82 Leistungen. Ein Vertrag. Ein Preis. Transformation as a Service - Planungssicherheit statt Projekte
Umwelt | Klima, 04.08.2019

Regenwälder als Klimaretter? Nur solange der Nährstoff-Vorrat reicht!

Die Grenzen des Regenwald-Wachstums

Wieviel Kohlenstoffdioxid können die tropischen Regenwälder aufnehmen? Untersuchungen eines internationalen Forscherteams mit maßgeblicher Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) deuten darauf hin, dass die Aufnahmekapazität durch den Phosphorgehalt des Bodens stark begrenzt ist.
 
 Katrin Fleischer, Forscherin an der TUM, und Sabrina Garcia vom Instituto Nacional de Pesquisas da Amazônia bei der Arbeit im brasilianischen Regenwald. © AmazonFACEBäume gelten als Retter in Zeiten des Klimawandels. Sie nehmen über ihre Blätter Kohlenstoffdioxid auf und verwandeln das Treibhausgas in Sauerstoff und Biomasse. Schätzungen des International Panel on Climate Chance (IPCC) zu Folge nehmen die Amazonas-Regenwälder ein Viertel des Kohlenstoffdioxids auf, das jährlich bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe freigesetzt wird. Die globalen Klimamodelle, gehen bisher davon aus, dass diese Aufnahmefähigkeit auch in der Zukunft erhalten bleibt.
 
„Dafür gibt es bisher jedoch keine Beweise", betont Dr. Katrin Fleischer. „Es ist durchaus möglich, dass die Aufnahmekapazität sogar sinkt." Die Ökologin von der Professur für Land-Surface-Atmosphere Interactions der Technischen Universität München hat zusammen mit Ökologen und Ökosystemmodellierern aus 10 Ländern untersucht, inwieweit das Nährstoffangebot im Amazonasgebiet die Produktion von Biomasse begrenzt.
 
14 Modelle im Vergleich
Dabei betrat das Team wissenschaftliches Neuland: Bisher habe niemand diesen Zusammenhang genau erforscht, sagt Fleischer: „Die meisten Ökosystem-Modelle, mit denen sich die künftige Entwicklung von Ökosystemen simulieren lässt, wurden für die gemäßigten Breiten entwickelt, wo es im allgemeinen ausreichend Phosphor gibt. In vielen Teilen des Amazonasgebiet ist dieser jedoch knapp – das Ökosystem ist viele Millionen Jahre alt, und der Boden entsprechend ausgelaugt."
 
Um herauszufinden, wie der Regenwald auf eine Zunahme der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre reagiert, wählten die Forscher 14 verschiedene Ökosystem-Modelle aus. Mit allen Modellen wurde dann die Biomassenproduktion für die nächsten 15 Jahre simuliert: zunächst einmal für die derzeitige Kohlendioxid-Konzentration von 400 ppm und in einem zweiten Szenario für eine erhöhte Konzentration von 600 ppm.
 
Bäume am Limit
Technische Illustration des AmazonFACE Experiments im brasilianischen Regenwald. © AmazonFACEDas Ergebnis: Zusätzliches Kohlendioxid kann von den Bäumen aufgenommen und in Biomasse umgewandelt werden – aber nur, wenn genügend Phosphor zur Verfügung steht. Wird dieses zu knapp, sinkt der CO2 -Düngeeffekt wieder ab. Die unterschiedlichen Modelle, die verschiedene Faktoren berücksichtigen, prognostizieren eine Absenkung der theoretisch möglichen, zusätzlichen CO2-Aufnahme im zweiten Szenario um gemittelt 50 Prozent – wobei einige sogar eine 100-prozentige Minderung der Aufnahme prognostizieren.
 
„Dies würde bedeuten, dass der Regenwald schon jetzt am Limit ist und keine weiteren, vom Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen mehr aufnehmen kann", erklärt Fleischer. „Wenn dieses Szenario sich als zutreffend erweist, würde sich das Klima der Erde deutlich schneller aufheizen als bisher angenommen."
 
Wie das Ökosystem im Detail reagiere, ob es den Bäumen gelinge, durch enzymatische Prozesse zusätzliches Phosphor aus dem Boden aufzunehmen oder mehr Wurzeln zu bilden, welche die knappen Nährstoffe binden und aufnehmen können, müsse noch genauer erforscht werden, resümiert die Ökologin: „Sicher ist, die tropischen Regenwälder sind keine unendlich belastbare CO2-Senke."
 
Weitere Informationen:
Die Ergebnisse der Studie fließen jetzt ein in das Projekt AmazonFACE. Bei diesem Freilandversuch im Amazonas-Regenwald werden Bäume mit CO2 „gedüngt", um die Reaktion der Pflanzen und des gesamten Ökosystems zu erforschen. Mit Hilfe der dort gesammelten Daten sollen in Zukunft dann auch die Ökosystem-Modelle verbessert werden. Die Forschung wurde u.a. gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie das August-Wilhelm Scheer Visiting Professor Programm der TUM.
 
Die Technische Universität München (TUM) ist mit rund 550 Professorinnen und Professoren, 41.000 Studierenden sowie 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine der forschungsstärksten Technischen Universitäten Europas. Ihre Schwerpunkte sind die Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin, verknüpft mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die TUM handelt als unternehmerische Universität, die Talente fördert und Mehrwert für die Gesellschaft schafft. Dabei profitiert sie von starken Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft. Weltweit ist sie mit dem Campus TUM Asia in Singapur sowie Verbindungsbüros in Brüssel, Kairo, Mumbai, Peking, San Francisco und São Paulo vertreten. An der TUM haben Nobelpreisträger und Erfinder wie Rudolf Diesel, Carl von Linde und Rudolf Mößbauer geforscht. 2006, 2012 und 2019 wurde sie als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. In internationalen Rankings gehört sie regelmäßig zu den besten Universitäten Deutschlands.
 
Kontakt:Katrin Fleischer, Technische Univerität München | katrin.fleischer@tum.dewww.tum.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Die Natur lebt vom Kreislauf – und wir?

forum 04/2026

  • Kreislaufwirtschaft
  • Biodiversität
  • Bildung
  • Wasserweisheiten
  • Altöl im Kreislauf
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
16
SEP
2026
Nachhaltigkeit wirksam verankern
How To, Good Practices & Learnings von Loacker
online
08
OKT
2026
forumESGready - Fortsetzung unserer beliebten Online-Events ab 8. Oktober
Transformation im Mittelstand: Aktuelle relevante Themen in drei Terminen
Online
23
NOV
2026
European Sustainability Week
Built on Trust. Driven by Insight. Focused on Impact. - Ticketrabatt für forum-Leser*innen
53639 Königswinter
Alle Veranstaltungen...
Transformation für den Mittelstand. In vier Wochen wissen, was zu tun ist.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Klima

Die italienischen Momente im Leben?
Christoph Quarchs Überlegungen zum Hitzesommer
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

LEEF wird fürs Nachhaltigkeitsmanagement ausgezeichnet

Konkrete Gefahren für Betriebe

Bereits über 70 Veranstaltungen für Munich Climate Week 2026 angekündigt

Bessere Verpackungen, weniger Müll

Regenwald-Konferenz erhält den "Making a Difference" Award 2026 des Jane Goodall Instituts Deutschland

Bundespreis Ecodesign: Ausstellung, 19.-22. September & Vernissage, 18. September 2026, Berlin

Anpacken. Jetzt erst recht!

Klimarisiken in Geschäftschancen verwandeln

B.A.U.M. Insights
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • Engagement Global gGmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • WWF Deutschland
  • NOW Partners Foundation
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • SUSTAYNR GmbH
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Zendure DE GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • ZamWirken e.V.
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • 66 seconds for the future