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Flaschen gegen Dosen

Licht und Schatten bei der Getränkeverpackung

forum fragt Stephan Rösgen nach Pro und Contra von Flaschen gegenüber Dosen. Auch hier liegt die Lösung in der Schließung von Kreisläufen.

© Forum Getränkedose
Stephan Rösgen studierte Jura in Passau und Köln und erreichte ein MBA ­Degree der Universität Toronto. Er war am Aufbau der Duales System Deutschland GmbH beteiligt, baute das Europabüro des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungswirtschaft in ­Brüssel auf und ist seit März 2018 Geschäftsführer und Sprecher des Forum Getränkedose.
Grundsätzlich sind Getränkeverpackungen positiv zu sehen – aber nur dann, wenn die Kreisläufe auch funktionieren. Problematisch kann es werden, wenn beispielsweise Mehrwegflaschen zu selten wieder befüllt werden. Bei nur vier bis acht Befüllungen ist die Ökobilanz einer Mehrwegflasche nicht besonders gut. Dem gegenüber steht die Getränkedose aus Aluminium oder Stahl: Zwei Materialien für deren Herstellung zwar viel Energie gebraucht wird, die sich aber umso ökologischer zeigen, je öfter sie recycelt werden. Für die Getränkedose kommt es deshalb entscheidend darauf an, dass sie wieder in den Recyclingkreislauf zurückgebracht wird – eine Tatsache, die in Deutschland bereits ganz gut funktioniert.

Oft heißt es: Wenn Flasche, dann am besten regional trinken. Wieso?
Der Begriff Mehrwegflasche stammt aus einer Zeit, als es in Deutschland tatsächlich nur wenige Flaschentypen gab, die in Pool-Systemen von zahlreichen Abfüllern gemeinsam verwendet werden konnten. So füllte etwa der Mineralwasserproduzent aus Bayern sein Wasser in die Perlkranzflasche, die dann vom Konsumenten mit nach Frankfurt genommen wurde. Dort konnte sie von einem hessischen Abfüller gleichfalls genutzt werden. Diese Pool-Systematik hat natürlich eine hohe Rate an Befüllungen ermöglicht. Sehr viele Getränke werden mittlerweile aber in firmenspezifischen Flaschen, sogenannten Individualflaschen abgefüllt – und da ist eine Übernahme der von „A" gefüllten Flasche durch „B" nicht mehr möglich. Wenn also ein Bier aus dem Norden Deutschlands in einem Individualgebinde nach Bayern transportiert und dort konsumiert wird, dann kann eine bayrische Brauerei nicht einfach ihr Bier in diese Flasche abfüllen – sie muss in der Regel zunächst sortiert und im Anschluss zurück zum ursprünglichen Abfüller gebracht werden. Das erschwert die Kreislaufführung erheblich und hat insbesondere erheblich niedrigere Wiederbefüllungsraten zur Konsequenz, was sich entsprechend auf die Ökologie auswirkt.

Wo liegen die Probleme bei Aluminiumdosen?
Auch bei Aluminium geht es zwingend darum, die Kreisläufe weiter zu schließen. Im Gegensatz zu anderen Materialien ist die Industrie hier jedoch schon einen Schritt weiter. Da der Rohstoff nahezu unendlich oft recycelbar ist – wir sprechen auch von permanentem Material – finden wir bei Aluminium bereits heute eine in weiten Teilen gut funktionierende Kreislaufwirtschaft vor. Problematisch ist natürlich der Energieverbrauch bei der Herstellung von Primäraluminium. Hierbei muss man aber berücksichtigen, dass die verwendete Energie im Metall enthalten bleibt und sich im Recycling auszahlt, da man nur noch 5 Prozent der ursprünglichen Energie braucht, um Aluminium zu recyclieren.

Wo und wann ist Aluminium im Vorteil?
Es gibt heute für fast alle Materialien gute Recyclingtechnologien, die nur noch nicht im erforderlichen Maß genutzt werden. Für Metall wurden die dafür notwendigen Schritte bereits sehr früh umgesetzt. Bezogen auf Getränkeverpackungen aus Aluminium kann man also sagen, dass Innovationen und Investitionen in die Dose eine Vorreiterrolle eingebracht haben.

Aber gerade hier in Bayern: Wer trinkt schon gerne Bier aus der Dose?
Im Restaurant oder der Wirtschaft trinkt man Bier regelmäßig aus Metallbehältern, denn nur noch ganz selten steht dort ein Holzfass, aus dem gezapft wird. Der Vorbehalt gegen Metall als Behälter ist also gänzlich unbegründet.

Wo sehen Sie die Zukunft der Getränkeverpackung?
Alle im Markt etablierten Verpackungen haben ihre Daseinsberechti­gung und werden sie auch behalten, so lange – und das ist die Schlüsselfrage – der Verbraucher zugreift. Dieser Markt lebt schließlich von der Vielfalt. Die Getränkedose hat sicherlich den großen, unbestritte­nen Vorteil, aus Aluminium oder auch Stahl zu sein. Sie ist leicht und unzerbrechlich, einfach zu kühlen, handlich und nimmt nicht viel Platz weg. Das weiß der Endverbraucher zu schätzen und greift zu. Mit einer Quote von 99 Prozent aller Getränkedosen, die dem Wieder­verwertungsprozess zugeführt werden, erfüllt die Dose zudem bereits heute die Anforderungen der Verbraucher an Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit. Sie ist also als absolut zukunftsfähig einzuschätzen.

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/03 2018 - Wasser - Grundlage des Lebens | Bildung erschienen.



     
        
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