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Die Kraft des Mitgefühls

Modernes Leadership im Geist des Franz von Assisi

Ein Mann seines Wortes – Papst Franziskus. Der gleichnamige Dokumentarfilm von Wim Wenders portraitiert den charismatischen Führer der katholischen Kirche und zeigt die Führungskraft franziskanischer Werte. Nicht ohne Grund hat der Papst den heiligen Franziskus von Assisi als Namenspatron gewählt und damit Zeichen für Veränderungen im Vatikan und in der Welt gesetzt. Dies gilt auch für Wirtschaft und Politik … Wir gingen auf Spurensuche in einem aktuellen Buch mit Beiträgen von Fritz Lietsch und Claus Hipp.

Mitgefühl bedeutet nicht Mitleid, sondern Verbundenheit. Dies zählt in allen Lebenssituationen und ist Grundlage für nachhaltiges Leadership. © 2018 CTV, Célestes, Solares, Neue Road Movies, Decia, PTS ART’s FactoryNicht ohne Grund hat Papst Franziskus den Heiligen Franz von Assisi als seinen Namenspatron gewählt. Demut, Bescheidenheit sowie der Einsatz für die Armen und Schwachen sind seine Leitmotive.

Mitgefühl unterscheidet sich sehr stark von Mitleid und sollte nicht verwechselt werden mit diesem in unserem Sprachgebrauch so häufig verwendeten Begriff. Beim Mitgefühl geht es um die Fähigkeit, Zugang zu erlangen zu seinen Gefühlen, zu seinen Emotionen gegenüber der Mitwelt, aber vor allem auch zu sich selbst.

Nur wer in Verbindung zu sich und seiner Umgebung steht, kann mitfühlend handeln. Eine Fähigkeit, die gerade für Führungskräfte immer wichtiger wird und in der heutigen Zeit und vor allem in der westlichen Welt vielen Menschen abhanden gekommen ist.

So sehr in dem Hamsterrad verfangen, sich selbst und seine Wünsche zu realisieren, es dabei allen recht zu machen und möglichst schnell die Karriereleiter zu erklimmen, ist die Verbindung mit der Umwelt bzw. der Mitwelt in den Hintergrund getreten. Abgelenkt von einem Bombardement äußerer Einflüsse und bestürmt von einer inneren Gedankenflut ist kein Raum mehr für Aufmerksamkeit.

Dabei sind diese Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, auch leise Signale wahrzunehmen, von höchster Bedeutung. In Zeiten des disruptiven Wandels müssen gerade Führungskräfte intuitiv erfassen können, wo die eigenen Mitarbeiter stehen, was Kunden und Märkte brauchen und wie sich unsere Gesellschaft verändert. Sie müssen ein Gespür entwickeln für das, was wirklich zählt.

Wir Führungskräfte tragen Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft und so sollten und dürfen wir diese Gestaltung nicht mehr dem alten Paradigma der Egozentrierung und Profitmaximierung unterwerfen. Wir müssen uns der Folgen unseres Handelns gewahr werden – und dabei hilft Mitgefühl ganz entscheidend. Es öffnet uns die Augen und Ohren und alle Sinne für ein sinnvolles Handeln und ein bewusstes, freies Leben. Hier kann der heilige Franz von Assisi wertvolle Inspirationen liefern: für eine neue Führungskultur – aber auch für Wege in ein erfüllteres, genussvolles Leben.Immer mehr Führungskräfte hinterfragen den Wert ihres Handelns und kommen damit zur Einsicht, dass sich etwas an unserem Wirtschaftssystem ändern muss.
 
Die zunehmende Belastung der Umwelt, z.B. durch Plastikabfälle, schwindende Ressourcen, die wachsende Erdbevölkerung und Herausforderungen wie der Klimawandel rufen nach einer globalen Verhaltensänderung und damit nach Vorbildern und Führungskräften, die diesen globalen Wandel einleiten können. Wenn selbst der ehemalige Präsident der Bundesrepublik Horst Köhler eindringlich die „große Transformation" fordert und der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnt „es gibt keinen Planeten B", dann möchten wir mit diesem Buch dazu beitragen, dass Sie als Leser einen Plan B für Ihr Führungsverhalten und vielleicht auch für Ihr Leben finden. Nicht in der Radikalität, wie sie Franz von Assisi vorlebte, sondern in kleinen, aufmerksamen Schritten hin zu einem gefühlvolleren, mit Ihrer Umwelt und Ihrer Seele verbundenen Handeln.

Fritz Lietsch
 
Nicht ohne Grund hat Papst Franziskus den Heiligen Franz von Assisi als seinen Namenspatron gewählt. Demut, Bescheidenheit sowie der Einsatz für die Armen und Schwachen sind seine Leitmotive. © 2018 CTV, Célestes, Solares, Neue Road Movies, Decia, PTS ART’s Factory
 
Die wichtigsten Prinzipien unternehmerischen Handelns
Bei HiPP haben wir eine ganze Reihe organisatorischer Vorkehrungen getroffen, die moralische und professionelle Standards betreffen, wie Leitwerte, zertifizierte Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme und unter anderem auch einen Verhaltenskodex für Führungskräfte. Auf dieser Basis erwarten wir die Selbstverpflichtung eines jeden Mitarbeiters zu einer gemeinsamen Unternehmenskultur des fairen Miteinanders und auf eine Wert- und Sinnschöpfung für die Allgemeinheit.

Jeder Mensch – egal, ob Christ, Moslem, Jude oder Angehöriger einer anderen Religion – wird sein irdisches Handeln unter einem höheren Gesichtspunkt betrachten. Denn was bliebe, wenn wir nur an so genannte irdische Dinge glaubten? Möglichst glücklich auf Erden zu werden, möglichst mächtig oder möglichst reich? Oder ist der Ruhm, die „historische Unsterblichkeit", der Motor meines Strebens? Aber was geschieht dann, wenn sich mein Nachruhm als überaus vergänglich erweist? Wenn die Nachfolgenden meine Lebensleistungen gar negativ bewerten? War dann alles umsonst? Und was ist mit den Vielen, an deren Leben sich außer Kindern, Enkeln oder ein paar jüngeren Freunden niemand mehr erinnert?

Gerade wer hauptsächlich nach Macht, Geld oder materiellem Wohlstand als Selbstzweck strebt, wird viel nehmen und eher weniger geben. Und selbst wer als Politiker, Erfinder, Unternehmer oder Künstler seinen Absatz in den Geschichtsbüchern bekommt, läuft zumindest Gefahr, dass er sich sehr abhängig macht von dem Bild, das er von sich selbst gemalt sehen will. Statt zum Herrn seines Lebens macht er sich so zum Sklaven seines Nachruhms.
 
Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen.
Anton Bruckner, Komponist, 1824-1896

Der Gläubige kann ebenfalls erfolgreich sein. Er kann Werte schaffen für die Menschheit, die sein eigenes Ego und Wirken überdauern. Aber er wird nicht so abhängig sein von seinem Tun, weil es für ihn etwas Wichtigeres gibt, nämlich eine Instanz, die irdische Werte und Maßstäbe transzendiert und im Angesicht dessen das Geringste ebenso viel zählen kann wie das Größte.

Dadurch, dass ich mich als gläubiger Mensch anders orientiere, verlieren die irdischen Dinge nicht ihren Wert, aber sie rücken in die richtige Relation. Einfachheit schafft mehr Freiheit im Tun und Lassen. Mein Glaube ist nicht nur für die Sonnenseiten des Lebens zuständig. Gerade auch die dunklen Tage und die weniger guten Ereignisse des Daseins haben dort Platz. Mehr noch: Im Gegensatz zu rein innerweltlichen Glückserwartungen hat der Glaube überhaupt keine geringschätzige Meinung von Sorge, Angst, Not oder Scheitern. Der Gestrauchelte kann wieder aufstehen und selbst eine übel stehende Sache, lässt sich wieder zum Guten wenden. In jedem Fall wird sich ein wirklich Glaubender nie zum Richter machen, er begreift all die dunklen Momente vielmehr als integrale Bestandteile menschlicher Lebenserfahrung.

Macht und Autorität
Wim Wenders hat es auf wundervolle Weise verstanden, ein Filmportrait des Papstes zu realisieren, das unter die Haut geht. Die 'Sorge um das gemeinsame Haus' ist ein Weckruf an uns alle. © 2018 CTV, Célestes, Solares, Neue Road Movies, Decia, PTS ART’s Factory/ photograph by Francesco SforzaDie Lebenshaltung, die ich als gläubiger Mensch einnehme, ist durchaus von Demut geprägt. „Demut" komm" von „Dien-Mut", der Bereitschaft zum Dienen. So sehe ich mich in Bezug auf das Unternehmen auch im Wesentlichen als „Service-Station" für die Belegschaft.

Eine dienende Haltung fördert die Zusammenarbeit. Natürlich könnte ich als ein Eigentümer und Unternehmer meine Definitionsmacht beanspruchen. Schließlich „gehört" mir, beziehungsweise unserer Familie, „das Unternehmen". Aber was heißt das eigentlich? Wir setzen als Familienunternehmer privates Kapital ein, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Maschinen, Gebäude, Rohstoffe und vieles andere mehr zu einem wirkenden Organismus zu formen, eben zu einem Unternehmen. Auf Basis teils meiner Ideen, ganz überwiegend aber auf der Basis der Ideen vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bringt unser Unternehmen dann Produkte hervor, deren Nutzen sich auf dem Markt erweisen muss. Gelingt dies, haben wir Erfolg; misslingt es – womöglich gar dauerhaft – ist das Unternehmen gefährdet oder geht gar unter.

Zwar „gehören" dem Unternehmen im juristischen Sinne Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge und vieles andere mehr. Wir als Eigentümer des Unternehmens haben darüber insofern „Macht", als wir diese verkaufen, verschenken oder anderweitig einsetzen könnten. Aber ohne die Menschen, die diese Dinge produktiv nutzen und einsetzen, wäre alles im Grunde nur leblose Materie.

© 2018 Focus FeaturesDie Kraft der Bilder und die Kraft des Wortes:
Wim Wenders lässt uns am Leben des Papstes teilhaben und übermittelt uns damit seine Botschaften, die es an Klarheit nicht fehlen lassen.
Wie empfehlen die Vorführung des Films als Kick off für Change Management Prozesse. Mehr dazu hier.
Aus ganz ähnlichen Gründen schätze ich auch den Begriff der „abhängigen Beschäftigung" nicht. Denn entweder ist er Ausdruck einer Banalität: In einem Unternehmen sind letztlich alle von allen abhängig. Oder er sagt das Gegenteil von dem aus, was eine gute Mitarbeiterin oder einen guten Mitarbeiter ausmacht, dass er nämlich eigenständig mit anderen Menschen zusammenarbeitet, aus eigener Einsicht, mit Verantwortung und Empathie für sein Gegenüber handelt. Und dass er selbst in seinem Tätigwerden für andere Sinn sieht und folglich auch Freude an der Arbeit hat.

Hierfür muss ein Unternehmen die Rahmenbedingungen schaffen und ein klares Profil entwickeln, das jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter den Raum gibt, sich mit seinen ganz persönlichen, individuellen Talenten zu entfalten und trotzdem eine Orientierung durch allgemeinverbindliche Regeln zu bekommen. Ziele sind gemeinsam zu definieren und wir werden sie zusammen nur dann erfolgreich erreichen, wenn wir unsere Macht nicht auf materielle Abhängigkeit zu gründen versuchen. „Macht", wie ich sie verstehe, ist eigentlich nur ein anderer Begriff für „Autorität". Und die kann keiner sich selbst zusprechen. Autorität wird einem ausschließlich von anderen zuerkannt. Im Gegensatz zur Macht basiert diese auch auf Verantwortungsübernahme und Vertrauen, das einem entgegengebracht wird – zum Beispiel von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Claus Hipp


 
Leadership im Geist des Franz von Assisi
Die Kraft des Mitgefühls
Brigitte van Baren, Fritz Lietsch
 
Die Wirtschaft wandelt sich global und erfordert eine neue Form der Führung. Bisherige Führungsqualitäten, basierend auf Verstand und Machtausübung, sind unzureichend. Moderne Führungskräfte vertrauen deshalb verstärkt auf Qualitäten wie Selbsterkenntnis, Bescheidenheit und Mitgefühl, um Mitarbeiter bewegen und begeistern zu können. Die neue und immer wichtigere Herausforderung für heutige Führungskräfte: Ihr Engagement soll nicht mehr nur dem Unternehmen, sondern der gesamten Gemeinschaft dienen.

Hier können die alten Mystiker als inspirierende und innovative Vorbilder dienen. Einer von ihnen war der heilige Franz von Assisi. Aus dem Nichts erschuf er mit Liebe und Mitgefühl eine weltweite Organisation, die er mit extremer Einfachheit anführte. Er zeigte der Welt, wie viel Macht in „sanften Werten" versteckt ist, wenn man diese beispielhaft vorlebt. Mehr denn je können uns die „soft skills" des heiligen Franziskus heute inspirieren! Die Allgemeingültigkeit und Aktualität seines Führungsstils ist dem Zen-Buddhismus ähnlich und spiegelt sich in der Lebensführung moderner Vorbilder wie Dag Hammarskjöld oder Papst Franziskus wider.

Wer Achtsamkeit lebt, entscheidet sich unmittelbar für ein tolerantes und Service-orientiertes Verhalten. Diese Ansicht vertreten auch prominente Führungskräfte in ihren Beiträgen für dieses Buch: Ein ehemaliger Premierminister kommt dabei ebenso zu Wort wie ein Franziskanermönch, ein CEO und zwei erfolgreiche Unternehmer.

Wirtschaft | Führung & Personal, 01.09.2018
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/03 2018 - Wasser - Grundlage des Lebens | Bildung erschienen.
     
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