66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

Mais - Ein ökologischer "Hidden Champion" auf dem Feld?

Maisanbau steht in der Kritik, aber die positive Wirkung des Getreides auf die Bodenqualität und seine CO2-Bilanz wird unterschätzt

Maisanbau hat ein zunehmend schlechtes Image. Ein Maisfeld, so lautet das Urteil von Klima- und Artenschützern, sei ökologisch quasi so wertvoll wie ein Parkplatz. Der schwäbische Biolandwirt Christian Matthesius sieht das anders. Er baut Biomais an. Und dieser ist, wie er deutlich machen will, in ökologischer Hinsicht eine verkannte Nutzpflanze im Hinblick auf den Schutz von Klima, Boden und Wasser. 

Christian Mattesius © privat Seit 15 Jahren betreibt Christian Matthesius den Hochfeldhof im schwäbischen Langerringen. Sein Hof ist nach den geltenden Richtlinien des Bioland e. V., dem Verband für organisch-biologischen Landbau, für die Bereiche Ackerbau und Grünland zertifiziert. Neben Winterweizen, Sommergerste, Zuckerrüben und Kartoffeln baut er auch Mais an. "Natürlich ist die Artenvielfalt und ökologische Wertigkeit einer natürlichen Wiese mit Tümpeln höher als die eines landwirtschaftlich bewirtschafteten Maisfeldes. Dass Maisanbau aber auch einige ökologische Vorteile hat, wird oft nicht gesehen." 

Matthesius kennt die Kritik, in der Mais gemeinhin steht. Maisanbau zerstöre das Landschaftsbild, von einer "grünen Plage" und "Vermaisung der Landwirtschaft" ist die Rede. Und besonders dem Silomaisanbau wird eine zehrende und daher verheerende Wirkung auf den Humusgehalt im Boden nachgesagt. 

Doch ausgeglichene Humusbilanzen sind auch möglich, wenn Mais in der Fruchtfolge steht. Die Humusversorgung ist bei Mais besser als bei Hackfrüchten wie Rüben oder Kartoffeln. Ein Grund dafür ist zum Beispiel, dass bei Körner- und CCM-Mais das Maisstroh auf dem Feld liegen bleibt, was zum Humusaufbau beiträgt. Auch ist der Boden meist gut durch organischen Dünger versorgt, da maisanbauende Landwirte oft Tierhaltungsbetriebe bewirtschaften - Mist und Gülle landen wieder auf dem Feld. So auch beim Biobauern Matthesius: "Ich dünge meinen Biomais ausschließlich mit organischen Substanzen, wie Mist, Gülle aus Öko-Tierhaltung oder Kompost. Auf den Boden wirkt sich außerdem positiv aus, dass Mais auswaschungsgefährdete Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoffe sowie im Boden freigesetztes Nitrat aufnehmen und anders als andere Kulturpflanzen noch bis in die späten Sommermonate binden kann." 

Auch für viele nützliche Kleinlebewesen wie Blattläuse, Käfer oder Spinnen ist Mais überlebenswichtig. Vor allem in trockenen, heißen Sommermonaten, wenn Raps und Weizen bereits geerntet sind, dient er als Deckung für Wildtiere und wichtige "grüne Brücke" für Insekten. Im Herbst ist er oft der letzte Zufluchtsort für Nützlinge. "Und für Bienen ist auch Mais ein wichtiger Pollenspender", stellt Matthesius klar. "Seine Blüten wachsen allerdings erst in einer Höhe von zweieinhalb bis drei Metern und sind deshalb oft nicht zu sehen." 

Im Hinblick auf die immer wertvollere Ressource Wasser ist Mais ein Sparmeister. Seine Eigenschaft, den nächtlichen Tau in seinen Blattachseln zu speichern, wirkt sich bei Mais besonders in den zunehmenden trockenen, heißen Sommermonaten vorteilhaft aus. Was viele nicht wissen: Mais ist ursprünglich eine Pflanze aus den Subtropen. Durch den besonderen C4-Stoffwechsel benötigt Mais weniger Wasser als beispielsweise Weizen, Gerste, Zuckerrüben oder Kartoffeln. Bei hohen Temperaturen kann Mais im Vergleich mehr Biomasse produzieren, liefert also mehr Ertrag. 

