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„Wir brauchen eine Zukunft, auf die wir vertrauen können!“

Internationales „Colloquium 51“ hält neues gesellschaftliches Miteinander und einen anderen Umgang mit dem Planeten für unumgänglich

Einblick in den „Summer of Purpose" vom 26.-28. Juni 2020 in München 

„Wir müssen Menschlichkeit in den Mittelpunkt unseres Verhaltens stellen, damit wir eine Zukunft haben, auf die wir vertrauen können. Dafür müssen wir uns als Individuen und als Gesellschaft zusammen verändern. Das ist unsere Verantwortung für unsere Kinder und für den Planeten." Dieses Fazit zog Veranstalter Hans Reitz, Sozialunternehmer und Kreativberater des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus, von der dreitägigen Sozialkonferenz „Summer of Purpose". 51 Vordenker aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Kultur, hatten sich inmitten einer großen Halle der Messe München im sogenannten „Colloquium 51" getroffen, um die letzten 100 Tage während der Pandemie zu reflektieren und im kreativen Prozess des Nachdenkens und Diskutierens Wege aus der globalen Krise und zu einer neuen Art des Wirtschaftens zu finden.  
 
Führende Denker treffen sich beim Summer of Purpose. © circ - Silv Malkmus Bereits von der Tatsache, dass diese physische Zusammenkunft in Zeiten der Corona-Pandemie mit den entsprechenden Kontaktbeschränkungen überhaupt möglich gemacht wurde, ging ein Aufbruchssignal aus. Neben den Teilnehmern vor Ort, die mit täglicher Temperaturmessung, Maskenpflicht und Abstandswahrung alle Infektionsvorsorgemaßnahmen beachteten, waren über 100 namhafte Experten aus der ganzen Welt als Gesprächspartner digital zugeschaltet. Insgesamt nahmen rund 1.500 Personen an den fünf Sessions und den 26 Workshops digital teil. Das Bühnenprogramm sowie die öffentlichen Workshops wurden weltweit von mehr als 6.000 Besuchern kostenfrei über die Homepage oder über die Social Media Kanäle verfolgt. Das Ende der Konferenz bildete die weltumspannende Würdigung von Professor Muhammad Yunus anlässlich seines 80. Geburtstages. 
 
Hans Reitz sagte: „So wie die Eindämmung der Pandemie unsere Verantwortung ist, so ist es auch unsere Verantwortung, keinen Schritt in die Post-Corona-Ära zurückzugehen. Radikale Umbrüche eröffnen Handlungsspielräume." In diese Richtung argumentierte auch EON-Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen: „Wenn wir ehrlich sind, haben wir erlebt, wie Egoismus, die bisherige Corona-Zeit geprägt hat. Das gibt mir zu denken. Positiv überrascht mich die gewaltige Kreativität der Menschen, wie sie scheinbar Unmögliches wieder möglich machen. Das zeigt, Menschen sind unendlich in ihrer Vorstellungskraft und die entwickelt sich gerade in Zeiten von Einschränkungen und Unfreiheit. Die Aufgabe eines jeden Menschen ist es, immer wieder Handlungsspielräume kreativ zu schaffen." 
 
Andreas Renschler, TRATON-Vorstandsvorsitzender und VW-Vorstand, betonte: „Im Lockdown ist deutlich geworden in welchem Tempo wir uns anpassen können, wenn es darauf ankommt. Die Corona-Evolution kann und muss zur grünen Revolution werden". Auch EON-Vorstand Karsten Wildberger zeigte sich optimistisch: „Die Pandemie hat wie mit einem Brennglas schonungslos offengelegt, was in unserer Gesellschaft nicht funktioniert. Wir müssen die großen Themen im Konsens anpacken. Wir gehen nun mit mehr Mut, Kraft und Zuversicht daran, den notwendigen Umbau des Energiesystems zu beschleunigen, um dem Klimawandel zu begegnen." VW-Vorstand Hiltrud Werner hält grenzübergreifendes Handeln und den Zusammenhalt für extrem wichtig und sagte: „Die jetzige Situation zeigt einmal mehr, wie wichtig die Vereinten Nationen und die Europäische Union sind." Antoine Sire, Mitglied des Managements von BNP Paribas, erklärte: „Es liegt an uns allen, die Gemeinwohlprobleme in den Griff zu bekommen. BNP unterstützt den Aufbau von Social Businesses, die nicht gewinnorientiert sind. Wir müssen viel mehr finanzieren, um die Zukunft des Planeten zu sichern." 
 
Saori Dubourg, BASF-Vorstand, stellte die Ziele der neu gegründeten Value Balancing Alliance vor: „Wir brauchen dringend ein systemisches Umdenken, um eine große Transformation zu befeuern. Trillionen an Kapital sind am Kapitalmarkt und steuern derzeit Profitoptimierung. Stellen Sie sich vor, Trillionen an Kapital würden dazu beitragen, dass die Firmen, die in Zukunft investieren – in Form von Umwelttechnologien, sozialen Werten und Profit – gefördert werden. Was dann für eine Geschwindigkeit in die richtige Richtung entstehen würde. Es geht nicht um uns – es geht um uns alle zusammen."  
 
