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Arbeitsplatz mitten in der Idylle

„Green Economy“ als Nachbar zum Naturschutzgebiet

Die Natur als prägendes Element: In Bremerhavens Süden entsteht eines der ersten Industrie- und Gewerbegebiete Deutschlands, das nach strengen Nachhaltigkeitskriterien geplant wird. Direkt neben dem größten Naturschutzgebiet des Landes Bremen soll es auf der Luneplate zum Standort für Unternehmen der „Green Economy" entwickelt werden.
 
„Green Economy" als Nachbar zum Naturschutzgebiet
Das 'LuneDelta' soll in den kommenden Jahren zur Heimat für Unternehmen der 'Green Economy' werden. Annette Schimmel leitet das Projekt. © WFB/Focke StrangmannIm Deichvorland des Weserufers wiegt sich das Röhricht im Wind, seltene Säbelschnäbler staken durch das Weserwatt. Hinter dem Deich kreist ein Seeadler über der stillen, ungestörten Marschenlandschaft. Fischotter gehen in den Teichen und alten Flussläufen auf die Jagd; Wasserbüffel grasen auf den Wiesen. Um diese Idylle zu genießen, muss man nicht Naturfreund oder Ornithologe sein. Bald kann man sie auch vom Arbeitsplatz aus bewundern. Direkt an der Grenze zum größten Naturschutzgebiet des Landes Bremen plant die Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS Bremerhaven ein nachhaltiges Gewerbe- und Industriegebiet. Doch es soll kein krasser Schnitt zwischen Natur auf der einen und Industrie auf der anderen Seite entstehen: „Die Gestaltung des Geländes orientiert sich an dem benachbarten Naturschutzgebiet, außerdem werden für das Areal strenge Nachhaltigkeitskriterien gelten", betont Projektleiterin Annette Schimmel. Das „LuneDelta" soll in den kommenden Jahren zur Heimat für Unternehmen der „Green Economy" werden.
 
Extremsommer schärft Bewusstsein für die Umwelt
Umwelt- und klimaschonende Technologien, sorgsamer Umgang mit Ressourcen, verantwortungsbewusst erstellte Waren und Dienstleistungen – nachhaltiges Wirtschaften hat in jüngster Zeit deutlich an Bedeutung gewonnen. „Insbesondere die zunehmenden Wetterextreme in den letzten Jahrzehnten haben das Umweltbewusstsein und das Verständnis für Zusammenhänge bei vielen Menschen deutlich verstärkt", ist Annette Schimmel überzeugt. Ob die aktuell lang anhaltenden hohen Temperaturen und der Mangel an Niederschlägen tatsächlich auf einen Klimawandel zurückzuführen ist, blieb dabei unerheblich: „Viele haben erkannt, welche Extreme möglich sind und dass man entgegensteuern muss", sagt die Projektleiterin.
 
Die eigene Arbeit nachhaltig überprüft und verbessert
Das Interesse an Unternehmen der Green Economy ist bei den städtischen Wirtschaftsförderern allerdings nicht erst in diesem Sommer gewachsen. Seit gut zehn Jahren haben sie das Oberzentrum an der Wesermündung zu einem führenden Standort der Erneuerbaren Energien entwickelt und setzen – den politischen Zweifeln in Berlin zum Trotz – weiter auf die Windkraftindustrie als wichtige Branche für das Gelingen der Energiewende. Parallel zu solch großen Themen interessieren sich die Wirtschaftsförderer auch im Kleinen für grüne Technologien: „Bereits vor mehreren Jahren hat die BIS damit begonnen, ihre internen Abläufe und die verwendeten Materialien nach Nachhaltigkeitskriterien zu prüfen und zu verändern", weiß Annette Schimmel.
 
„Grünes Wirtschaften" wichtiges Thema in regionalen Unternehmen
Die internen Ergebnisse offenbarten ein ökonomisches Potenzial, das sich auch in offiziellen Prognosen widerspiegelt. Nach Schätzungen des Bundesumweltministeriums wird sich der Umsatz deutscher Green Tech-Firmen bis 2025 von 344 Milliarden Euro (2013) auf 740 Milliarden Euro verdoppeln. Schon lange gibt es eine ganze Reihe von Firmen in Bremerhaven, die das ökonomische und ökologische Potenzial des Themas Nachhaltigkeit für sich erkannt haben. Darunter sind insbesondere Mittelständler wie die regionale Holzhandlung Ehlers, die ihre eigenen Erfahrungen beim Energiesparen mit einem Lehrpfad auf dem Firmengelände an Kunden und Geschäftspartner weitergibt. Es zählen aber auch Großunternehmen wie der Tiefkühlkostproduzent Frosta dazu, der nicht zuletzt durch seine Nachhaltigkeitsstrategien zum Marktführer avancierte. Und auch gehobene Hotelbetriebe wie das Atlantic Hotel Sail City in den Havenwelten haben den Umwelt- und Ressourcenschutz in ihren Fokus gerückt. „Da ist es naheliegend, dem Thema ‚Green Economy‘ auch ein eigenes Gewerbegebiet zu widmen", ist die Projektleiterin überzeugt.
 
