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Green Hospital: Forschungsprojekt will Nachhaltigkeit von Krankenhäusern verbessern

Maßnahmen werden in ausgewählten Kliniken getestet

Was Krankenhäuser brauchen, um sich nachhaltiger aufstellen zu können, erforscht nun ein Team am Zentrum für Klimaresilienz der Universität Augsburg. Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege entwickelt es praxisbezogene Indikatoren, mit denen die Nachhaltigkeit von Gesundheitseinrichtungen gemessen und bewertet werden kann. Das Projekt wird mit 1,8 Mio. Euro vom Freistaat Bayern gefördert und ist auf drei Jahre angelegt.
 
Ein Team am Zentrum für Klimaresilienz der Universität Augsburg erforscht Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit in Krankenhäusern. © tungnguyen0905, pixabay.com
Der Freistaat Bayern hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Auch der Gesundheitssektor ist dabei mit seinem Anteil von knapp fünf Prozent an den nationalen Treibhausgasemissionen relevant. Mit der Green Hospital Initiative hatte das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege 2011 einen Beitrag zur bayerischen Energiewende initiiert, um die Energieeffizienz von Krankenhäusern zu verbessern. Die Initiative, welche mittlerweile unter dem Label „Green HospitalPLUS" um die Dimensionen „Umwelt" und „Mensch" ergänzt wurde, soll durch das neue Augsburger Forschungsprojekt zu einem ganzheitlichen, indikatorbasierten Nachhaltigkeitsinstrument für bayerische Krankenhäuser ausgebaut werden.

„Mit der Weiterentwicklung unserer Green HospitalPLUS Initiative treiben wir den Klimaschutz in den bayerischen Kliniken voran. Ich freue mich sehr, dass das Zentrum für Klimaresilienz uns auf diesem Weg mit seiner wissenschaftlichen Expertise begleitet", erklärt Gesundheitsminister Klaus Holetschek anlässlich der Übergabe des Förderbescheids des seitens des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege unterstützten Forschungsprojekts.

„Unser Zentrum für Klimaresilienz hat mit seinen vielfältigen Disziplinen und seiner interdisziplinären Vernetzung die richtigen Kompetenzen, um die Green HospitalPLUS Initiative konstruktiv und ganzheitlich zu unterstützen", sagt Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg.

Das neue Projekt startet mit zunächst sieben Forschenden aus dem Resource Lab, der Kommunikationswissenschaft und der Wirtschaftswissenschaft und wird von Prof. Dr. Axel Tuma geleitet, der auch stellvertretender Direktor des Zentrums für Klimaresilienz ist. „Mit den Augsburger Ergebnissen ermöglichen wir eine Bewertung der Nachhaltigkeit von Krankenhäusern und entwickeln Angebote für wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte Verbesserungsmaßnahmen. Damit leisten wir einen Beitrag, die Initiative Green HospitalPLUS weiter voranzubringen", fasst er den Forschungsauftrag zusammen.
 
Nachhaltigkeit in Krankenhäusern
Neben energieeffizienten Gebäuden, der Nutzung von regenerativen Energien, umweltfreundlichen Lieferketten und Abfallvermeidung gibt es auch Bereiche, die besonders in der Gesundheitsversorgung zum Tragen kommen und die entsprechend auch explizit untersucht werden: „Beispielsweise lohnt sich ein Blick darauf, welches Narkosegas verwendet wird. Manche haben eine Treibhauseffekt mit der bis 2540-fachen Wirkung von CO2. Scheren oder andere Instrumente werden oft nur einmal verwendet und weggeworfen", erklärt Tuma. Würden diese sterilisiert werden, könnte man sie wiederverwenden und Ressourcen schonen. Das würde aber einen erhöhten Personalaufwand bedeuten. „Es ist also wichtig, das gesamte System der Gesundheitseinrichtung im Blick zu behalten", so der Wissenschaftler. Weitere Ansatzpunkte können die Senkung des CO2- und Wasserverbrauchs oder auch Stoffströme sein – z. B. bei Verpackungsmaterial. Für all diese und weitere Facetten werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler praxisorientierte niedrigschwellige Lösungen, zunächst für Krankenhäuser entwickeln.

Umfrage bei bayerischen Kliniken
Dafür wird zunächst neben einer Befragung aller bayerischen Krankenhäuser eine repräsentative Erhebung an mindestens 25 Plankrankenhäusern der Grund-, Maximal- und Schwerpunktversorgung durchgeführt. Dabei ist es den Forschenden wichtig, die betroffenen Akteure der Gesundheitseinrichtungen vor Ort zu beteiligen. Welche Möglichkeiten und Nöte gibt es vor Ort? Welche Vorzeigebeispiele gibt es? Was wird für mehr Nachhaltigkeit benötigt? Welche Kennzahlen können herangezogen werden?

