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Technik | Energie, 30.06.2020

Auswirkungen der Pandemie auf die weltweite Energiepolitik

Studie untersucht, wie sich die Pandemie auf den globalen Energiesektor auswirkt

Der Covid-19-Ausbruch führt zu einer wirtschaftlichen Rezession, die möglicherweise schwerwiegender ausfällt als nach der Finanzkrise 2008. Damit einher geht ein weltweiter Rückgang der Energienachfrage. Wie sich die Pandemie auf den globalen Energiesektor auswirkt, ob politische Entscheidungen in der Krise den Wandel der Energiesysteme beschleunigen oder ob weiterhin auf fossile Energieträger gesetzt wird, wurde für eine aktuelle Studie des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) untersucht. Darin enthalten eine Analyse der Energiepolitik Argentiniens, Chinas, Deutschlands, Indiens, Israels und der USA.
 
Der Covid-19-Ausbruch führt zu einer wirtschaftlichen Rezession, die möglicherweise schwerwiegender ausfällt als nach der Finanzkrise 2008. © jewhisperer, pixabay.comDie Auswirkungen der Coronakrise auf die Energiemärkte ähneln sich zwar einerseits, andererseits sind unterschiedliche nationale politische Reaktionen zu erwarten, so das Autorenteam. Ihre Begründung: Bei den analysierten Ländern liegen sowohl unterschiedliche Industriestrukturen als auch verschiedene politische und soziale Gegebenheiten vor.
 
In den USA wie auch in Deutschland hat sich die Rolle der Kohleindustrie verringert und der Anteil erneuerbarer Energien ist gewachsen. Die Bedeutung von Öl und Gas in den USA sowie die aktuelle politische Lage dort könnten es jedoch erschweren, den fossilen Energieträgern den Rücken zu kehren, während in Deutschland ein prinzipieller Konsens über den Ausstieg aus der Kohleförderung besteht.
 
Ebenso wird sich Argentinien schwer tun: Ein dominanter Öl- und Gassektor gilt in dem südamerikanischen Land als Schlüssel für die Landesentwicklung, während der Sektor mit erneuerbaren Energien noch relativ klein ist. Dies mache einen Übergang in Krisenzeiten weniger wahrscheinlich, so das Fazit der Autoren.
 
China und Indien hätten vom Ausbau erneuerbarer Energien profitiert, aber beide Länder erwarteten langfristig eine steigende Energienachfrage, weshalb dort möglicherweise ein Zögern vorherrsche, von fossilen Energieträgern ganz Abstand zu nehmen. Auch die USA, China, Israel und Indien würden der Energiesicherheit eine hohe Bedeutung beimessen, so argumentieren die Autoren. Und obgleich dies mit erneuerbaren Energien erreicht werden könne, sehen Länder mit lokalen Reserven an fossilen Brennstoffen diese immer noch als ein Sicherheitsplus an.
 
Empfehlung: Umweltfreundliche Konjunkturpakete
Covid-19 und die daraus resultierende Wirtschaftskrise könnten die Energiewende in bestimmten Ländern verlangsamen. Es werden Konjunkturpakete zur Wiederbelebung der angeschlagenen Volkswirtschaften im Gefolge der globalen Pandemie notwendig sein, und einige Länder werden ihre einheimischen fossilen Brennstoffsektoren zu stärken versuchen. Dies, obwohl die Preissenkungen der OPEC+ diese Strategie riskant mache, schreiben die Autoren der IASS-Studie. Damit steige das Risiko eines global ungleichmäßigen Übergangs zu erneuerbaren Energien, was zusätzliche finanzielle und politische Risiken insbesondere für die späten Dekarbonisierer, aber ebenso für die Weltgemeinschaft insgesamt mit sich bringe.
 
Die Konzentration auf umweltfreundlichere Konjunkturpakete, ist eine der Empfehlungen der Forschergruppe. Denn erneuerbare Energien könnten die lokale Wertschöpfung fördern und würden nicht zu den gleichen Abhängigkeiten beitragen, die auf dem globalen Energiemarkt zu sehen sind. Die Bemühungen Indiens, Israels, Deutschlands und Chinas seien zwar ein Anfang, notwendig sei aber ein noch konzertierteren Vorgehen, um fossile durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen.
 
Die Teams am IASS forschen mit dem Ziel, gesellschaftliche Wandlungsprozesse zur Nachhaltigkeit zu verstehen, zu befördern und zu gestalten. Problemverständnisse und Lösungsoptionen entwickeln die Teams des Instituts in Kooperation mit Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
 
Kontakt: Sabine Letz, Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) 


     
        
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