Die hohe Anbaukonzentration in manchen Regionen, beispielsweise für die Produktion von Biogas, hat zu negativen Folgen für das Ökosystem geführt. Mittels richtiger Anbaumethoden kann Maisanbau in einer positiven Klimabilanz resultieren. Hier helfen eine vielseitige Fruchtfolge, Zwischenfruchtkulturen wie Blühstreifen sowie Untersaaten. So baut auch Matthesius seinen Mais in einer weiten Fruchtfolge mit 5-6 verschiedenen Früchten im Wechsel an und setzt auf eine konservierende Bodenbearbeitung. "Ich befürworte den Maisanbau grundsätzlich", sagt der schwäbische Landwirt, "egal, ob konventionell oder ökologisch." Er selbst hat sich für Biomais entschieden, da er seine Felder nach den Vorgaben des Bioland-Verbands bewirtschaftet und in seiner weiteren Funktion als regionaler Vertriebsmanager für Pioneer um die besonderen Qualitäten von Biomaissaatgut weiß. Lange waren Biobauern beim Anbau von Mais zurückhaltend, aber über die letzten Jahre ist der Absatz von Biomaissaatgut, das etablierte Hersteller wie Pioneer zunehmend auf den Markt bringen, gestiegen. So entdecken auch Ökolandwirte den Nutzen von Mais, nicht nur als ertragreiche Nutzpflanze und ergänzendes Futtermittel, sondern als ressourcenschonenden CO2-Speicher. Denn im Hinblick auf seine CO2-Bilanz ist Mais unabhängig von der Art des Anbaus ein "Hidden Champion". Er kann große Mengen CO2 binden - pro Hektar rund 2,5 Mal so viel wie die gleiche Fläche Wald. Theoretisch kompensiert somit ein Maisfeld dieser Größenordnung den CO2-Ausstoß einer PKW-Fahrt über 60.000 Kilometer. "Ein Maisfeld hat ökologisch definitiv einen höheren Wert als ein Parkplatz", stellt Matthesius fest. "Der Mais ist besser als sein Ruf." 

Kontakt: Corteva Agriscience, Sanna Karolszyk | sanna.karolszyk@corteva.com | www.corteva.com


     
        
Cover des aktuellen Hefts

forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy

forum 01/2026

  • Zukunft bauen
  • Frieden kultivieren
  • Moor rockt!
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
04
FEB
2026
Solarenergie, Großspeicher und Netzausbau – aber keine Gaskraftwerke!
Im Rahmen unserer Serie "Klima-Strategien"
80336 München und online
10
FEB
2026
E-world energy & water
Der Branchentreffpunkt der europäischen Energiewirtschaft
45131 Essen
11
FEB
2026
BootCamp Impact Business Design
Professional Training zum Update Ihrer Transformationsskills
81371 München
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Gesundheit & Wellness

Krankheit und Gesundheit
Christoph Quarch empfiehlt die Stärkung der Resilienz als Weg zur Reduzierung der Krankenstände
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Krankheit und Gesundheit

Aufrüsten für den Frieden?

Tu Du's auf 17 Ziele.de

Rat für Nachhaltige Entwicklung neu berufen

Sperrmüll vs. Entrümpelungsfirma: Wann lohnt sich professionelle Hilfe?

Das große Aufwachen nach Davos

BAUExpo 2026 vom 20. bis 22. Februar in Gießen

Lichtblicke für die Landwirtschaft: Nachhaltige LED-Technologien im Einsatz

  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Engagement Global gGmbH
  • NOW Partners Foundation
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • TÜV SÜD Akademie
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • circulee GmbH
  • SUSTAYNR GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • WWF Deutschland
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • toom Baumarkt GmbH