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Mikrokredite für den Aufbau Ost!

Eine moderne Version des Marshallplans?

Der Europäische Fonds für Südosteuropa (EFSE) wurde von der KfW Entwicklungsbank konzipiert und strukturiert und im Dezember 2005 als Luxemburger Investmentfonds aufgelegt. Der Fonds dient in erster Linie der Förderung der Mikrofinanzierung in der Balkanregion. Der Fonds wird von einem Konsortium, bestehend aus Oppenheim Pramerica Luxembourg und der Frankfurt School of Finance and Management, verwaltet und beraten. Aktuell sind 470 Millionen Euro von verschiedenen Investoren zugesagt, davon sind 320 Millionen bereits investiert. Diese Mittel befinden sich in den Händen von rund 62.500 Kreditnehmern mit einer durchschnittlichen Kredithöhe von 4.500 Euro. Der EFSE zählt damit zu den weltgrößten Mikrofinanzfonds.





Kleinst- und Handwerksbetriebe erhalten eine Anschubfinanzierung dank Mikrokrediten








Wesentliches Merkmal des Fonds ist die intelligente Kapitalstruktur mit unterschiedlichen Risikoklassen. Diese Struktur führt öffentliche Geber, internationale Finanzinstitutionen und private Investoren in einer "Public Private Partnership" zusammen. Insbesondere ermöglicht diese Struktur privaten Investoren, deren Anteil im Fonds kontinuierlich zunimmt, in entwicklungspolitisch relevante Bereiche und hochriskante Märkte wie die Moldau oder den Kosovo zu investieren.

Die Kreditvergabe erfolgt vor Ort

Der Fonds arbeitet nach dem Hausbankenprinzip, das heißt die Finanzierung der Kleinstunternehmen erfolgt nicht direkt, sondern über qualifizierte lokale Banken und Mikrofinanzinstitutionen in Südosteuropa, die vom Fondsmanagement sorgfältig geprüft und ausgewählt werden.
Er stellt den Partnerinstitutionen vor allem mittel- und langfristige Darlehen zur Verfügung, bietet aber auch Garantien und Eigenkapitalbeteiligungen.
Die eher lokal bzw. regional operierenden Partnerinstitutionen verfügen in der Regel nicht über ein externes Rating einer international anerkannten Rating-Agentur.

Da jedoch für eine seriöse Einschätzung des Kreditrisikos der getätigten Investitionen eine regelmäßige Risikoprüfung unabdingbar ist, hat der Fonds einen eigenen internen Rating-Ansatz entwickelt. Dessen Struktur basiert im Wesentlichen auf den Methoden renommierter Rating-Agenturen, berücksichtigt jedoch die spezifischen Gegebenheiten der lokalen Banken und Mikrofinanzinstitutionen.

Intelligentes "Credit-Rating" verkleinert Risiken

Der interne Rating-Ansatz des Fonds beinhaltet sowohl eine qualitative als auch eine quantitative Einschätzung des Kreditrisikos. Qualitative Faktoren umfassen im Wesentlichen die Bereiche der Managementqualität, der Eigentümerstruktur und der Unternehmenspolitik. Bereiche also, die sich weniger in Zahlen widerspiegeln lassen, dafür jedoch unmittelbar von den Charakterzügen und der gelebten Risikokultur der dahinter stehenden Menschen geprägt sind. Demgegenüber basiert die quantitative Bewertung auf verschiedenen Finanzkennzahlen und Indikatoren zur Kapitalausstattung, Portfolioqualität, Effizienz und Produktivität, sowie Liquidität. Ein Rating der Partnerinstitutionen erfolgt in vierteljährlichem Turnus. Hierbei spielen die lokalen Büros und die Mitarbeiter vor Ort eine wichtige Rolle. Sie haben Augen und Ohren am Markt, sind sozusagen Insider, und stellen damit einen zeitnahen Informationsfluss sicher.

Ziel des Fonds: Entwicklung lokaler Kreditmärkte

Der Fonds spielt dort eine Rolle, wo lokale Kreditmärkte bisher versagen oder nur unzureichend funktionieren. Dies ist beispielsweise der Fall im Bereich langfristiger Kreditvergaben. Lokale Kreditinstitutionen verfügen in der Regel nicht über die Mittel, um langfristige Kredite an Unternehmen für Anlageinvestitionen oder an Privathaushalte für den Wohnungsbau zu vergeben. Diese Lücke füllt der Fonds, indem er mittel- bis langfristige Refinanzierung bereitstellt. Des Weiteren trägt der Fonds durch den Einsatz geeigneter Finanzierungsinstrumente zur Entwicklung lokaler Kreditmärkte bei. "Unser Engagement in Albanien bietet hierzu ein gutes Beispiel", erläutert der Chief Investment Officer Dr. Maurer, "durch Vermittlung des Fonds und mit einer Teilgarantie wurde eine Kreditlinie von der größten lokalen Geschäftsbank an eine kleine Mikrofinanzinstitution ermöglicht".


Der "European Fund for Southeast Europe" (EFSE) verwaltet derzeit ein Kreditvolumen von 320 Millionen Euro an Finanzunternehmen in Südosteuropa. Der EFSE hat bereits Mittel von 470 Millionen Euro eingesammelt und ist damit der größte Mikrokreditfond der Welt. Das Kreditvolumen soll bis 2009 auf 500 Millionen Euro aufgestockt werden.

Als "Public Private Partnership" kombiniert der EFSE öffentliche Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), der Europäischen Union, der österreichischen und der schweizerischen Regierung und von internationalen Finanzinstituten wie der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), der IFC, der niederländischen Entwicklungsbank FMO und der KfW.

Des Weiteren ist der EFSE bestrebt, Privatkapital institutioneller Investoren zu akquirieren. Bereits eineinhalb Jahre nach Gründung des Fonds kann der EFSE Kapitalzusagen von über 160 Millionen Euro von privaten Investoren vorweisen. Private Mittel stellen somit das notwendige Kapital zum Wachstum des Fonds fast vollständig zur Verfügung.


Der Fonds unterstützt die Partnerinstitutionen außerdem durch Beratungsmaßnahmen sowie durch Aus- und Fortbildung von Mitarbeitern. Finanziert werden diese Maßnahmen aus der Development Facility des Fonds, die zu einem wesentlichen Teil aus den erwirtschafteten Überschüssen des Fonds gespeist wird. Dass ein Teil dieser Überschüsse letztlich den lokalen Partnerinstitutionen zugute kommt, liegt im Entwicklungsauftrag des Fonds.

Für Rückfragen stehen Dr. Klaus Maurer, Chief Investment Officer, EFSE und Monika Beck Member of EFSE's Board of Directors zur Verfügung.

Kontakt:
maurer@efse.bankakademie.org

Quelle: Redaktion Nachhaltig Wirtschaften
Lifestyle | Geld & Investment, 22.10.2007
     
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