„Mit der Befragung, umfangreicher Literaturrecherche sowie der Analyse nationaler und internationaler Best-Practice-Beispiele erhalten wir einen sehr detaillierten und umfassenden Blick für den Ist-Stand in Sachen Nachhaltigkeit an bayerischen Krankenhäusern und vor allem auch zu den Potenzialen für praxisorientierte Verbesserungen", sagt Dr. Andrea Thorenz, die das Projekt inhaltlich koordiniert.

Maßnahmen werden in ausgewählten Kliniken getestet
In einem weiteren Schritt werden die entwickelten Indikatoren sowie Maßnahmen, die die Nachhaltigkeit verbessern, an ausgewählten Krankenhäusern sowie Fachkliniken erprobt und bewertet. Dies findet in verschiedenen Bereichen statt, z.B. auf der Intensivstation, in der Zentralsterilisation oder im Labor. Vor Ort werden die Forschenden die Prozesse untersuchen und die Indikatoren nochmals weiterentwickeln. Sie prüfen aber auch, wie umsetzbar ihre Vorschläge sind. Auch die Versorgungssicherheit ist dabei ein relevanter Aspekt.

„Unsere Forschungsergebnisse fließen in Werkzeuge, die eine einfache Selbstanalyse ermöglichen und Krankenhäuser dabei unterstützen, sich nachhaltiger aufzustellen", sagt Thorenz. In einem webbasierten Tool können Verantwortliche herausfinden, wie nachhaltig ihre Klinik aufgestellt ist und an welchen Stellen noch Potenzial besteht. Ebenso wird die bestehende Best-Practice-Datenbank in diesem Sinne vollständig überarbeitet.

Nachhaltigkeit wird ausgezeichnet
Ein weiterer Aspekt des Projekts ist die Fortentwicklung des Labels „Green HospitalPLUS", das besonders nachhaltige Krankenhäuser auszeichnet. Die Kommunikationswissenschaftlerinnen der Universität Augsburg erforschen, wie bekannt diese Auszeichnung ist und wie sie wahrgenommen wird. Sie führen Befragungen von Patientinnen und Patienten sowie Beschäftigten der Kliniken durch, anschließend auch mit der Bevölkerung. Spielt Nachhaltigkeit eine Rolle, für die Wahl des Krankenhauses? Kann das Label bei der Akquise von neuem Personal positiv wirken? Welche Erwartungen hat die Bevölkerung? Die Forschenden untersuchen, welche Faktoren zur Akzeptanz des Labels Green HospitalPLUS beitragen.

Über das Zentrum für Klimaresilienz
Mitwirkende an dem dreijährigen Projekt sind folgende Mitglieder des Zentrums für Klimaresilienz der Universität Augsburg:
  • Resource Lab der Universität Augsburg, vertreten durch Frau Dr. Thorenz (inhaltliche Koordination)
  • Prof. Dr. Helena Bilandzic und Dr. Anja Kalch (Arbeitsgruppe Gesundheits- und Umweltkommunikation; Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften mit Schwerpunkt Rezeptions- und Wirkungsforschung)
  • Prof. Dr. Jens Brunner (Lehrstuhl für Health Care Operations/Health Information Management)
  • Prof. Dr. Manuel Ostermeier (Professur für Resilient Operations)
  • Prof. Dr. Axel Tuma (Lehrstuhl für Production & Supply Chain Management)
  • Prof. Dr. Marcus Wagner (Lehrstuhl für Innovation und Nachhaltiges Management)
Das Zentrum für Klimaresilienz wurde im Dezember 2020 als zentrale Einrichtung der Universität Augsburg mit der Maßgabe gegründet, alle mit dem Forschungsschwerpunkt Klimaresilienz zusammenhängenden Kräfte und Aktivitäten der Universität fakultätsübergreifend zu koordinieren und zu bündeln. Die rund 30 Gründungsmitglieder entstammen den Fakultäten für Angewandte Informatik, Medizin, Wirtschaftswissenschaften, der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät, der Philologisch-Historischen Fakultät, der Juristischen Fakultät sowie der interdisziplinären Forschungsgruppe „Resource Lab" und dem Wissenschaftszentrum Umwelt.

Diese bestehenden Kompetenzen werden durch 10 neu zu berufende Professuren verschiedenster Disziplinen ergänzt. Konkret verfolgt das Zentrum das Ziel, ganzheitliche und umsetzbare Strategien zur Anpassung an die unabwendbaren Folgen des Klimawandels zu entwickeln, und zwar auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Zentrale Bausteine zur Umsetzung dieses Ziels sind einerseits die Beförderung des interdisziplinären Austauschs, andererseits der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse im Dialog mit Politik und Gesellschaft.

Kontakt: Resource Lab der Universität Augsburg, Dr. Andrea Thorenz | andrea-thorenz@uni-a.de | www.uni-augsburg.de

Technik | Wissenschaft & Forschung, 25.07.2022
     
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