evoBuild - Zirkulär gedacht. Für Visionen gemacht.

Weltbevölkerung überschreitet 8-Milliarden-Marke

Wie geht es weiter?

Im November überschreitet die Weltbevölkerung laut Berechnungen der Vereinten Nationen die acht Milliarden. Heute leben so viele Menschen auf der Erde wie nie zuvor. Doch das Wachstum verlangsamt sich, auf unter ein Prozent pro Jahr, und wird voraussichtlich weiter sinken. Wann die Weltbevölkerung ihr Maximum erreicht, hängt vor allem davon ab, wie sich die Länder mit besonders hohen Geburtenzahlen entwickeln. In den nächsten 30 Jahren werden vor allem acht Länder das Bevölkerungswachstum antreiben – allen voran Pakistan, Indien und die Philippinen in Asien sowie Ägypten, Äthiopien, Nigeria, Tansania und die demokratische Republik Kongo in Afrika.

© Berlin InstatutAllein in Subsahara-Afrika wird sich die Bevölkerung bis 2050 voraussichtlich auf zwei Milliarden verdoppeln. In über der Hälfte der afrikanischen Staaten bringt eine Frau im Schnitt mehr als vier Kinder zur Welt. Nirgendwo sonst ist die Jugendgeneration so groß: 42 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. „Finden diese Jugendlichen keine Jobs und Perspektive und fehlen Möglichkeiten zur gesellschaftlichen und politischen Teilhabe, können Konflikte entstehen", sagt Catherina Hinz, Direktorin der Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. „In diesen jungen Menschen steckt aber auch das Potenzial, die Wirtschaft massiv anzukurbeln, so dass die Länder einst wie die ostasiatischen Tigerstaaten von der demografischen Dividende profitieren". Dazu müsste aber die Zahl der Geburten schneller sinken, als das bisher in den meisten Staaten Subsahara-Afrikas der Fall ist.

Klimawandel spitzt Situation zu
In Niger und Tschad beispielsweise kann die Basisinfrastruktur kaum mit dem raschen Zuwachs mithalten. Für sie ist es schon eine Herausforderung, auch nur die bestehende Gesundheitsversorgung für die wachsende Zahl an Menschen aufrecht zu erhalten. Der Klimawandel spitzt die Situation weiter zu. „Überschwemmungen oder Ernteausfälle erschweren den Zugang zu Verhütungsmitteln und Familienplanung", sagt Hinz. „Sie werfen die Staaten in ihrer Entwicklung zurück." Das Wachstum ist aber nicht überall in Subsahara-Afrika so hoch. In den letzten Jahrzehnten hat es sichin vielen Staaten insgesamt deutlich verlangsamt.

„Länder wie Äthiopien, Senegal und Tunesien haben große Fortschritte in Sachen Gesundheit, Bildung und Gleichberechtigung gemacht, was auch dazu geführt hat, dass die Geburtenrate sinkt", sagt Hinz. Mit steigender Bildung wachsen die Möglichkeiten für junge Frauen, selbstbestimmt zu entscheiden, wie sie ihr Leben führen wollen. Dazu müssen sie aber mindestens die Sekundarbildung abgeschlossen haben. Dann bringen sie in der Regel nur noch zwei bis drei statt vier bis fünf Kinder zur Welt. Weltweit sind es im Schnitt derzeit 2,3 Kinder pro Frau.

Soziale Grundsicherung verspricht Hilfe
Hohe Kinderzahlen hängen in der Regel eng mit einem niedrigen Entwicklungsstand und verbreiteter Armut zusammen, gemessen am Index für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen. Verbessern sich die Lebensbedingungen, so sinkt auch das Bevölkerungswachstum. Der Aufbau sozialer Grundsicherungssysteme ist dazu eine wichtige bevölkerungspolitische Maßnahme. Geldtransfers und kostenlose Kranken- oder Rentenversicherungen versprechen, die Bedürftigsten aus der Armut zu heben, Fortschritte bei der Ernährung, Gesundheit und Bildung zu beschleunigen, die Selbstbestimmung der Frauen zu stärken und den demografischen Wandel voranzutreiben. Vor allem dann, wenn sie sich auf all die jungen Erwerbstätigen konzentrieren, die im informellen Sektor arbeiten: „Ob diese große Generation an jungen Menschen sich bei Krankheit, Verlust des Jobs oder im Alter absichern können, wird sich nicht nur auf ihre Zukunftschancen, sondern auch auf ihre Familienplanung auswirken", sagt Hinz.

