66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

Kein Klima-Schub vom Kanzler beim Petersberger Klimadialog

Scholz bekräftigt immerhin deutsche Unterstützung für arme Länder

Petersberger Klimadialog: Bundeskanzler Scholz versäumt klare Zusagen, bekräftigt aber immerhin, dass deutsche Unterstützung für Klimaschutz und -anpassung in armen Ländern nicht nachlassen wird.

© Franz P. Sauerteig, pixabay.comDie Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch hat eine schwache Rede des Bundeskanzlers beim Petersberger Klimadialog gesehen. "Die Rede des Bundeskanzlers war unterm Strich enttäuschend", sagt Lutz Weischer, Leiter des Berliner Büros von Germanwatch. "In der angespannten Haushaltslage war es zwar wichtig zu bekräftigen, dass Deutschland zu seinen Zusagen steht. Das ist eine Ansage an Bundesfinanzminister Lindner, dass die Mittel für internationalen Klimaschutz und -anpassung für das Stopfen von Haushaltslöchern tabu sind. Deutschland muss sein Ziel einhalten, bis 2025 jährlich 6 Milliarden Euro Haushaltsmittel für internationale Klimafinanzierung bereitzustellen. Aber die vage Bekräftigung bestehender Zusagen reicht nicht aus, um der Eindämmung der globalen Klimakrise den dringend nötigen Schub zu verleihen."

Zu wichtigen Fragen habe der Kanzler klare Aussagen vermieden: Wird Deutschland ein ambitioniertes EU-Klimaziel für 2040 unterstützen und darauf drängen, dies so früh vorzulegen, dass es andere große Staaten zu ehrgeizigeren Zielen animieren kann? Welche internationalen Initiativen - zum Beispiel für internationale Abgaben auf die Profite fossiler Konzerne - unterstützt Deutschland, damit insgesamt deutlich mehr Geld für Klimaschutz und -anpassung zusammenkommt? Die einzige konkrete Ankündigung, nämlich Klimaschuldenumwandlung auch für Mitteleinkommensländer zu unterstützen, bewertet Germanwatch als positiv. Sie sei aber ein kleiner Schritt und nicht annähernd ausreichend in Anbetracht der Herausforderungen. Weischer: "Angela Merkel hat es zumeist verstanden, ihre Reden beim Petersberger Klimadialog zu nutzen, um mit konkreten Zusagen Signale an die internationale Gemeinschaft zu senden. Diese Chance hat Olaf Scholz heute verstreichen lassen."

Eigenlob für Klimapolitik während Klimaschutzgesetz geschwächt wird
Einen Schwerpunkt in seiner Rede hat der Bundeskanzler auf Fortschritte in der deutschen Klimapolitik gelegt. Dies kommentiert Simon Wolf, Bereichsleiter für deutsche und europäische Klimapolitik bei Germanwatch: "Es ist richtig, dass die Bundesregierung beim Ausbau der Erneuerbaren Energien den Turbo eingelegt hat. Damit die Amtszeit von Kanzler Scholz aber als klimapolitischer Erfolg bewertet werden kann, muss seine Regierung auch in den anderen Sektoren für Schub sorgen. Doch während der Kanzler auf internationaler Bühne Eigenlob betreibt, setzt seine Koalition im Bundestag fast zeitgleich eine Abschwächung des Klimaschutzgesetzes durch, die seinem Verkehrsminister ein weiteres Durchmogeln ermöglichen soll. Mit entschlossenen Schritten Richtung Transformation des Verkehrssektors könnte Deutschland auch international wieder Vorbild sein - und das gleich in doppelter Hinsicht: Deutschland könnte damit zum einen viele andere Länder zum klimapolitischen Handeln motivieren. Zum anderen würden durch einen Transformations-Turbo im Verkehrssektor die Chancen deutlich steigen, dass Deutschland ein erfolgreicher Industriestandort bleibt. Um Investitionen in den Klimaschutz und einen wirtschaftlichen Aufschwung zu ermöglichen, muss Deutschland endlich die Schuldenbremse reformieren, so wie es mittlerweile selbst IWF und OECD fordern."

Es ist beim Dialog deutlich geworden, dass die Arbeit an neuen Klimaplänen der Staaten (NDCs) jetzt beginnen muss, damit bis 2025 diese Pläne von allen Ländern vorliegen. Erste Länder haben angedeutet, dass sie bereits in diesem Jahr ihre NDCs ankündigen werden, so dass eine internationale Dynamik entstehen kann. Alexandra Goritz, Referentin für Klimaaußenpolitik bei Germanwatch, kommentiert: "Die Ankündigung von Außenministerin Baerbock eine internationale Koalition zu bilden, die politische Unterstützung und erforderliche Finanzmittel für ambitionierte NDCs mobilisiert, damit diese Entwicklungspläne und Investitionsbedarfe der Länder aufzeigen, ist ein wichtiger Schritt. Damit Deutschland und die EU glaubhaft eine solche Koalition aufbauen können, müssen direkt nach der Europawahl die Entscheidungen für ambitionierte europäische Klimaziele für 2035 und 2040 getroffen werden."

Kontakt: Germanwatch e.V., Stefan Küper | kueper@germanwatch.org | germanwatch.org



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
MÄR
2026
Erneuerbare - rund um die Uhr (nutzen)
33. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solar-Initiativen (ABSI)
84524 Neuötting
21
APR
2026
Sustainable Economy Summit
Rückenwind für die Wirtschaft der Zukunft
10117 Berlin
08
JUN
2026
SuperReturn Energy Transition - Ticket discount for forum readers!
Powering progress. Investing in the future of energy.
10789 Berlin
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Megatrends

Mut und Zuversicht im neuen Jahr
Christoph Quarch identifiziert Wohlwollen und Freundlichkeit als Voraussetzung für Beherztheit und Courage
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

forum future economy Sonderausgabe Circular Economy

Intelligenz und Resilienz statt Abhängigkeit

Die Chance der Krise

Sondervermögen: Das 11 Milliarden-Potenzial des Klima- und Transformationsfonds (KTF)

Klimaziele 2030 und 2040 werden deutlich verfehlt

Richtiges Haushalten denkt das Morgen mit

Auftakt mit Strahlkraft - Let's talk about Cotton

3-phasiges Solar- und Speichersystem der nächsten Generation mit integrierter Ersatzstromfunktion

  • SUSTAYNR GmbH
  • ZamWirken e.V.
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • NOW Partners Foundation
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Engagement Global gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • WWF Deutschland
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • circulee GmbH
  • TÜV SÜD Akademie