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International tätige Firmen setzen stärker auf weibliche Mitarbeiter

Besetzung von Top-Jobs im Management bleibt von Internationalität eines Unternehmens aber unbeeinflusst

Eine aktuelle Studie von den WU Wissenschaftlerinnen Alyssa Schneebaum und Carolina Lennon zeigt, dass international tätige Unternehmen mehr Frauen anstellen, als ausschließlich national agierende Firmen. Auch der Sitz der Kundschaft spielt dabei eine Rolle. Einzig die Besetzung von Top-Jobs im Management bleibt von der Internationalität eines Unternehmens unbeeinflusst.
 
Eine aktuelle Studie von den Wissenschaftlerinnen der Wirtschaftsuniversität Wien Alyssa Schneebaum und Carolina Lennon zeigt, dass international tätige Unternehmen mehr Frauen anstellen, als ausschließlich national agierende Firmen. © Free-Photos, pixabay.comAlyssa Schneebaum vom Institut für Heterodoxe Ökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien ging in ihrer Studie gemeinsam mit ihrer Koautorin Carolina Lennon der Frage nach, ob sich die Globalisierung auch auf die Verteilung von weiblichen und männlichen Mitarbeitenden in Unternehmen auswirkt. Hierfür untersuchte die Wissenschaftlerin die Entwicklungen in über 30.000 Firmen in mehr als 100 Entwicklungsländern und Ländern mit mittlerem Einkommen zwischen 2006 und 2014. Die Ergebnisse belegen deutlich den Zusammenhang zwischen Internationalität und der Verteilung von Mitarbeitenden nach Geschlecht. Alyssa Schneebaum erklärt: „Wir sehen hier einen ‚Race to the top‘, das heißt: Interagieren Unternehmen mit Ländern mit hoher Geschlechtergleichheit, wirkt sich dies auch positiv auf die Geschlechterverteilung im Unternehmen aus. Umgekehrt gibt es aber keinen negativen Effekt, das heißt, dass Geschlechterungleichheit aus anderen Ländern nicht importiert wird." Als Länder mit hoher Geschlechtergleichheit werden von den Vereinten Nationen zahlreiche Europäische Länder eingestuft, allen voran u.a. die Schweiz, Schweden und Dänemark. Österreich rangiert gemäß Gender Inequality Index der UN auf Platz 14. Massive Ungleichheit wurde in zahlreichen Ländern Afrikas wie der Republik Tschad geortet, aber z.B. auch der Jemen sticht negativ hervor.
 
Übertragung sozialer Normen
Die Studienergebnisse zeigen, dass jene Unternehmen, deren Mutterkonzern in anderen Ländern ist bzw. die in andere Länder exportieren, generell einen größeren Anteil an weiblichen Mitarbeitern einstellen, als jene, die nur am nationalen Markt aktiv sind. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Firmen, deren InvestorInnen oder auch KundInnen in Ländern mit hoher Geschlechtergleichheit sind: Sie stellen 6-7 Prozentpunkte mehr Frauen an als nationale Firmen, die nicht international tätig sind. Aber auch Eigentumsstrukturen spielen eine Rolle. „Unternehmen mit nationalen EigentümerInnen stellen 17-18 Prozentpunkte weniger Frauen ein, als jene mit EigentümerInnen in Ländern mit hoher Geschlechtergleichheit, auch wenn beide auf dem gleichen Markt mit gleichen lokalen Geschlechternormen tätig sind", so die Studienautorin.
 
Top-Jobs bleiben vorwiegend männlich
Die positiven Effekte der Globalisierung und Internationalisierung von unternehmerischen Aktivitäten zeigen sich allerdings nicht bei allen Arten und Ebenen von Unternehmen gleichermaßen. Besonders Produktionsjobs profitieren hinsichtlich Geschlechterverteilung von der Entwicklung, an zweiter Stelle stehen Angestellte (in klassischen Büro-Jobs). „Der Anteil von Frauen steigt dabei nur für die unteren und mittleren Ebenen der Organisationsstruktur. Top-Management-Positionen bleiben von der ‚Internationalität‘ ihrer Unternehmen unbeeinflusst", so Schneebaum, „Wir sehen demnach einerseits, wie die Internationalität als Medium für Geschlechternormen fungiert und Ungleichheit reduzieren kann. Andererseits wird ganz klar deutlich, dass es auch andere Maßnahmen braucht, um Diversität in Management-Positionen zu erreichen und die Geschlechterungleichheit zu reduzieren."
 
Über die Forscherinnen
Alyssa Schneebaum ist Assistenzprofessorin und stellvertretende Vorständin des Instituts für Heterodoxe Ökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie Wissenschaftlerin am Forschungsinstitut Economics of Inequality der WU (Videobeitrag). Die gebürtige Amerikanerin studierte Volkswirtschaftslehre und Gender Studies an der Bucknell University in Pennsylvania (USA) und absolvierte ihr Doktorat an der University of Massachusetts-Amherst (USA). 2012 wechselte sie an die Wirtschaftsuniversität Wien. Zudem ist Alyssa Schneebaum Research Consultant am Williams Institute der UCLA (USA). In ihrer Forschung widmet sie sich insbesondere der Arbeitsmarktökonomie, der angewandten Mikroökonomie und der Ökonomie des Geschlechts, der Familie und Ungleichheit. Ihre Studien publiziert die Ökonomin in hochkarätigen internationalen Journals wie Demography, Feminist Economics, Review of Income and Wealth, Economics Letters, und Applied Economics. 2014-2018 war Alyssa Schneebaum Hertha Firnberg Stipendiatin des FWF, 2016 erhielt sie den Kurt Rothschild Preis, im Jahr 2018 wurde ihr der Käthe Leichter Preis übergeben.
 
Carolina Lennon ist Post-Doc-Wissenschaftlerin am Institut für Makroökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Arbeit, Entwicklung und internationale Wirtschaft. Carolina Lennon absolvierte ihr Masterstudium der internationalen Wirtschaft und Entwicklung sowie ihr PhD-Studium an der Sorbonne Universität in Paris. Vor ihrer Tätigkeit an der WU war sie Beraterin für verschiedene internationale Organisationen wie die Food and Agricultural Organization (FAO), die International Labour Organization (ILO), die United Nations Industrial Development Organization (UNIDO), die Weltbank (WB) und die Welthandelsorganisation (WTO) tätig.
 
Zur Studie
 
Kontakt: Mag. Anna Maria Schwendinger, Wirtschaftsuniversität Wien
anna.schwendinger@wu.ac.at | www.wu.ac.at

Wirtschaft | Führung & Personal, 06.01.2020

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