Fotografie und Nachhaltigkeit

Eine Verbindung, die immer bedeutender wird

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Plastik vermeiden, regional einkaufen, Ökostrom beziehen – viele Menschen sind mittlerweile darauf bedacht, nachhaltiger zu handeln. Denn unsere Erde pfeift bereits in vielerlei Hinsicht aus dem letzten Loch. Und die gesamte EU soll bis 2050 sogar Klimaneutralität erreichen. Es ist also ein Stein ins Rollen gekommen – auch wenn dabei noch viel Luft nach oben ist, wie eine aktuelle Studie zur Nachhaltigkeit in Deutschland des Anzeigenportals „Kleinanzeigen" in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut verdeutlicht. Ihr zufolge wollen die Deutschen zwar nachhaltig leben, doch bei der tatsächlichen Umsetzung hapert es noch. Fakt ist auch, dass das Thema Nachhaltigkeit insbesondere die Wirtschaft beschäftigt. Egal, ob EU-Taxonomie oder Förderungen – kein Unternehmen kommt heute mehr daran vorbei. Auch nachhaltige Geldanlagen bleiben trotz hoher Inflation beliebt. Eine Sparte, die dabei leicht übersehen wird – und das, obwohl sie sich in den letzten Jahren rasant entwickelt hat, nicht zuletzt aufgrund des Smartphone-Booms –, ist die Fotobranche. Auf den ersten Blick betrachtet ist vor allem die digitale Fotografie kein umweltfreundliches Metier. Denn sie verursacht Elektronikschrott, die Batterien halten nur ein paar Jahre, bei der Herstellung von Speicherkarten entstehen hohe CO2-Emissionen und auch die Datenspeicherung in der Cloud benötigt Ressourcen. Doch auch in dieser Branche tut sich mittlerweile etwas in puncto Nachhaltigkeit. 
 

Nachhaltigkeitsreports als erster Meilenstein

„Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte" – dieses Sprichwort ist weltbekannt. Doch wenngleich das Medium hervorragend Emotionen transportieren kann, so bleibt es in einem wichtigen Punkt schweigsam. Nämlich dann, wenn es um die Frage geht, ob eine Aufnahme unter umweltschonenden und sozial fairen Aspekten hergestellt wurde. Tatsache ist: Verglichen mit anderen Sparten, wie etwa der Lebensmittelbranche oder der Textilindustrie, gibt es für Dienstleister im Fotobereich noch vergleichsweise wenige Gütesiegel und Richtlinien, die dem Thema Nachhaltigkeit Rechnung tragen. Wohl aber setzen viele Kamera-Hersteller, wie etwa Canon oder Nikon, bereits auf sogenannte Nachhaltigkeitsreports. Es ist allerdings wie bei vielem, das in Zusammenhang mit Nachhaltigkeit steht: Ein Report bedeutet nicht automatisch, dass das Unternehmen bereits als nachhaltig eingestuft werden kann, sondern vielmehr können Kunden so nachlesen, welche Maßnahmen der Betrieb diesbezüglich schon umsetzt, und was künftig geplant ist. Der Fehler bzw. die Gefahr steckt in dieser Branche oft im Detail bzw. bei den Rohstoffen. So nutzt man etwa Coltan, um Energie zu speichern, Gold Kobalt und Kuper werden aufgrund ihrer hervorragenden Leitfähigkeit in Akkus und SIM-Karten verbaut, die Sensortechnik kommt nicht ohne Silizium aus, das Gehäuse nicht ohne Bauxit oder Aluminium. Und all diese Metalle stammen aus den verschiedensten Ländern wie zum Beispiel Ghana, Peru, Sambia, Kongo, Guinea oder China. Dabei sind oft nicht nur die Arbeitsbedingungen zur Gewinnung dieser Stoffe kritisch, sondern führen nicht selten sogar zu gesellschaftlichen Spannungen oder gar Kriegen. In Summe lässt sich allerdings trotzdem feststellen: Viele der Firmen planen grundsätzlich in Zukunft einmal nachhaltig zu produzieren. Ob und wann dieser Plan tatsächlich Wirklichkeit wird, steht jedoch noch in den Sternen. Die gute Nachricht: Die meisten Hersteller greifen das Thema Nachhaltigkeit zumindest bereits auf. Auch deshalb, weil Kunden immer mehr darauf pochen.
 

