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Steigende Zinsen - was bedeutet das für Wirtschaft und Verbraucher?

Nach jahrelangen Nullrunden zeichnet sich langsam aber sicher eine Trendwende in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Mehr als 10 Jahre lang stellten klassische Anlageprodukte keine interessante Option für Verbraucher dar, da die Inflation die minimale Rendite auf Sparbücher, Tages- und Festgeldkonten, Bausparverträge und Co. zunichtemachte.

© Jürgen Rübig, pixabay.comNun hat die EZB den Leitzins im vergangenen Jahr erstmalig wieder angehoben, im Sommer zunächst auf 0,25 Prozent, im Dezember dann noch ein mal auf 2,5 Prozent. Was bedeutet diese Zinswende für Verbraucher und Wirtschaft und wie wird sich der Leitzins zukünftig entwickeln?

Erhöhung des Leitzinses ist Reaktion auf steigende Inflation
Die Nullzins-Politik der EZB hat in den vergangenen Jahren teils seltsame Blüten hervorgebracht. Nicht zuletzt brachten es Negativzinsen in die Schlagzeilen, zahlreiche Banken verlangten Strafzinsen für Einlagen ab einer bestimmten Höhe, anstatt dieses Geld für ihre Kunden zu verzinsen. Auch gab es Kreditvermittler, die Kredite vergaben, bei denen die Kreditnehmer Geld erhielten, anstatt Zinsen für das Darlehen zahlen zu müssen. Ob es sich dabei nur um eine PR-Aktion gehandelt hat oder nicht, spielt keine Rolle, möglich wurde es nur durch die Konditionen, welche die EZB vorgab.

Nun ist also ein Ende in Sicht und für Verbraucher und Wirtschaft ändern sich die Bedingungen in zahlreichen Bereichen. Grund zur Freude ist es prinzipiell nicht, denn die Erhöhung des Leitzinses ist vornehmlich eine Reaktion auf die weiterhin steigende Inflation.

Kredite werden wieder teurer – Anlageprodukte attraktiver
Während Sparer und Anleger in den letzten Jahren keine guten Aussichten hatten, sah das für Kreditnehmer anders aus. Sie konnten sich über besonders gute Konditionen und sehr günstige Kredite freuen. Diese Zeiten sind, wenn die Zinsen weiter steigen vorbei, denn somit steigen auch die Zinsen für einen Kredit.

Das gilt für sämtliche Kreditarten, vom Verbraucherkredit bis zum Immobilienkredit. Steigende Bauzinsen werden zudem dafür sorgen, dass viele Hausbau- oder Kaufabsichten neu überdacht werden müssen, da sich die Gesamtkosten teilweise drastisch erhöhen. Wer noch im letzten Jahr beispielsweise einen Immobilienkredit von 400.000 Euro zu einem Zinssatz von 1 Prozent abgeschlossen hat, konnte diesen mit 4000 Euro im Jahr finanzieren. Bei einem Zinssatz von 3 Prozent, erhöht sich dieser Betrag auf 12.000 Euro, was insbesondere für junge Familien, einen gewaltigen Unterschied machen kann.  

Für Verbraucher, die einen Kredit aufnehmen wollen, lohnt es sich daher wieder verstärkt Kreditvergleiche und Kreditrechner zu nutzen, um den Kredit mit den jeweils günstigsten Konditionen zu finden. Wie man dabei vorgeht, und was dabei berücksichtigt werden sollte, weiß das Magazin kreditvergleich24.

Wirtschaft vor großen Herausforderungen
Für die Wirtschaft hat die Zinswende vor allem Auswirkungen auf die Bilanzen. Welche konkreten Folgen das für einzelne Unternehmen bedeutet, kann nicht pauschal beantwortet werden, sondern ist vor allem auch von der jeweiligen Branche und der individuellen Ausrichtung abhängig. Dass sich die Wirtschaft aber durch die Zinswende verändern wird, ist nicht zu leugnen. Für Unternehmen werden Kredite teurer, worunter die Investitionsbereitschaft leidet. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Rohstoffen und industriellen Vorprodukten.

Selbstverständlich darf man auch die Inflation in diesem Zusammenhang nicht außer Acht lassen. Wenn Verbraucher sich mit ihrem Geld zunehmend weniger kaufen können, erleidet die Wirtschaft mit Sicherheit einen Kaufkraftverlust und damit einhergehende Umsatzeinbußen. Das wiederum könnte dazu führen, dass Unternehmen sich gezwungen fühlen, diese Verluste an die Verbraucher weiterzugeben. Weiterhin besteht auch die Gefahr, dass Firmenwerte infolge der Zinswende sinken und an Wert verliert. Nimmt man noch die hohen Energiepreise hinzu, müssen viele Unternehmen umstrukturieren, um die Herausforderungen der kommenden Monate bewältigen zu können.

Fazit
Sparer und Anleger sind derzeit die Gewinner der Zinswende, Hausbauer und Kreditnehmer hingegen zahlen jetzt mehr als noch vor 12 Monaten. Doch das sind nur die unmittelbaren Effekte der steigenden Zinsen, welche man im Gesamtkontext der derzeitigen wirtschaftlichen Situation sehen muss.

Steigende Inflation, hohe Energiepreise und zahlreiche Krisen, nicht zuletzt der Ukraine-Krieg, werden Verbraucher und Wirtschaft weiterhin vor weitere Herausforderungen stellen. Aufgrund der vielschichtigen Gemengelage lässt sich nicht abschätzen, wie sich die Entwicklung in den kommenden Monaten weiter fortsetzen wird. Verbraucher sind gut damit beraten, ihr Vermögen in robuste Wertanlagen zu investieren und so von den hohen Zinsen zu profitieren, solange die Phase anhält. Wer hingegen geplant hat, einen Kredit aufzunehmen, sollte unter Umständen die weitere Entwicklung abwarten.


     
        
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