Ruanda beispielsweise hat landesweit eine gemeindebasierte Krankenversicherung eingeführt und innerhalb von zehn Jahren 95 Prozent seiner Bevölkerung abgesichert – so viele, wie fast nirgendwo in Subsahara-Afrika. Die Regierung bildete 45.000 Ärzte und Pfleger aus, die in abgelegenen Dörfern Kinderkrankheiten behandeln, über Familienplanung informieren und sich um das Wohlergehen von Müttern und Neugeborenen kümmern. Seitdem sank die Mütter- und Kindersterblichkeit um rund 30 Prozent. Und wo weniger Kinder sterben, werden nach einer Weile auch weniger geboren.

Wann beginnt die Weltbevölkerung zu schrumpfen?
In den Industrieländern stagnieren die Zahlen derzeit oder sind leicht rückläufig – nur aufgrund von Zuwanderung wächst Deutschlands Bevölkerung, Länder wie Italien und Japan schrumpfen bereits. Weltweit bewirken aber die Länder mit junger Altersstruktur, dass immer noch mehr Menschen geboren werden als sterben. Derzeit beträgt der Überschuss rund 220.000 Menschen pro Tag. Dieser Geburtenüberschuss wird voraussichtlich noch mehrere Jahrzehnte andauern: 2050 sollen laut der Vereinten Nationen rund 9,7 Milliarden Menschen auf dem Planeten leben und 2080 sogar 10,4 Milliarden. Irgendwann wird die Weltbevölkerung dann ihr Maximum erreichen und schrumpfen. Wann oder ab wie vielen Menschen, ist derzeit aber nicht vorhersehbar. Es hängt letztlich von den Investitionen ab, die wir heute tätigen – in Gesundheit, Bildung, Frauenförderung und Jobs.

Das Berlin-Institut hat anlässlich des 8-Milliarden-Tages am 15. November ein Faktenblatt erstellt, um einen Überblick über die demografischen Entwicklungen weltweit zu geben. Es werden sowohl Chancen als auch Herausforderungen genannt.

Kontakt: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, Lilian Beck | beck@berlin-institut.org | berlin-institut.org/ 


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Die Natur lebt vom Kreislauf – und wir?

forum 04/2026

  • Kreislaufwirtschaft
  • Biodiversität
  • Bildung
  • Wasserweisheiten
  • Altöl im Kreislauf
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
23
NOV
2026
Energie- & Umweltgipfel 2026: Produzierende Industrie
Where Industrial Transformation Creates Competitive Advantage
10623 Berlin
23
NOV
2026
European Sustainability Week
Built on Trust. Driven by Insight. Focused on Impact. - Ticketrabatt für forum-Leser*innen
53639 Königswinter
Alle Veranstaltungen...
Energie- & Umweltgipfel 2026
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Sport & Freizeit, Reisen

Hinaus in die Wildnis!
Christoph Quarchs Blick auf die junge Kulturgeschichte von Naturschutz und Naturtourismus
Munich Climate Week 2026
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Alle sind aufgerufen, einen Atomkrieg zu verhindern

BN-Donauschifffahrt zeigt den Wert der frei fließenden Donau auf

Konkrete Gefahren für Betriebe

Ein Wochenende voller Musik, Kunst und Begegnung

11. Internationaler Bodentag zum Thema "Gesunder Boden: vom Acker zum Teller" am 18,/19. November 2026 in Neunburg v. Wald

EthioTrees ist das Leuchtturm-Projekt 2026

PLAN-B NET ZERO gewinnt zweiten PaaS-Kunden

Regenwald-Konferenz erhält den "Making a Difference" Award 2026 des Jane Goodall Instituts Deutschland

B.A.U.M. Insights
  • Zendure DE GmbH
  • ZamWirken e.V.
  • NOW Partners Foundation
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • Engagement Global gGmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • 66 seconds for the future
  • WWF Deutschland
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • SUSTAYNR GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH