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Welternährungstag am 16. Oktober 2018

Öko-Landbau kann beides: Welternährung und Klima

Die Zahl der Hungernden steigt und im Kampf gegen den Klimawandel sind bislang nicht einmal die Ziele der Weltgemeinschaft ausreichend. Diese zwei Nachrichten der vergangenen Woche machen aus Sicht des Öko-Verbands Naturland den engen Zusammenhang zwischen Landwirtschaft, Ernährungssicherung und Klimawandel deutlich. „Wir müssen gegen beides zusammen vorgehen: den Hunger und den Klimawandel", fordert deshalb Naturland Präsident Hubert Heigl zum Tag der Welternährung am 16. Oktober.
 
Die Zahl der Hungernden steigt und im Kampf gegen den Klimawandel sind bislang nicht einmal die Ziele der Weltgemeinschaft ausreichend. © chow_parij, pixabay.com70 Prozent der weltweiten Ernte wird von Kleinbauern erwirtschaftet. Trotzdem leben drei von vier Hungernden weltweit auf dem Land. „Der Kampf gegen den Hunger muss vor Ort bei den Bauern und Bäuerinnen ansetzen. Sie müssen in der ökologischen Bewirtschaftung unterstützt werden, um die landwirtschaftliche Produktion nachhaltig zu steigern und die Ernährungssouveränität vor Ort sicher zu stellen," betont Heigl.
 
Der Öko-Landbau wirkt dabei in mehrfacher Hinsicht: Durch den Verzicht auf teure Kunstdünger und chemisch-synthetische Pestizide werden die Kleinbauern einerseits wirtschaftlich unabhängiger und sparen zugleich in erheblichem Maße CO2 ein, das sonst bei der Herstellung dieser Dünger und Pestizide freigesetzt würde. Außerdem erhalten und verbessern sie die Bodenfruchtbarkeit, wobei weiteres CO2 im Boden gebunden wird. Und nicht zuletzt bietet der Öko-Landbau in verschiedener Hinsicht eine bessere Anpassung an Klimaextreme.
 
Ökologische Intensivierung: Chance für Ernährungssicherung und Klimaanpassung
So können gesunde Böden Wasser besser speichern und sind zugleich besser gesichert gegen Erosion. Zudem setzt der Öko-Landbau auf standortgerechte Anbausysteme mit einer Vielfalt an lokalen Sorten, die an Klima und Umwelt angepasst sind und Kleinbauern gute Erträge sichern. Traditionelle Anbaumethoden können dabei in vielen Fällen durch neueste Forschungserkenntnisse optimiert und lokale Sorten weitergezüchtet werden, um Nutzpflanzen an klimatische Veränderungen anzupassen.
 
Ein Beispiel ist etwa der Anbau in so genannten Agroforstsystemen, den Naturland Bauern bei tropischen Dauerkulturen wie Kaffee oder Kakao praktizieren. Der Kaffee wird dabei unter Schattenbäumen und gemeinsam mit verschiedenen weiteren Nutzpflanzen wie Bananen, Avocados oder Mangos angebaut. Dieses Anbausystem ist deutlich widerstandsfähiger gegenüber Klimaveränderungen und verschafft den Kleinbauern zugleich mehr wirtschaftliche Sicherheit durch zusätzliche Einkommensquellen.
 
Öko-Landbau kann die Welt ernähren, aber Konsummuster müssen auch verändert werden
Auch wenn immer mehr Studien das Potenzial des Öko-Landbaus zur Sicherung der Welternährung belegen, kann die Art und Weise wie wir Lebensmittel produzieren nur ein erster Schritt sein. Bei einer vollständigen Umstellung auf Öko müssten die Menschen auch ihren Fleischkonsum auf ein gesundes Maß senken, weniger Lebensmittel vergeuden und den Kraftfuttereinsatz in der Tierhaltung reduzieren. Sprich die weltweite Umstellung auf ökologischen Landbau muss auch mit einer Veränderung der Konsummuster einhergehen. Der Wettbewerb zwischen Trog und Teller fördert die ungerechte Verteilung von Nahrungsmitteln und verschärft so den Welthunger.
 
Hintergrund
Der am 11.10.2018 veröffentlichte Welthungerindex 2018 zeigt auf, dass erstmals seit zehn Jahren die Zahl der Hungernden auf der Welt wieder gestiegen ist. Kriege und Klimawandel drohen die Fortschritte der letzten Jahrzehnte zunichte zu machen. Der Index wird von Concern Worldwide und der Welthungerhilfe gemeinsam herausgegeben. 
 
Zwei Monate vor der Klimakonferenz in Katowitz (Polen) warnt der Weltklimarat IPCC in einem Bericht, dass das bislang angestrebte Ziel, die Erderwärmung auf maximal 2 Grad zu begrenzen, nicht ausreichend ist. Um die Risiken des Klimawandels zumindest einigermaßen zu kontrollieren, müsse dagegen eine Begrenzung auf 1,5 Grad erreicht werden. 
 
Über Naturland
Naturland ist einer der größten Ökoverbände weltweit, mit Mitgliedsbetrieben in 52 Ländern der Erde. Ein großer Teil der 54.000 Bäuerinnen und Bauern ist in über 100 Kleinbauern-Kooperativen und Erzeugergemeinschaften organisiert, vornehmlich in Lateinamerika, Afrika und Asien. Naturland verbindet in seinen Richtlinien konsequent ökologischen Anbau und soziale Verantwortung. Dazu kommt die Zusatzzertifizierung Naturland Fair, die Öko-Landbau und Fairen Handel in einem Zeichen vereint.
 
Kontakt: Steffen Reese, Naturland - Verband für ökologischen Landbau e.V.


     
        
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