Zertifizierter ESG Reporting Professional. Fit für CSRS & Co. - ESG-Reporting souverän meistern.
Technik | Energie, 12.11.2023

„Alle Gemeinden profitieren“

Wie Windkraft-Erträge gerechter verteilt werden, erläutert Karl-Heinz Frieden vom rheinland-pfälzischen Gemeinde- und Städtebund (GStB) im Interview.

  1. Eine besondere Rolle für die Akzeptanz von Windkraftanlagen spielen für die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) Solidarpakte. Sie hebt die damit verbundene gerechtere Verteilung der Erträge als besonders positiv hervor – zumal Rheinland-Pfalz einer eigenen Untersuchung zufolge als einziges Bundesland derartige Solidarpakte kenne. 

Windkraftanlagen bei Simmern im Rhein-Hunsrück-Kreis. Die Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen gehört zu den rheinland-pfälzischen Kommune, die über einen Solidarpakt die Pachteinnahmen verteilen. © Bernatzki / Energieagentur Rheinland-Pfalz Zwar spielten „die Bundesländer eine entscheidende Rolle bei der Förderung der Akzeptanz der Energiewende in der Bevölkerung", wie die AEE analysiert. Das Ausverhandeln und die Umsetzung von Solidarpakten finden jedoch stets auf kommunaler Ebene statt, vornehmlich in den Verbandsgemeinden. Zahlreiche Beispiele finden sich beispielsweise in den Landkreisen Rhein-Hunsrück und Cochem-Zell. 

Denn „obwohl die allgemeine Zustimmung für den Ausbau der Erneuerbaren Energien konstant hoch ist, kommt es bei der konkreten Umsetzung vor Ort dennoch immer wieder zu Interessenkonflikten und gelegentlich auch zu starken Widerständen", heißt es in der Untersuchung der AEE, die im Sommer veröffentlicht wurde. 

Wie Solidarpakte konkret wirken und welche Modelle sich als besonders günstig erweisen haben, erläutert Karl-Heinz Frieden in einem Gespräch mit der Energieagentur Rheinland-Pfalz. Frieden ist seit 2018 Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Gemeinde- und Städtebundes (GStB).

Was sind die wesentlichen Vorteile von Solidar-Pakten? 
Karl-Heinz Frieden © GstBAlle Solidarmodelle sorgen dafür, dass auch die Gemeinden ohne beträchtliche eigene Erträge aus Erneuerbaren Energien, etwa weil sie nicht über geeignete Standorte verfügen, an der regionalen Wertschöpfung direkt partizipieren. Das ist praktizierte Solidarität. 

Zugleich wird damit ein zumindest finanzieller Ausgleich für die mit Windkraftanlagen auch im günstigsten Fall nun einmal verbundenen Belastungen – Landschaftsbild, eventuell auch Schall – für die Einwohner der Gemeinden ohne Standort erreicht. Und schließlich können sie im Einzelfall auch erheblich zur Akzeptanz in der Bevölkerung betragen.

Grundvoraussetzung ist stets der notwendige kommunalpolitische Wille, solche solidarischen Wege zu gehen.

Sie sprachen von mehreren Modellen. Was sind die Unterschiede?
Es gibt zwei Grundmodelle: der sogenannte "schlichte Solidarpakt" und die solidarisch motivierte und unternehmerische gemeinsame Trägerschaft von EE-Anlagen. Den ersten Typus gab es von allem anfangs im Zuge des Auf- und Ausbaus der Windkraft im Lande. Sie bestehen im Kern darin, dass sich die Standortgemeinden solidarisch gegenüber den nicht (bzw. wenig-) Standortgemeinden zeigen, indem – auf vertraglicher Basis und in der Regel auf Verbandsgemeinde-Ebene – ein Teil der Erträge auch diesen zu Gute kommt. Davon gibt es im Land eine gute Handvoll.

In jüngerer Zeit gehen viele Gemeinden – ebenfalls meist auf VG-Ebene – immer mehr dazu über, die Anlagen in gemeinsamer kommunaler Trägerschaft, meist in Form einer AöR, zu bauen und betreiben, vor allem im Bereich der Flächen-PV. Die erzielten unternehmerischen Erträge kommen über die AöR allen Beteiligten über einen jeweils festzulegenden Schlüssel zu Gute.