Natürliche Landschaft Vorbild für Gewerbegebiet
Direkt an der Grenze zum größten Naturschutzgebiet des Landes Bremen plant die Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS Bremerhaven ein nachhaltiges Gewerbe- und Industriegebiet. © WFB/Focke StrangmannAn der südlichen Stadtgrenze haben die Bremerhavener Wirtschaftsförderer ideale Voraussetzungen für das ambitionierte Projekt. Dort verfügt die städtische Gesellschaft BEAN (Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter Neuer Hafen) über ein rund 150 Hektar großes Areal, das schon seit mehreren Jahren für Gewerbeansiedlungen vorgehalten wird. Es grenzt im Westen an das rund 1.500 Hektar große Naturschutzgebiet der Luneplate, das über mehrere Jahre hinweg aus ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen als Ausgleichsfläche für den Hafenbau und andere Projekte in Bremerhaven naturnah entwickelt wurde und steht seit dem vergangenen Jahr unter Naturschutz. Der Charakter des Landschaftsbildes des Naturschutzgebietes wird auch im Gewerbegebiet „LuneDelta" aufgenommen. „Es geht uns aber nicht nur um eine gestalterische Angleichung", betont Annette Schimmel, „entscheidend sind die Nachhaltigkeitskriterien, die das Geschehen in dem Gewerbegebiet bestimmen." Die Wirtschaftsförderer wollen sich hierfür an dem Standard der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) orientieren, der ein Nutzungsprofil zur Planung und Zertifizierung nachhaltiger Quartiere vorsieht.
 
Kläranlage als Energiequelle
Grundlage für die Zertifizierung bildet das städtebauliche Konzept „LuneDelta", das im Rahmen eines Werkstattverfahrens mit erfahrenen Planern wie dem Büro CityFörster, das in Hamburg, Berlin, Hannover, Rotterdam und Oslo ansässig ist, erarbeitet wurde. Neben der naturnahen Gestaltung der Flächen gehört eine behutsame und bedarfsgerechte Entwicklung des Gebietes genauso zu diesem Konzept wie eine klimaschonende Energieversorgung gemeinschaftlich nutzbare Einrichtungen und ein Gebietsmanagement. Innovative Ideen und Verfahren stehen im Vordergrund – beispielsweise könnte das Abwasser der benachbarten zentralen Kläranlage Bremerhavens über Wärmepumpen als Energiequelle genutzt werden. Ebenfalls sollen die Gebäude, die auf dem Areal errichtet werden, den Nachhaltigkeitskriterien genügen: „Anwendung könnte beispielsweise das cradle-to-cradle Prinzip finden, nach dem Ressourcen nach ihrer Nutzungsdauer wieder einem technischen oder einem organischen Kreislauf zugeführt werden", erläutert Annette Schimmel beispielhaft einen Baustein für Nachhaltigkeit.
 
CarSharing und Kindertagesstätten
In den Plänen für das „LuneDelta" stecken viele nachhaltige und kreislauforientierte Visionen, die jetzt erstmals in einem komplexen Gesamtprojekt Wirklichkeit werden könnten. CarSharing an Stelle teurer Firmenfuhrparks, gemeinsame Werkstätten, soziale Einrichtungen wie Kindertagesstätten und unmittelbare Naherholungs- und Freizeitangebote für die in dem Gebiet arbeitenden Menschen und die benachbarten Stadtteile gehören dazu. Annette Schimmel setzt darauf, dass sich mit diesem Angebot und der international renommierten Wissenschaftslandschaft in Bremerhaven auch Hightech-Firmen mit hochqualifizierten Beschäftigten für das „LuneDelta" gewinnen lassen: „Wir schaffen ein hoch attraktives Arbeitsumfeld, das es weder in klassischen Gewerbegebieten noch in den angeblich so beliebten Metropolen gibt." An Interessenten werde es nicht mangeln, ist die Projektleiterin überzeugt: „Die Nachfrage nach grünen Technologien und Produkten und damit einhergehend einer ressourcenschonenden Produktionsweise wächst rasant."
 
Kontakt:
Uwe Kiupel, BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH

Umwelt | Naturschutz, 27.08.2018

     
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