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Diskussion über das Vermächtnis von Karl Marx

Eine nachhaltige Warnung: Die Wertbildung im Kapitalismus zerstört die Natur

2018 hatten wir zum 200. Geburtsjahr des einflussreichen Denkers einen Kommentar von Alrun Vogt veröffentlicht, verbunden mit der Einladung zur kontroversen Diskussion. forum-Leser Werner Schmidt-Koska ist dem Aufruf gefolgt und hat uns seine Kritik an der - seiner Ansicht nach verkürzten - Darstellung von Marx' Gedanken geschickt.  


Die Werke von Marx sorgen auch nach 200 Jahren noch für Diskussionen. © Hermann, pixabay
Sehr geehrter Herr Lietsch,
 
die Autorin biegt eine enge Spirale, beginnend mit dem 100-Millionen-Vorwurf und endend mit einem Zitat von Marx. Gibt man dieses winzige Bruchstück in eine elektronische Suchmaschine ein, erscheint ein Marx-Aufsatz aus der Rheinischen Zeitung, am Beginn seiner politischen Tätigkeit. Darin spricht sich Marx für die Verkürzung des feudalistischen Gemetzels an Aufständischen aus - allerdings durch die letztmögliche Aktion Terrorismus. Die Autorin verdreht den Inhalt durch journalistische Verkürzung. Ist das „nachhaltig"?
 
Ebenso verdrehend reiht sich die Autorin in die lange bürgerliche Reihe derer ein, die Millionen Tote dem Marxismus anheften (FAZ,Welt, usw. sogar der NPD). Die Vorgehensweise ist ähnlich wie beim Terrorismus-Vorwurf: Sie fragt nicht ‚welche Tote werden … zugerechnet?‘. Im Detail müsste sie fragen: „Werden die Toten des Vietnamkrieges dazu gerechnet?" oder die Massenmorde des Generals Pinochet in Chile? Die Autorin hat sich weder auf die erste Quelle dieses Vorwurfs bezogen noch dessen Quellen untersucht. Eine nachhaltige Methode im Journalismus? Die Angriffszeile war wohl wichtiger.
 
Entscheidend in dem Artikel der Autorin ist ihr mehrfach geäußerter Vorwurf, Marx sei verwirrend und unklar, um dem ihre Klarheit der zerstörerischen Wirkung des Zinseszinses entgegen zu stellen. Da kann man fragen, was ist der Gebrauchswert dieses Ansatzes. Die auf Silvio Gesell zurück gehende Theorie stellt die Weiche auf das Geld. Geld ist allerdings in den alten Wirtschaftstheorien vor (!) Marx bereits eine ‚universelle Ware‘ mit der Spezialität leicht tauschbar zu sein. Die damit ermöglichte Zinseigenschaft folgt dann als ein weiterer Schritt. Marx verweist jedoch noch weiter zurück auf die Wurzel der Warenproduktion. Er möchte dabei als seinen einzigen eigenen Beitrag gelten lassen,  dass der Wert der Waren aus lebendiger Arbeit entsteht, die nicht ohne die Auseinandersetzung mit der Natur geschehen kann. Das ist eine nachhaltige Erkenntnis, an der die Autorin mit ihrer Zinseszins-Theorie vorbei lenkt. Damit hat ihr Artikel auch einen Tauschwert innerhalb der journalistischen Nachhaltigkeitsdebatte, ist also eine Ware. Dabei ist sie als Zeilenhonorar Empfangende Lohnarbeiterin und als solche getrennt vom zahlenden Kapital.
 
Empfehlen kann ich der Autorin, die wenigen Seiten des Aufsatzes von Elisabeth und Tor Inge Romøren „Marx und die Ökologie" und darin den Abschnitt 4 „Der ‚Eigenwert‘ der Natur und die Ökologie als Hebel zur Veränderung der Gesellschaft" – erschienen im Kursbuch 33 (1973, S. 175-186; zunächst erschienen in der norwegischen Zeitschrift „Kontrast" 36, 1972 ). Daraus möchte ich nur diesen bemerkenswerten Satz zitieren: „Auf die Natur oder die Erde in ihrem Verhältnis zur kapitalistischen Warenproduktion geht Marx dabei nur ein, um zu zeigen, wie Wertbildung im Kapitalismus sich über die Naturbedingungen für jeglichen Reichtum hinwegsetzt und sie dadurch zerstört." Verkürzt: Die Wertbildung im Kapitalismus zerstört die Natur. Eine nachhaltige Warnung. In Marx eigenen Worten: „Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter." (Quelle: Das Kapital I, MEW 23, S. 529F im Abschnitt IV, Kapitel 13 :"10. Große Industrie und Agrikultur").
 
Mit freundlichen Lesergrüßen
Werner Schmidt-Koska


     
        
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