Gesamtvermögen der fünf reichsten Deutschen ist seit
2020 inflationsbereinigt um rund drei Viertel (73,85 Prozent) gewachsen,
von etwa 89 auf etwa 155 Milliarden US-Dollar.
- 2023 haben Konzerne irrwitzige Gewinne angehäuft. 148 der
weltweit größten Konzerne haben in den zwölf Monaten bis Juni 2023
insgesamt 1,8 Billionen US-Dollar an Gewinnen eingefahren. Das
entspricht einem Anstieg von 52,5 Prozent gegenüber den
durchschnittlichen Nettogewinnen im Zeitraum 2018-2021. Ihre
Übergewinne, definiert als Gewinne, die den Durchschnitt von 2018-21 um
mehr als 20 % übersteigen, stiegen auf fast 700 Milliarden US-Dollar an.
- Der Aktienbesitz kommt in erster Linie den reichsten Menschen der Welt zugute. Das weltweit reichste Prozent besitzt 43 Prozent des gesamten Finanzvermögens. In Deutschland besitzt das reichste Prozent 41,1 Prozent des gesamten Finanzvermögens.
Oxfam schlägt folgendes Steuer-Modell vor: Zwei Prozent auf Vermögen von über fünf Mio. US-Dollar, drei Prozent auf Vermögen von über 50 Millionen US-Dollar und fünf Prozent für Vermögen, die eine Milliarde US-Dollar übersteigen. Allein in Deutschland könnten so nach Oxfam-Schätzungen 93,6 Milliarden US-Dollar pro Jahr generiert werden. In Deutschland müssten nur etwas mehr als 200.000 Menschen die Abgabe entrichten, das sind gerade einmal 0,24 Prozent der Bevölkerung.
Es gilt, diese Mittel in den Klimaschutz, den Ausbau von Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialer Sicherung zu investieren. Statt die Mittel im Bundeshaushalt für die Unterstützung einkommensschwacher Länder und soziale Gerechtigkeit in Deutschland zu kürzen, könnten diese Leistungen konsequent erhöht werden.
Als internationale gemeinnützige Organisation setzt sich Oxfam gemeinsam mit Menschen in aller Welt gegen Armut, Unterdrückung und soziale Ungleichheit ein. Seite an Seite mit fast 2.250 lokalen Partnerorganisationen in rund 90 Ländern arbeiten wir für eine gerechte und nachhaltige Welt.
Kontakt: Oxfam Deutschland e.V., Nikolai Link | nlink@oxfam.de | www.oxfam.de
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