Technik | Green Building, 25.06.2008
Ausblick in die postfossile Zeit
Ein Plädoyer für energieeffizientes Bauen
Wissenschaft und Wirtschaft bauen derzeit eine kollektive CO2-Hysterie auf, um sich an Klimaschutzmaßnahmen eine goldene Nase zu verdienen. Die Politik geht darauf ein und lenkt damit von wirklichen Lebensfragen ab. Ungeachtet dessen ist es aber zukunftsweisend, energieeffiziente Gebäude zu projektieren und zu bauen.
Wir alle wissen, dass jeder Liter Öl, jede Tonne Kohle, jeder Kubikmeter Gas aus dem Erdenkeller mit Sicherheit verbrannt werden wird. Dem Weltklima ist gleichgültig, ob dies in 50 oder 100 Jahren geschieht. Da- nach ist der Keller aber leer und die postfossile Zeit beginnt: Effizienz im Verbrauch wird so selbstverständlich sein wie Energiespeicherung und die Anpassung an Saisonveränderungen durch Jahreszeiten und Hoch- oder Tiefwetterlagen. Der Anreiz zur Realisierung kann nur der Geldbeutel sein. Wer als Bauherr energieoptimierte Häuser mit Eigenenergiegewinnung, optimaler Verbrauchsstrategie, Regenwassernutzung und dergleichen anbietet, kann mit Hinweis auf niedrige Betriebskosten eine angemessene Miete vorrechnen. Bei größeren Projekten wird dazu ein Facility Manager nötig sein.
Obwohl schon bestehende Gebäude mit energieoptimierten Neubauten nie werden mithalten können, lassen sie sich oft leicht zumindest durch Außendämmung, Solarflächen und Regenwassernutzung nachrüsten. Auch Betriebsgebäude wie Fabrik- und Lagerhallen können bei intelligenter Planung lange Bestand haben und einen hohen Energieeffizienzgrad erreichen. Wenn sie nutzungsneutral gestaltet sind, lassen sich die Gebäude schnell und ressourceneffizient ab-, um- oder anbauen. Banken belohnen dies zusätzlich, indem sie großzügig Kredite bereitstellen, wie zum Beispiel bei einer Mercedes-Werkstatt bei Hannover geschehen: Das Kreditangebot lag wegen der Verkaufswerterhaltung doppelt so hoch wie üblich.
Dämmung mit Maß
Die Anwendung der Green-Building-Standards erfordert jedoch auch Augenmaß und gesunden Menschenverstand. Zu intensives Dämmen verkleinert nutzbaren Raum und ist ab einer gewissen Dämmstärke nur noch minimal wirksam. Die gern genutzten organischen Dämmstoffe können zudem das Raumklima beeinträchtigen. Denn wo organische Materie, Feuchtigkeit und Wärme zusammentreffen, entsteht ein lebensfreudiger Biotop. Sehr gute Ergebnisse lassen sich raumklimatisch beispielsweise erzielen, wenn man Kastenfenster sowohl mit Einfach- als auch mit einer Vierfach-Verglasung einsetzt. Ein Fenster bleibt dabei "normal" undicht, das andere ist bestens gedämmt. Denn alles Lebendige braucht Umsatz an Energie und Materie und auch die beste Gebäudedämmung hat keinen Wert, wenn sich der Mensch darin nicht wohl fühlt.
Prof. Dr. Dirk Althaus ist Architekt und lehrte bis 2005 an der FH Lippe & Höxter Nachhaltiges Konstruieren und Ökologisches Bauen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Energieeffizienz und materielle Kreislaufwirtschaft in der postfossilen Gesellschaft.
Wir alle wissen, dass jeder Liter Öl, jede Tonne Kohle, jeder Kubikmeter Gas aus dem Erdenkeller mit Sicherheit verbrannt werden wird. Dem Weltklima ist gleichgültig, ob dies in 50 oder 100 Jahren geschieht. Da- nach ist der Keller aber leer und die postfossile Zeit beginnt: Effizienz im Verbrauch wird so selbstverständlich sein wie Energiespeicherung und die Anpassung an Saisonveränderungen durch Jahreszeiten und Hoch- oder Tiefwetterlagen. Der Anreiz zur Realisierung kann nur der Geldbeutel sein. Wer als Bauherr energieoptimierte Häuser mit Eigenenergiegewinnung, optimaler Verbrauchsstrategie, Regenwassernutzung und dergleichen anbietet, kann mit Hinweis auf niedrige Betriebskosten eine angemessene Miete vorrechnen. Bei größeren Projekten wird dazu ein Facility Manager nötig sein.
Obwohl schon bestehende Gebäude mit energieoptimierten Neubauten nie werden mithalten können, lassen sie sich oft leicht zumindest durch Außendämmung, Solarflächen und Regenwassernutzung nachrüsten. Auch Betriebsgebäude wie Fabrik- und Lagerhallen können bei intelligenter Planung lange Bestand haben und einen hohen Energieeffizienzgrad erreichen. Wenn sie nutzungsneutral gestaltet sind, lassen sich die Gebäude schnell und ressourceneffizient ab-, um- oder anbauen. Banken belohnen dies zusätzlich, indem sie großzügig Kredite bereitstellen, wie zum Beispiel bei einer Mercedes-Werkstatt bei Hannover geschehen: Das Kreditangebot lag wegen der Verkaufswerterhaltung doppelt so hoch wie üblich.
Dämmung mit Maß
Die Anwendung der Green-Building-Standards erfordert jedoch auch Augenmaß und gesunden Menschenverstand. Zu intensives Dämmen verkleinert nutzbaren Raum und ist ab einer gewissen Dämmstärke nur noch minimal wirksam. Die gern genutzten organischen Dämmstoffe können zudem das Raumklima beeinträchtigen. Denn wo organische Materie, Feuchtigkeit und Wärme zusammentreffen, entsteht ein lebensfreudiger Biotop. Sehr gute Ergebnisse lassen sich raumklimatisch beispielsweise erzielen, wenn man Kastenfenster sowohl mit Einfach- als auch mit einer Vierfach-Verglasung einsetzt. Ein Fenster bleibt dabei "normal" undicht, das andere ist bestens gedämmt. Denn alles Lebendige braucht Umsatz an Energie und Materie und auch die beste Gebäudedämmung hat keinen Wert, wenn sich der Mensch darin nicht wohl fühlt.
Von Dirk Althaus
Prof. Dr. Dirk Althaus ist Architekt und lehrte bis 2005 an der FH Lippe & Höxter Nachhaltiges Konstruieren und Ökologisches Bauen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Energieeffizienz und materielle Kreislaufwirtschaft in der postfossilen Gesellschaft.
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