66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

CO2-Einsparungen durch den Zusammenbruch der Kreuzfahrtindustrie

Coronapandemie entwickelt sich zum Klimaretter

Die Coronakrise hat die Welt fest im Griff und stellt dabei enorme Herausforderungen an Gesundheitssysteme und Wirtschaft dar. Das Virus, von dem Ende Dezember 2019 erstmals in China berichtet wurde, stellt mittlerweile den Alltag von Millionen Menschen auf den Kopf und bedroht ganze Wirtschaftszweige. Neben all den beängstigenden Szenarien gibt es jedoch auch positive Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie, insbesondere auf die Umwelt und das Klima.

© Photo by Peter Hansen on UnsplashZu den größten Leidtragenden der COVID-19-Krise gehört zweifellos die Tourismusbranche. Harte Zeiten kommen auf Reiseveranstalter, das Gastgewerbe, Fluggesellschaften und die Kreuzfahrtindustrie zu. Letztere rückte in den Wochen häufig in den Fokus der Berichterstattung. Ein Beispiel hierfür ist das japanische Kreuzfahrtschiff Diamond Princess, dessen Passagiere zwei Wochen auf dem Schiff ausharren mussten und auf dem sich schließlich über 700 Menschen mit dem neuartigen Virus infizierten. Auf Kreuzfahrtschiffen gilt generell ein erhöhtes Infektionsrisiko, da sich dort sehr viele Menschen auf engem Raum bewegen. Nach den Schreckensmeldungen in den Medien rund um die Diamond Princess, nach Anlegeverboten an diversen Häfen und nicht zuletzt wegen weltweiten Reisewarnungen kam es in den letzten Wochen zu einem regelrechten Einbruch der Kreuzfahrtbuchungen. Es wird mit einem Rückgang der Buchungen im ersten Quartal von etwa 40 % im Vergleich zum Vorjahr gerechnet.

Erste Kreuzfahrtanbieter mussten bereits Insolvenz anmelden und weitere werden in den kommenden Monaten wohl folgen – eine Katastrophe für Unternehmer und Angestellte der Branche. Nutznießer dieser besorgniserregenden Situation ist hingegen das Klima, denn durch den Zusammenbruch der Kreuzfahrtindustrie sind enorme CO2-Einsparungen zu erwarten.

In den letzten Jahren boomte der Sektor der Kreuzfahrten und kaum eine Industrie in Deutschland hatte einen ähnlich hohen Anstieg der Treibhausgasemissionen zu verzeichnen. So lagen die Emissionen 2018 bei insgesamt 748.713 Tonnen CO2, was rund 62.000 Tonnen pro Monat entspricht. Die Klimaunverträglichkeit des Kreuzfahrtgeschäfts wurde in den letzten Monaten von Protestbewegungen wie Fridays for Future angeprangert. Während jene Proteste bisher kaum Auswirkungen auf die Kreuzfahrtbranche erzielen konnten, scheint sich nun die Coronapandemie zum Klimaretter zu mausern. Gehen wir von einem Rückgang von 40 % gegenüber den Emissionen von 2019 aus, so wurden in den vergangenen vier Wochen ca.  24.800 Tonnen CO2 eingespart. Weiterhin ist mit einem kompletten Erliegen der Kreuzfahrtindustrie während der kommenden sechs Wochen zu rechnen (-93.000 Tonnen CO2). Daraus ergibt sich eine voraussichtliche weltweite Einsparung von 117.000 Tonnen CO2 für die ersten vier Monate dieses Jahres.

Der Rückgang der Kreuzfahrtindustrie durch das Coronavirus wirkt sich wiederum auf andere Zweige der Tourismusbranche aus. So konnte beispielsweise der weltgrößte Yachtvermittler Zizoo im Januar und Februar 2020 eine deutliche Zunahme an Buchungen verzeichnen. Dieser Anstieg scheint direkt mit der Ausbreitung des Virus und der darauffolgenden Stornierung von Kreuzfahrten zu korrelieren. Anna Banicevic, Gründerin und CEO von Zizoo Boats erklärt: „Die Daten unserer internen Marktanalyse lassen die Schlussfolgerung zu, dass die Nachfrage nach Segelbooten und kleinen Charteryachten mit Skipper fast im selben Maßstab steigt wie die Nachfrage nach klassischen Kreuzfahrten sinkt. Unsere Buchungsanfragen stiegen im Januar und Februar stark im Vergleich zum Vorjahr.” Im Angesicht der Coronakrise scheinen sich die Menschen also umzuorientieren, von den großen Kreuzfahrtriesen zu kleineren, selbst gecharterten Booten. Ebenso konnte das Unternehmen feststellen, dass Urlauber lieber in unseren Breiten bleiben. „Was wir faktisch bemerken ist eine Verschiebung der Reiseziele. Insbesondere deutsche Kunden buchen vermehrt im eigenen Korridor, der Ostsee- und Nordseeregion.” All dies hat den positiven Nebeneffekt, dass solche Reisen eine weitaus bessere CO2-Bilanz aufweisen. Die derzeitige Krise kann also auch Chancen bergen und es ist zu hoffen, dass die vorteilhaften Auswirkungen auf das Klima nicht nur von kurzer Dauer sind, sondern dass die heutige Situation zu einem langfristigen Umdenken in Sachen Klimabewusstsein führt.


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
21
APR
2026
Sustainable Economy Summit
Rückenwind für die Wirtschaft der Zukunft
10117 Berlin
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Naturschutz

Der Mensch als Herr und Meister über die Natur?
Christoph Quarch weist auf das Schöpferische und Kreative im wilden Leben hin
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Keine Transformation ohne Frauen

Circular Valley Convention 2026 erfolgreich gestartet

Gemeinsam Städte zukunftsfähig machen

Gemeinsamer Appell an den Koalitionsausschuss zum Klimaschutzprogramm

LEEF platziert Folgeanleihe und startet neue Wachstumsphase

Zentek und Schlaadt beschließen weitreichende Zusammenarbeit für nachhaltige Verpackungen

Lunch & Learn: Warum gute Streitkultur Erfolg bingt

Handelsblatt Jahrestagung Stadtwerke 2026, 22./23. April, Berlin

  • SUSTAYNR GmbH
  • WWF Deutschland
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • circulee GmbH
  • TÜV SÜD Akademie
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • NOW Partners Foundation
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen