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Keinen Millimeter Abweichung

Porsche will in Sachen Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einnehmen

Albrecht Reimold, Vorstand Produktion und Logistik der Porsche AG, spricht im Interview mit forum über die Strategie des Unternehmens, Corona und die Digitalisierung.
 
Albrecht Reimold absolvierte eine Ausbildung zum Werkzeugmacher und erlangte anschließend den Abschluss als Diplom-Ingenieur Produktionstechnik. Nach diversen Stationen in der Automobilindustrie wurde er 2016 Mitglied des Vorstandes Produktion und Logistik der Dr. Ing. h.c.F. Porsche AG, Stuttgart. © Porsche AG
Herr Reimold, welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit in der Zukunftsstrategie von Porsche?
Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt unseres unternehmerischen Handelns. Wir denken ganzheitlich: ökologisch, ökonomisch und sozial. Dazu gehört, dass wir schonend mit Ressourcen umgehen und zum Beispiel kontinuierlich unseren Wasser- und Energieverbrauch reduzieren, um die Umweltauswirkungen unserer Geschäftstätigkeit nachhaltig zu verringern. In diesem Bestreben lassen wir nicht nach, sondern entwickeln das Unternehmen kontinuierlich in Richtung unserer Vision weiter: Porsche soll die nachhaltigste Marke für exklusive und sportliche Mobilität werden.
 
Wie werden diese Strategie und das Unternehmen als Ganzes von der Corona-Krise beeinflusst?
Wir konnten im März und April vergangenen Jahres sechs Wochen lang nicht produzieren, das war ein harter Schlag. Anfang Mai war es dann möglich, die Produktion Schritt für Schritt wieder hochzufahren. Trotz der Einschränkungen haben wir unsere Strategie und alle Zukunftsprojekte konsequent weiter vorangetrieben. In den nächsten fünf Jahren investieren wir 15 Milliarden Euro in die Elektromobilität, nachhaltige Produktion und digitale Transformation. Wir machen hier keine Abstriche, sondern stehen zu den CO2-Zielen und weichen keinen Millimeter von unserer Nachhaltigkeitsstrategie ab.
 
Teile der „alten Wirtschaft" fordern ja, die Klima- und Nachhaltigkeitsthemen zurückzufahren und sich voll auf einen klassischen Wiederaufbau zu konzentrieren. Wie steht Porsche dazu?
Porsche bekennt sich zu den 2015 in Paris vereinbarten Klima­zielen und übernimmt Verantwortung. Seit 2015 haben wir den CO2-Ausstoß in der Produktion pro produziertem Fahrzeug um mehr als 75 Prozent gesenkt. Seit 2020 fertigen wir alle Fahrzeuge in der Produktion am Standort Zuffenhausen sogar CO2-neutral. Auf dem Erreichten ruhen wir uns nicht aus, es ist Ansporn, die Emissionen weiter zu reduzieren. Wichtig ist uns eine Betrachtung über die gesamte Wertschöpfungskette: Konkret bewerten wir nicht nur die Emissionen der eigenen Produktion, sondern des gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge – von der Materialgewinnung bis hin zum Recycling.
 
Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?
Innovationskraft und nachhaltiges Handeln bedingen einander. Nur durch konsequente und schnelle technologische Innovationen lassen sich die vor uns liegenden Herausforderungen bewältigen. Bei uns hat Zukunft Tradition: Wir haben schon immer auf die Verbindung unserer Ingenieurswurzeln mit den Technologien von morgen gesetzt. Innovationen sind der Schlüssel für die Zukunft. Vor diesem Hintergrund investieren wir in die digitale Transformation und bauen zugleich unsere Kompetenzen weiter aus – mit dem Ziel, der führende Anbieter für digitale Mobilitätslösungen im automobilen Premiumsegment zu werden.
 