Der Vorteil des unternehmerischen Solidarpakts liegt zum einen darin, dass nicht nur Pachteinnahmen, sondern auch unternehmerische Gewinne erzielbar sind. Das dem entgegenstehende unternehmerische Risiko ist gut vertretbar. Zudem gibt es hier – anders als beim schlichten Solidarpakt – keine haushaltsrechtlichen Hürden.

In beiden Fällen sind die erzielten Einnahmen nicht umlagerelevant, das Umlagesystem innerhalb einer Verbandsgemeinde an sich wird dadurch nicht berührt und auch nicht beeinträchtigt.

Wer profitiert davon? 
In allen Fällen profitieren letztlich alle Beteiligten davon, also eine „Win-win-Situation": Die „begünstigten" Gemeinden profitieren wegen der Teilhabe an der regionalen Wertschöpfung, die „abgebenden" Gemeinden profitieren von höherer Akzeptanz der in ihrem Gebiet stehenden Anlagen in den Nachbargemeinden; das gilt vor allem für die Windkraft.

Aus Sicht des GStB besonders erfreulich ist an dieser Stelle, dass sich auch das Land mit seinen WEA im Staatswald an den Solidarpakten beteiligt, und einen Teil der Erträge an die Standortgemeinden abgibt.

Kennen Sie besonders hervorzuhebende Positivbeispiele?
Alle Solidarpakte, die zustande gekommen sind, sehen wir als gelungen an. Jeder sozusagen auf seine Weise. Dies gilt für beide Grundmodelle. Aus Sicht des GStB sind jedoch aktuell die unternehmerischen Solidarpakte wesentlich vorteilhafter. Und das nicht alleine wegen der bereits erwähnten höheren Ertragserwartung.

Denn die zunächst zu diesem Zweck gegründeten Organisationen können sozusagen eine Keimzelle für weitere Ansätze der interkommunalen Zusammenarbeit sein; die kommunalpolitischen Vorarbeiten sind ja bereits geleistet. So könnten zum Beispiel relativ leicht weitere Aufgaben übertragen werden – wie etwa im Zusammenhang mit der kommunalen Wärmeplanung die Entwicklung neuer Nahwärmeversorgungen – sei es mit Biomasse oder Kalter Nahwärme. 

Kontakt: Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH, Sabine Werle | sabine.werle@energieagentur.rlp.de


Quelle: Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken – Zusammen für das Gemeinwohl!
Training mit Christian Felber & Roman Huber
38489 Beetzendorf
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken
Live-Online-Training in Echtzeit mit Grit Bümann, Roman Huber, Christian Felber
online
22
OKT
2026
csrTAG 2026 – Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor
R³essourcen. R³esilienz. R³entabilität. - Ticketverkauf gestartet
A-6236 Alpbach
Alle Veranstaltungen...
Transformation as a Service. Engegie | KI | Cyber | ESG - aus einer Hand | Zum Festpreis.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Naturschutz

Urlaub machen, wo die Feuerwehr im Dauereinsatz ist?
Christoph Quarchs philosophischer Blick auf die verheerenden Brände in Südeuropa und jetzt auch Schottland
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

36 Grad und es wird immer heißer...

Erneute Extremhitze: Verbände fordern Hitzegipfel

Hitze gefährdet die Trinkwasserversorgung

Mehr Präsenz für Innovationen und eine nachhaltige Zukunft!

Die Bundesregierung bremst die Energiewende!

Hitzeschutz muss zur Pflichtaufgabe des Staates werden

Deutschland droht der Hitzekollaps - Regenwasser wird zum wichtigsten Rohstoff der Zukunft

Wer an die Sonnenfinsternis glaubt, kann den Klimawandel nicht leugnen

B.A.U.M. Insights
  • 66 seconds for the future
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Engagement Global gGmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • TÜV SÜD Akademie
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • ZamWirken e.V.
  • SUSTAYNR GmbH
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • WWF Deutschland
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • NOW Partners Foundation
  • Klimabündnis Ebersberg-München