Neben den vielen inhaltlichen Gemeinsamkeiten gab es viel Anerkennung dafür, dass die Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt geführt wurde. Vor genau 75 Jahren wurde mit Ende des 2. Weltkriegs die UN-Charta von 51 Nationen unterzeichnet. Das Colloquium 51 erinnerte daran und forderte Menschlichkeit und Zusammenhalt in der neuerlichen Krisensituation ein. Die ehemalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte und ehemalige Präsidentin Irlands, Professorin Mary Robinson, betonte: „Covid 19 macht die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in der Welt besonders deutlich. Wir müssen jetzt unsere Denkweise zu einem sozialeren Bewusstsein verändern. Dafür müssen wir den Kindern zuhören und grüner werden." Professorin Claudia Peus, Vizepräsidentin der Technischen Universität München (TUM), sagte: „Das Timing könnte nicht besser sein für das Colloquium 51. Jetzt ist die Zeit zum Reflektieren und zum Vorausdenken. Die Wissenschaft hat das Potenzial einen riesigen Beitrag zur Lösung der großen Probleme zu leisten. Wenn wir Innovation vorantreiben, geht es nicht nur um die Entwicklung neuer Methoden, sondern es geht auch darum, dass der Mensch seine Verantwortung akzeptiert." Professor Dieter Frey, Leiter des Center for Leadership and People Management an der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU), unterstrich: „Für mich heißt Wissenschaft: Die Welt verstehen und erklären, aber auch die Welt durch unsere Methoden, unsere Theorien verbessern. Deshalb vermitteln wir den künftigen Führungskräften unserer Gesellschaft Handlungskompetenzen und Werte einer ethikorientierten Führung." 
 
Führende Denker treffen sich beim Summer of Purpose. © circ - Silv Malkmus Erste neue Allianzen sind bereits bei der Konferenz entstanden. So gründet das Wiesbadener Unternehmen circ von Hans Reitz die „circ academy" und geht dabei eine Partnerschaft mit der TUM ein. Mit Sara Nuru, Unternehmerin und Botschafterin für nachhaltige Entwicklung, soll eine Initiative für fair gehandelten organischen Kaffee zwischen „Nuru Coffee" und „perfect day" entstehen. Die anwesende Gruppe von Medizinstudenten tauschte sich intensiv mit dem Mediziner Eckart von Hirschhausen aus und rief dazu auf, den Ideenreichtum der jüngeren Generation zu nutzen. Auch bisherige Erfolge fanden Anerkennung – auch aufgrund ihrer Vorbildfunktion: So verlieh Professor Erwin Lazlo, Gründer des Club of Budapest, gemeinsam mit WeQ-Gründer Peter Spiegel den „Planetary Consciousness Prize” an Rüdiger Fox, Geschäftsführer von Sympatex Technologies und Gründer des GCH-Instituts, für sein beispielgebendes Handeln im Bewusstsein der globalen Verantwortung. 
 
Nach den Wortbeiträgen von mehr als 150 Personen stand die Gewissheit, dass ein neues gesellschaftliches Miteinander und eines anderen Umgangs mit der Natur und dem Planeten unumgänglich sei. Die Corona-Pandemie sei nur eines von vielen globalen Problemen, die nur durch Zusammenhalt, Menschlichkeit und engagiertes Handeln gelöst werden könne. Es sei unsere zwingende Verantwortung, jetzt mit aller Kraft für den Klimaschutz und die Überwindung von Armut, Ungleichbehandlung und Diskriminierung einzutreten. Ein Weitermachen wie größtenteils noch vor der Corona-Pandemie sei verantwortungslos.  
 
„Es gibt keine Alternative dazu, dass jeder von uns seinen individuellen Beitrag zur Rettung des Gemein- und Wirtschaftswesens leistet. Wir können es nicht aussitzen", betonte Reitz. Politische Maßnahmen sollten sich auf nationaler und internationaler Ebene an den Prinzipien von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit, Zukunftsverträglichkeit und Resilienzgewinnung orientieren. Reitz erinnerte an die historischen Grundlagen für die Gründung der Aktiengesellschaften und skizzierte seine Ideen für eine sogenannte ehrenvolle Aktiengesellschaft. Dafür erhielten die Teilnehmer symbolische Anteilsscheine in Form eines Stücks Leinwand, welche ein Künstler während der Konferenz aus den Ideen erstellt hatte. 
 
Christian Felber, Initiator der Bewegung Gemeinwohl-Ökonomie, betonte: „Die Gemeinwohlorientierung der Wirtschaft muss von der Unternehmensebene auf die Systemebene skaliert werden, genau wie es heute schon in Artikel 151 der Bayerischen Verfassung steht: `Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl`. Dazu braucht es neue Spielregeln. Auf Unternehmensebene kann eine mit Anreizen verbundene Gemeinwohl-Bilanz sicherstellen, dass nur Social Businesses und Aktiengesellschaften, die das Wohl aller anstreben, rentabel und lebensfähig sind. Auf volkswirtschaftlicher Ebene könnte ein demokratisch komponiertes Gemeinwohl-Produkt, das alle Facetten von Lebensqualität beinhaltet, das BIP als Wohlfahrtsmaß ablösen und zum neuen Norden-Leitstern für Politikentscheidungen werden." BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer blickte in die Zukunft: „Die soziale und ökologische Marktwirtschaft total fokussiert auf das Wohl der Menschen – so müsste man Europa in 10 Jahren beschreiben."  
 
In seinem Resümee von der Veranstaltung sagte Felix Wegeler, Kuratoriumsvorsitzender der Beethoven Stiftung: „Wir müssen endlich handeln. Dabei müssen wir den Mut haben, nach Gehör zu spielen. Nach den kommenden 100 Tagen müssen wir uns erneut fragen, was wir hinzugelernt und was wir erreicht haben. Es gibt keine fertige Partitur für die Wege aus den globalen Krisen." Hans Reitz pflichtete bei: „Wir müssen permanent lernen. Das ist das ABC des WE. Der Summer of Purpose mit dem Colloquium 51 bildete dazu die Plattform. Aus den Ergebnissen wird nun ein Paper für die weitere Diskussion entstehen." Man habe alle Diskussionen aufgezeichnet und werde alles frei teilen. Die eigentliche Arbeit beginne erst jetzt durch die weitere weltweite Vernetzung mit Partnern und Organisationen und durch die Initiierung von gemeinsamen Projekten und Folgeveranstaltungen. „Ich denke, es ist uns gelungen, einen Stein ins Rollen gebracht zu haben und in dieser schwierigen Zeit der Verunsicherung und des Stillstands ein Aufbruchssignal für Menschlichkeit in die Welt gesandt zu haben." 
 
Professor Muhammad Yunus war bei der gesamten Konferenz live aus Bangladesch zugeschaltet. Zu den digitalen Gratulanten zählten IOC-Präsident Thomas Bach, Danone-Chef Emmanuel Faber, Primatenforscherin Jane Goddal, Otto Group Aufsichtsratsvorsitzender Michael Otto, Wirtschaftsmanager Paul Polman und Maria Teresa Grand Duchess of Luxembourg. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den bengalischen Wirtschaftswissenschaftler und Gründer der Grameen Bank mit den Worten: „Die Hilfe zur Selbsthilfe durch den Aufbau eines genossenschaftlich organisierten Mikrofinanzkreditwesens in Bangladesch ist untrennbar mit Ihrem Namen verbunden. Vielen Menschen wurde dadurch der Weg heraus aus Not und Armut geöffnet. Ich bin überzeugt, dass Ihre Gedanken in Ihrem Beitrag ‚No going back‘ zu einem weltweiten Erholungsprogramm für die Wirtschaft, in dessen Zentrum 'soziale Unternehmen' stehen sollen, wertvolle Anstöße in der uns alle angehenden Diskussion zur Überwindung der sozio-ökonomischen Folgen der Pandemie geben werden."  
 
Als unermüdlicher Mann der Tat nutzte Yunus seinen runden Geburtstag für seinen weltweiten Appell, COVID-19-Impfstoffe zum allgemeinen öffentlichen Gut zu erklären und sie damit frei von Patentrechten zu stellen. „Der einzige Weg die Pandemie auszurotten besteht darin, über einen Impfstoff zu verfügen, der allen Bewohnern des Planeten gleichermaßen verabreicht werden kann, in der Stadt und auf dem Land, Männern und Frauen, in reichen und armen Ländern", sagte Yunus. Mehr als 100 bekannte Persönlichkeiten tragen den Aufruf mit, darunter 18 Nobelpreisträger sowie 32 frühere Staats- und Regierungschefs. Zu den Unterstützern zählen etwa Südafrikas EX-Erzbischof Desmond Tutu, Kinderrechtsaktivistin Malala, IOC-Präsident Thomas Bach, der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef Michael Gorbatschow, Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, U2-Frontmann Bono, Tenor Andrea Bocelli und die Schauspieler George Clooney, Sharon Stone, Matt Damon und Forest Whitaker.  
Die Unterzeichnung des Aufrufs kann durch jedermann erfolgen unter http://vaccinecommongood.org/ 
 
Der Summer of Purpose wurde vom Grameen Creative Lab, dem Yunus Centre und circ veranstaltet in Partnerschaft mit Friends of Social Business, YY Foundation, Messe München, BCG, EON und Autostadt. Erdacht und organisiert wurde die hybride Veranstaltung von dem Wiesbadener Unternehmen circ.  
 
Die Mediathek und weitere Informationen finden sich unter www.summerofpurpose.com 
 
Kontakt: Grameen Creative Lab, Pressesprecher Gordon Bonnet | gordon.bonnet@grameencl.com

Gesellschaft | Pioniere & Visionen, 03.07.2020
     
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