 Die gesamte Lieferkette der Porsche AG soll zukünftig nachhaltig sein. © Porsche AG
Geben Sie dafür bitte ein konkretes Beispiel: Wie etwa wird die Verbindung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit in der Lieferkette umgesetzt?
Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig die Widerstandsfähigkeit von Versorgungssystemen bei plötzlich auftretenden Krisen ist. Wir möchten aber auch die volle Transparenz der Lieferketten, um in Bezug auf deren Nachhaltigkeit jederzeit über mögliche Risiken informiert zu sein. Dafür erproben wir Technologien wie Blockchain und künstliche Intelligenz. Beispielsweise haben wir ein Pilotprojekt zur Rückverfolgbarkeit der vollumfänglichen Lieferkette bei Lederhäuten mit einer Blockchain-Lösung gestartet, denn uns interessiert auch die Herkunft und Verarbeitung in den Vorstufen dieses Naturprodukts.
 
Vor welchen Herausforderungen stehen Sie im Zusammenspiel mit den Zulieferern?
Die Lieferketten im Automobilsektor sind grundsätzlich komplex und dynamisch. Künftig kommt es noch stärker darauf an, ein gemeinsames Verständnis für Nachhaltigkeit zu erarbeiten und die Lieferketten möglichst transparent und nachvollziehbar zu machen. Vor diesem Hintergrund hat Porsche vor mehr als einem Jahr das sogenannte S-Rating eingeführt. S steht für Sustainability. Damit heben wir die Bedeutung des Themas in der Beschaffung auf das gleiche Level wie die Faktoren Qualität, Kosten und pünktliche Logistik. Neben Fragen zu Umweltauswirkungen und Sozialem beinhaltet das S-Rating auch Compliance-Anforderungen. Damit erhalten wir verbindliche Aussagen über die Umwelt- und Energiemanagementsysteme sowie die Arbeitsbedingungen bei unseren Partnern.
 
Wie werden sich die gesellschaftlichen Veränderungen durch Corona auf das zukünftige Mobilitätsverhalten auswirken? Welche Veränderungen erwarten Sie und welche Rolle spielt der PKW dabei?
Jeder überlegt sich nun, was wirklich wichtig ist im Leben. Etablierte Verhaltensweisen werden hinterfragt und man besinnt sich auf das Wesentliche. Das Leben wird bewusster, davon können wir alle profitieren. Im Bereich der Mobilität glaube ich, dass insbesondere die Elektromobilität noch einmal einen deutlichen Schub erhält. Wichtig wird in Zukunft aber auch weiterhin eine Vielfalt an Mobilitätssystemen sein, die individuelle Präferenzen und Bedürfnisse berücksichtigt. Bei Porsche haben wir bereits vor Jahren eine klare, nachhaltige Produktstrategie beschlossen. Sie beruht auf einem Dreiklang aus effizienten Verbrennungsmotoren, emissionsarmen Hybridmodellen und rein elektrischen Fahrzeugen. Diese Strategie treiben wir weiter voran. Mehr denn je rücken dabei emissionsarme Technologien in den Vordergrund. Bereits 2025 wird jeder zweite Porsche einen Elektromotor haben – als Hybridfahrzeug oder reiner Elektrosportwagen. Damit möchten wir eine technologische Vorreiterrolle übernehmen. Die Weltregionen entwickeln sich in Bezug auf die Elektromobilität und ihren infrastrukturellen Ausbau aber stark unterschiedlich. Daher befassen wir uns zusätzlich mit synthetischen Kraftstoffen, bei denen wir auch Möglichkeiten für alle Bestandsfahrzeuge sehen. Experten zufolge hätten sogenannte eFuels großes Potenzial und könnten mehrere Millionen Tonnen CO2 im Jahr einsparen.
 
Herr Reimold, wir bedanken uns für das Gespräch.

Wirtschaft | Lieferkette & Produktion, 01.03.2021
Dieser Artikel ist in forum 01/2021 - SOS – Rettet unsere Böden! erschienen.
     
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