Klimaschutz als Unternehmenspflicht

Was kann das deutsche Lieferkettengesetz leisten und was ist vom geplanten EU-Gesetz zu erwarten?

Die EU-Kommission will am 23.2. ihren Entwurf für ein europäisches Lieferkettengesetz vorstellen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Deutsche Umwelthilfe, Germanwatch, Greenpeace und der WWF Deutschland legen aus diesem Anlass ihre Positionen zu klimabezogenen Sorgfaltspflichten vor und unterstreichen noch einmal ihre Forderung nach klimabezogenen Sorgfaltspflichten im geplanten EU-Lieferkettengesetz. In ihrem Papier kritisieren die Organisationen das deutsche Lieferkettengesetz zugleich als nicht ausreichend.

© postcardtrip, pixabaySeit Jahren wird versucht, Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung in ihren Lieferketten zur Verantwortung zu ziehen. In Deutschland wurde jüngst das Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz (LkSG) verabschiedet. Das auch Lieferkettengesetz genannte Regelwerk tritt 2023 in Kraft. Damit reagierte die letzte Bundesregierung auf Forderungen, Unternehmen auch für den Klimaschutz in ihren Lieferketten in die Pflicht zu nehmen. Denn die Lieferketten von EU-ansässigen Unternehmen schaden etwa dem Klima und der Natur - sei es durch Emissionen bei der Produktion und dem Transport von Zulieferteilen, durch von Zulieferern und Tochterunternehmen gewonnene fossile Energie oder Waldrodungen.

Ceren Yildiz vom BUND: "EU-ansässige Unternehmen profitieren von günstigen Produktionskosten und unzureichenden Umweltgesetzen im Ausland. Zugleich heizen sie die Klimakrise an. Die EU muss sie rechtlich verpflichten, Verantwortung für Klimarisiken und -schäden in ihren Lieferketten zu übernehmen. Das deutsche Lieferkettengesetz ist dabei kein gutes Vorbild, denn es enthält nur sehr schwache eigenständige umweltbezogene Sorgfaltspflichten."

Das LkSG regelt, welche Pflichten Unternehmen ab einer bestimmten Größe im Verhältnis zu ihren Zulieferern auferlegt werden. Demnach müssen Firmen vor allem Menschenrechtsrisiken in den eigenen Lieferketten identifizieren. Eine ausdrückliche klimabezogene Sorgfaltspflicht enthält es dagegen nicht. Dem Positionspapier zufolge lässt das LkSG die Möglichkeit klimabezogener Sorgfaltspflichten aber durchaus zu. Entscheidend ist, wie der Begriff der Luftverunreinigung interpretiert wird. Unternehmen müssen laut LkSG sicherstellen, dass Luftverunreinigungen durch ihre Zulieferer weder die natürlichen Grundlagen zum Erhalt und Produktion von Nahrung beeinträchtigen noch eine Gesundheitsschädigung bei Menschen hervorrufen können.

"Luftverunreinigung schließt aus unserer Sicht menschengemachte Treibhausgasemissionen mit ein. Letzten Endes ist nämlich Zweck der Vorschrift der Schutz von Leben und Gesundheit. Dass die Klimakrise diese Menschenrechte bedroht, ist unstreitig", betont Susan Grzybek, WWF Deutschland. So sah es auch das Europäische Parlament, als es sich am 10. März 2021 mit Empfehlungen zur Sorgfalts- und Rechenschaftspflicht von Unternehmen an die EU-Kommission wandte. "Industrielobbyisten haben sich massiv gegen die Aufnahme von Klimasorgfaltspflichten in das EU-Lieferkettengesetz gewehrt. Hier darf die EU-Kommission nicht einknicken. Das EU-Parlament hat einen guten Entwurf vorbereitet. Die Kommission muss jetzt nachziehen und Unternehmen für ihre Klimarisiken und -schäden zur Verantwortung ziehen", kommentiert Tina Lutz von der Deutschen Umwelthilfe.

Klimabezogene Sorgfaltspflichten werden schon jetzt gerichtlich ausgefochten. So etwa in Frankreich und den Niederlanden, wo Umweltverbände erfolgreich die Ölkonzerne Total und Shell verklagten. "Insbesondere das Shell-Urteil hat gezeigt, das Unternehmen eine Pflicht zur Emissionsverminderung nicht nur im eigenen Geschäftsbereich, sondern darüber hinaus entlang ihrer gesamten Produktion auferlegt werden muss. Wer mit internationalen Lieferketten Profit macht, muss auch dafür sorgen, dass die Emissionen entlang der gesamten Produktionskette mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar sind", erläutert Viola Wohlgemuth von Greenpeace.

Das Positionspapier leitet aus diesem Urteil zwei Kernforderungen ab: "Die Bundesregierung soll sich auf deutscher Ebene für eine Erweiterung des Lieferkettengesetzes um umfassende umweltbezogene Sorgfaltspflichten einsetzen. Zusätzlich soll sie sich auf EU-Ebene dafür stark machen, dass ein wirksames Instrument für Unternehmensverantwortung schnell verabschiedet wird. Hierzu gehören eindeutig klimabezogene Sorgfaltspflichten", fordert Johanna Sydow von Germanwatch.
 
 
Kontakt: WWF Deutschland | info@wwf.de | www.wwf.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
MAI
2026
Bayerischer Batteriekongress 2026
Einblicke, Strategien, Innovationen
81671 München
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Dieser Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Gesundheit & Wellness

Krankheit und Gesundheit
Christoph Quarch empfiehlt die Stärkung der Resilienz als Weg zur Reduzierung der Krankenstände
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Virgin Islands Climate Change Trust Fund launched at Global Sustainable Islands Summit in Gran Canaria, marking new era in climate finance innovation for islands

Kreislaufwirtschaft am Bau & Energie für die Zukunft

Gastfreundschaftslektionen aus Südtirol

Städte weltweit fordern eine Beschleunigung des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien

Koalition von Ländern treibt beschleunigte Abkehr von fossilen Energien während Energiekrise voran

Deutsche Umwelthilfe widerlegt Mythos angeblich hoher Systemkosten Erneuerbarer Energien

Die Energiewende ist kein Kostenblock – sie ist ein Gewinnmodell für die Regionen

Aufbruch in Santa Marta

  • ZamWirken e.V.
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • SUSTAYNR GmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • NOW Partners Foundation
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • WWF Deutschland
  • circulee GmbH
  • 66 seconds for the future
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • TÜV SÜD Akademie