Nachhaltige Fotografen auf dem Vormarsch

Eine zweite wichtige Rolle nehmen in dieser Branche professionelle Fotografen ein. Und hier gibt es mittlerweile eine Reihe von Profis, die auf nachhaltige Fotografie setzt. Dabei wird stets der ökologische Fußabdruck berücksichtigt. Es geht also darum, eine Arbeitsweise an den Tag zu legen, die möglichst wenige CO2-Emissionen verursacht. Das beginnt etwa bei einem grünen Hosting einer Unternehmenswebsite sowie einem umweltfreundlichen Mobilitätskonzept und geht bis hin zu nachhaltigem Ökostrom im Studio sowie regionalem Second-Hand-Equipment. Auch die Shootings selbst werden so ressourcenschonend wie möglich gestaltet. So setzen bereits viele Fotografen auf öffentliche Verkehrsmittel oder Carsharing-Angebot für die Anreise und achten auf ein biologisches und regionales Catering mit möglichst wenig Verpackungsmüll. Auch das Thema Haare und Make-up der Models wird nicht ausgeklammert – im Gegenteil: Oft kommen vorzugsweise zertifizierte Naturkosmetik-Produkte zum Einsatz, die frei von Silikonen oder Erdöl sind, und nicht mit Tierversuchen in Verbindung stehen. Auch Eco-Fashion liegt im Trend.
 

Von der klimaneutralen Produktion bis zur Bienenweide

Mit der Kamera oder dem Smartphone losziehen und Bilder knipsen ist das eine, aber viele Hobbyfotografen streben danach nach wie vor nach dem haptischen und analogen Erlebnis und lassen ihre Schnappschüsse auf Fotopapier drucken, gestalten damit Wandbilder, Fotobücher oder Tassen. Und auch in diesem Bereich setzen sich immer mehr nachhaltige Bemühungen durch. So gibt es mittlerweile Fotobuch-Produzenten, die umweltfreundlich agieren und etwa bereits mit nachhaltiger Digitaldruck-Produktion punkten, die völlig klimaneutral ist. Nachhaltigkeit greift allerdings noch viel weiter – und so setzen immer mehr Unternehmen ergänzend dazu auf Umweltmaßnahmen wie Photovoltaik-Anlagen oder soziale Initiativen.
 

Konsumenten geben den Weg vor

Nicht nur professionelle Fotografen, sondern auch Laien haben bei diesem Thema ein gehöriges Wörtchen mitzureden bzw. geben bis zu einem gewissen Grad sogar die Richtung vor. Denn Fakt ist: Sobald ein Hersteller mit einer neuen Kamera um die Ecke kommt, die mit Funktionen ausgestattet ist, über die der Vorgänger nicht verfügt, zücken viele sofort den Geldbeutel. Und das, obwohl ihre gegenwärtige Kamera noch einwandfrei funktioniert. Tatsache ist allerdings: Selbst, wenn die Bildqualität besser wird, so werden mit einer neuen Kamera nicht zwingend auch die Fotos selbst besser. Denn ein gutes Bild definiert sich nicht über Technologie, sondern über Emotion und Komposition. Um diesbezüglich Fortschritte zu erzielen, ist daher vor allem eines wichtig: Übung. Inzwischen sind auch die technologischen Sprünge in der digitalen Fotografie nicht mehr so groß, eine neue Kamera ist also nur dann nötig, wenn die alte tatsächlich nicht mehr funktioniert. Und auch das generelle oft wahllose Knipsen sollte überdacht werden: Im Schnitt werden beispielsweise pro Sekunde 1000 Fotografien auf Instagram hochgeladen. Hinzu kommen durchschnittlich weitere fünf Bilder, die ebenso gemacht wurden, allerdings auf dem Smartphone verbleiben bzw. auf einem Server landen. Diese nicht gewollten Aufnahmen führen jährlich zu einem CO2-Austoß von über 350.000 Tonnen, wie etwa die Ausstellung „Mining Photography" veranschaulicht, die im letzten Jahr Station in Deutschland machte und aktuell in Wien zu sehen ist.


     
        
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