Klimaschutz durch Fruchtfolgen
Neue Ökobilanz-Methode verbessert den Kohlendioxid-Fußabdruck landwirtschaftlicher Produkte
Wenn Raps, Gerste und andere Nutzpflanzen sich auf dem Feld im Laufe der Vegetationsperiode abwechseln, ist das gut für die Böden. Seit Jahrhunderten nutzen Landwirte die sogenannte „Fruchtfolge", um die Fruchtbarkeit zu erhalten. Doch auch die Klimabilanz von Brot, Milch und Biokraftstoffen wird davon beeinflusst. Wissenschaftler der TU Berlin haben Methoden der Ökobilanz weiterentwickelt. Diese ermöglichen es der Landwirtschaft nun erstmals, die CO2-Bilanzen verschiedener Fruchtfolgen zu vergleichen und damit ihre Bewirtschaftungsweise klimatauglich zu optimieren.
Untersucht und bewertet wurden sowohl die Fruchtfolgen als auch die Ernterückstände wie Stroh. „Erstmals können wir nun produktbezogene CO2-Fußabdrücke landwirtschaftlicher Erzeugnisse berechnen, die in Fruchtfolgesystemen angebaut wurden", erklärt Dr. Gerhard Brankatschk, der sich in seiner Dissertation am Institut für Technischen Umweltschutz der TU Berlin, Fachgebiet Sustainable Engineering von Prof. Dr. Matthias Finkbeiner mit neuen Methoden für die Ökobilanz von Agrarprodukten beschäftigt hat. Er weist darauf hin, dass das Berechnungsverfahren auch mit den internationalen Normen für Ökobilanzierung (ISO 14040/14044) harmoniert.
In einer mehrjährigen Studie wurden die Klimabilanzen verschiedener Produkte unter Einbezug der Fruchtfolge beziehungsweise des Nebenprodukts Stroh neu berechnet und mit bisherigen Ergebnissen verglichen. Betrachtet wurden Brot aus Weizen, Milch von Kühen und Biodiesel aus Raps sowie Bioethanol aus Stroh. Ein Anbau in Fruchtfolgen, so stellte sich heraus, verbessert die CO2-Bilanzen von Brot, Milch und Biodiesel um elf Prozent, 22 Prozent beziehungsweise 16 Prozent. Das Nebenprodukt Stroh, relevant für Nutztierhaltung und Bodenfruchtbarkeit, verschlechtere aber, so Brankatschk, die CO2-Bilanz von strohbasierten Biokraftstoffen um 80 Prozent.
Aussagekräftiges Instrument zur Nachhaltigkeitsbewertung
„Wir empfehlen daher Anpassungen der bisherigen Bilanzierungspraxis und einzelner gesetzlicher Vorgaben", erklärt der Wissenschaftler, „darunter die der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der Europäischen Union, die derzeit überarbeitet wird." Im Dezember 2017 wurde die Studie in der renommierten Zeitschrift „Agronomy for Sustainable Development" veröffentlicht. „Mit dem international anerkannten Instrument ,Ökobilanzen‘ steht nun nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch der Politik und der Wirtschaft ein aussagekräftiges und attraktives Instrument zur lebenszyklusbasierten Nachhaltigkeitsbewertung zur Verfügung", so Professor Matthias Finkbeiner, „zum Beispiel auch zur Bewertung der Umweltwirkungen agrartechnischer Optionen wie der Aufnahme von Stickstoff-fixierenden Leguminosen in die Fruchtfolge." Gerhard Brankatschk ergänzt einen weiteren Vorteil: „Unsere Berechnungen berücksichtigen auch die Nährwerte für Nutztiere und beziehen so die beiden anspruchsvollen UN-Nachhaltigkeitsziele Ernährungssicherung und Bekämpfung des Klimawandels mit ein." Der vollständige Artikel in „Agronomy for Sustainable Development".
Kontakt:
Dr. Gerhard Brankatschk, TU Berlin, Institut für Technischen Umweltschutz, Sustainable Engineering
Gerhard.Brankatschk@tu-berlin.de
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