Für ein neues Zeitalter von Unternehmertum?! - Wege in ein Resonanz-Unternehmertum. 11. bis 13. Juni 2024

Freude, schöner Götterfunken

Wie Musik die Welt verbessern kann

Ludwig van Beethoven war nicht nur ein musikalisches Genie, sondern auch sehr naturverbunden. Wir fragten den Leiter des Beethoven Hauses in Bonn, was der begnadete Musiker und Komponist uns heute in Sachen Nachhaltigkeit nahebringen kann.

Herr Boecker, wir haben einen Beethoven-Essay von Ihnen in einem Buch über Nachhaltigkeit gefunden. Wie passt das zusammen?
© Beethoven Haus, BonnBeethoven hat eine Menge zu den Fragen zu sagen, die uns auch heute umtreiben: Was ist ein gelingendes Leben? Wie sind wir mit unseren Mitmenschen, wie mit unserer Umwelt verbunden? Woraus ziehen wir Kraft zur Veränderung? Ich glaube an die systemverändernde Kraft von Musik und bringe mich deshalb mit dem Beethoven Haus aus Überzeugung ein, wenn über die Transformation unserer Gesellschaft nachgedacht wird.

Woher weiß man denn, dass Beethoven ein Naturbursche gewesen ist?
Naturbursche klingt zu gesund, das war er leider nicht. Er war eher ein Naturgänger. Er liebte die Natur. Schon in Bonn und später in Wien sah man ihn auf ausgedehnten Spaziergängen. Das inspirierte ihn. 1808 widmete er dieser Freude eines seiner herausragenden Werke: Die Pastorale, die erste Sinfonie überhaupt, die der Empfindung des Menschen in der Natur gewidmet ist. Ein Schlüsselwerk für die Bedeutung der Musik in Sachen Nachhaltigkeit.
 
Kommen wir von Beethoven ins Allgemeine: Sie stellen die These auf, dass die Welt mit Musik zu retten wäre. Das müssen Sie erklären!
Wir brauchen die Musik dringend für den tiefgreifenden Kulturwandel im 21. Jahrhundert. Ganz verkürzt gesagt: Um uns einzufügen in die planetarischen Grenzen müssen wir das mechanistische Weltbild der Technik hinter uns lassen. Musik übt diesen Perspektiv-Wechsel wunderbar ein. In der Musik verbinden sich alle Musizierenden, Instrumente und heterogenste Parameter wie Rhythmus, Melodie und Harmonik zu einem sinnvollen Ganzen. Alles hängt wie in einem Mobile zusammen und beeinflusst sich wechselseitig. Für Musizierende und aktive Hörer sind ko-kreative Prozesse ganz selbstverständlich. In der Musik erfahren wir systemisches Denken und Handeln. Das ist eine Schlüsselqualifikation um lineares Denken zu überwinden. Wer die Transformation will, sollte möglichst viele Menschen für Musik begeistern…
 
Nikola Tesla und Albert Einstein werden Zitate zugeschrieben, nach denen alles auf der Welt Schwingung sei und man den Schlüssel für die Mysterien des Planeten in den Dimensionen Energie, Frequenz und Vibration suchen muss. Denken Sie, dass Musik auch als physikalische Kraft gesellschaftliche Heilung initiieren kann?
Unbedingt! Musik setzt Energien frei. Die Magie des Tanzes und der Bewegung hat heilende Wirkung. Tanzen soll ja auch die beste Vorsorge gegen Demenz sein. Noch wichtiger für mich: Musik versöhnt mit den Widersprüchen in der Welt. Sie steigert unsere Lebenszuversicht und unser Vertrauen in die Mitmenschen. In der Musik begegnet uns etwas das Richtig ist, so wie es ist. Musik ist die beste Impfung gegen Resignation und Gleichgültigkeit…
 
Was wäre konkret zu tun, um die Musik noch konsequenter und effektiver als Problemlöser zu nutzen?
Wir sollten Alles dafür tun, dass junge Menschen die Kraft der Musik für sich entdecken können. Wenn wir 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Kunst und Musik investieren, ist der Kulturwandel zu schaffen und ich würde mir weniger Sorgen um die Zukunft machen…
 
Herr Boecker, wir danken für das Gespräch und Ihr Engagement.

Malte Boecker 
ist Direktor und Geschäftsführender Vorstand des Beethoven-Hauses in Bonn. Er studierte er Rechts- und Musikwissenschaften und war u.a. beteiligt an der Gründung des West-Östlichen Divan Orchesters mit arabischen und israelischen Musikern. Prägend für ihn: Beethovens Siebte, dirigiert von Leonard Bernstein.
 
Auf dem Weg die Erde zu retten
Die Begegnung mit Malte Boecker und der Frage, wie Musik dem bedrohten Planeten helfen könnte, ist Teil einer Erkenntnisreise. Unternommen hat sie der Journalist und Autor Martin Häusler in seinem neuen Buch „Als ich mich auf den Weg machte, die Erde zu retten". Darin passiert er die unterschiedlichsten Dimensionen der Nachhaltigkeit, trifft quer durch die Jahrhunderte Pioniere, Indigene, Wissenschaftler, Start-upper, Aktivisten; er blickt über Fotos und Grafiken in die Abgründe, die die menschliche Lebens- und Wirtschaftsweise geschaffen hat; er wird konfrontiert mit Lösungen und Strategien, die uns Hoffnung machen. 
 
Auf seinem Trip nimmt Häusler die Leserinnen und Leser in Form eines Reisetagesbuchs mit und lässt sie teilhaben an seiner Wandlung. In dieser rasanten Dramaturgie und freudvollen Inszenierung wurde ein lebensnahes Werk geschaffen, das es über das Thema Nachhaltigkeit so wohl noch nicht gegeben hat. Auf der Rückseite trägt das Buch ein Zitat des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus, der seine Begeisterung so formuliert: „Diesem Buch gelingt etwas ganz Besonderes: Es legt den Finger in die Wunden des menschlichen Handelns und macht uns gleichzeitig Mut, unseren Planeten heilen zu können." 

Herausgeber ist Dr. Eckart von Hirschhausen. Im Sinne der Nachhaltigkeit wurde das Buch völlig giftfrei nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip produziert.

Gesellschaft | Pioniere & Visionen, 01.06.2023
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2023 mit dem Schwerpunkt: Künstliche Intelligenz - Künstliche Intelligenz oder natürliche Dummheit? erschienen.
     
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