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Lisa von Eitzen

Teller statt Tonne! Zeit für die Rettung unserer Lebensmittel

Lisa von Eitzen präsentiert Rettungsinitiativen

Weltweit geht laut Welternährungsorganisation FAO ein Drittel der Nahrungsmittelproduktion durch Lebensmittelverschwendung verloren. In Deutschland dürfte das Ausmaß der Verschwendung noch höher sein: Hier landen etwa 313 kg Lebensmittel in der Tonne – pro Sekunde. 

Bündnis 90/Die Grünen wollen die Lebensmittelverschwendung bis 2030 halbieren.Lebensmittel wegzuwerfen belastet nicht nur das Gewissen, sondern auch Umwelt und Klima: In der persönlichen Klimabilanz schlägt die Lebensmittelverschwendung mit einem Anteil von 20 Prozent zu Buche! Denn momentan werden in Deutschland 2,6 Millionen Hektar – eine Fläche vergleichbar mit Mecklenburg-Vorpommern – faktisch umsonst bewirtschaftet und dabei 22 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen. Um das zu ändern, engagieren sich immer mehr Unternehmen, Einzelpersonen und auch Parteien, um Lebensmittel vor dem Müll zu retten.
 
So gab es bereits mehrere Petitionen für die Legalisierung des „Containerns" (also der Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern von Supermärkten oder Fabriken), was momentan rechtlich noch als Diebstahl gilt. Um mehr Gewicht zu erlangen, haben sich viele Akteure auf der Plattform foodsharing.de zusammengetan, um überschüssige Lebensmittel in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor dem Verderb zu retten und sinnvoll zu verteilen.
 
Mit Hilfe der Plattform werden übrig gebliebene, noch verwendbare Lebensmittel bei Supermärkten, Bauern und Fabriken abgeholt und kostenlos zur Verfügung gestellt. Inzwischen sind es über 60.000 Freiwillige, die „Essen retten", Gruppen gibt es in jeder größeren deutschen Stadt, das Essen wird an über 300.000 Menschen verteilt. Immer mehr Städte organisieren mit Hilfe dieser Plattform Foodsharing-Systeme, um übrig gebliebene, noch verwendbare Lebensmittel kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Für das Teilen von Lebensmitteln von privat an privat hat Lisa ­Zvonetskaya die UXA Foodsharing-App entwickelt, die das schnelle und unkomplizierte Teilen von Lebensmitteln mit der Nachbarschaft ermöglicht. Das Prinzip: Bild von der Verpackung oder dem abzugebenden Lebensmittel machen, hochladen, Haltbarkeitsdatum bzw. Verfallsdatum hinzufügen und schon steht es für andere Menschen zur Abholung bereit.

Der Trend kommt in Fahrt
Neben den genannten Initiativen kommen täglich neue hinzu: Zum Beispiel stellt Sirplus abgelaufene Lebensmittel von Herstellern und Großhändlern zu „Retterboxen" zusammen und verkauft diese auf www.sirplus.de zu günstigeren Preisen. Die Box gibt es sogar in der veganen Bioversion. Auf startnext.com läuft ein Crowdfunding für das Restaurant „Restlos Glücklich" – das erste Restaurant in Berlin, das nur mit nicht verkäuflichen Lebensmitteln kochen wird.
 
Gemeinsam gründeten die genannten Organisationen und einige mehr das „Bündnis Lebensmittelrettung", das sich nun mit einem Brief direkt an die Abgeordneten wandte. Gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe rief es zum Welternährungstag den Hashtag #notmyMHD ins Leben. Die Aktion fordert dazu auf, verzehrfähige Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum zu essen und davon Fotos in den sozialen Netzwerken zu posten.

Die Politik soll aktiv werden
Doch nicht nur im Internet, sondern auch in der Politik gewinnt das Thema an Bedeutung: So haben die Grünen im Bundestag unter Federführung von Renate Künast einen Antrag zur Verhinderung von Lebensmittelverschwendung ins Parlament eingebracht. Darin fordern sie unter anderem ein Anti-Wegwerf-Gesetz, das Lebensmittelmärkte und -produzenten verpflichtet, noch genießbare Lebensmittel abzugeben. Dieser Antrag soll nach dem Willen der Initiatoren dazu beitragen, die Lebensmittelverschwendung bis zum Jahr 2025 um 30 Prozent zu verringern und bis 2030 zu halbieren.

Hier ein Auszug der vorgeschlagenen Maßnahmen:
  • Lebensmittelspenden an gemeinnützige Organisationen erleichtern
  • überflüssige Handels- und Qualitätsnormen überprüfen
  • Offenlegungs- und Transparenzpflichten für Lebensmittel­produktion, -handel und Außer-Haus-Verpflegung
  • Mindesthaltbarkeitsdatum stärker an den tatsächlichen Verderb annähern.
  • Containern straffrei machen
  • Ernährungsbildung an Schulen und Kitas fördern, um Wertschätzung für Lebensmittel zu vermitteln.
Um auch selbst mit gutem Beispiel voranzugehen, haben sie außerdem die sogenannten „Lebensmittelretter*in-Tüten" entwickeln lassen. Diese werden bei Grünen-Veranstaltungen neben das Buffet gelegt, damit die Teilnehmer*innen die übrig gebliebenen Speisen in den Tüten mitnehmen können und kein Essen in der Tonne landet.

Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat das Problem erkannt und zeichnet 2020 zum fünften Mal Initiativen zur Reduktion der Lebensmittelverschwendung mit dem Bundespreis „Zu gut für die Tonne!"-aus. Doch auch weiterhin belässt es Ministerin Julia Klöckner bei Appellen an die Wirtschaft, es gibt keine Sanktio­nen für Unternehmen, die nichts tun. Maßnahmen wie in Frankreich oder Tschechien hingegen, die es den Supermärkten verboten haben, essbare Lebensmittel wegzuwerfen, lehnt die Ministerin ab. All diese Beispiele zeigen deutlich, dass „Lebensmittel retten" für jeden unkompliziert umzusetzen ist. Die UXA-App gibt es z.B. kostenlos zum Download im Apple- und Google-Play-Store – Worauf warten Sie also noch? Zusammen können wir die Welt Bissen für Bissen retten!

Dieser Artikel ist in forum 01/2020 - Dabeisein ist alles! erschienen.



     
        
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