Die Mutter der Regionalbewegung
Mit Herz und Verstand für die Heimat
Die Regionalbewegung hat in Deutschland Konjunktur. Regionalität hat Bio als Trend längst überholt – laut einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney fragen Verbraucher mittlerweile immer stärker regionale Lebensmittel nach. Maßgeblich daran beteiligt ist Elsbeth Mickasch, die schon vor beinahe 25 Jahren in Bayern den Grundstein für den heutigen Boom der regional erzeugten Lebensmittel legte.
Das Modell macht schnell Schule und bis zum Jahr 2000 folgen weitere sieben Solidargemeinschaften in Bayern. Sie alle schließen sich im gleichen Jahr zum Dachverein Unser Land e.V. zusammen, parallel entsteht eine GmbH. Fortan arbeiten die Solidargemeinschaften nach einem dualen System: Unser Land e.V. erfüllt weiterhin vor allem eine Bildungsaufgabe und sorgt für eine Förderung des Bewusstseins für Umwelt und Region. So erfahren bei Aktionen wie „Schule beim Milchbauern" schon die Jüngsten die Zusammenhänge zwischen regionalem Konsum und dem Lebensumfeld der Produzenten. Bei allem sozialen und ökologischen Engagement steht immer auch die Vermarktung der regionalen Produkte im Vordergrund.|
Der Königsweg: Bio – regional – fair!
Elisabeth Mickasch war Mitbegründerin und bis zum Jahr 2010 Vorsitzende des Dachvereins Unser Land e.V. Für forum erinnert sie sich an die Wurzeln der Regionalbewegung zurück.Was waren für Sie die Anfänge der Regionalbewegung?
Für mich waren die Anfänge in den Jahren 1989-1993, als ich in meiner ehrenamtlichen Aufgabe als Katholische Bildungsbeauftragte unserer Pfarrei Adelshofen eine intensive Bildungsreihe mit den Verantwortlichen aus Politik, Landwirtschaft, Handwerk, Kirche, Verbraucher sowie Umwelt/Naturschutz und natürlich Bürgerinnen und Bürgern zum Thema „Verantwortung für die Schöpfung" durchführte und dabei feststellte, wie weit wir uns alle schon im Globalisierungstrend befanden und Regionales so gut wie keinen Stellenwert mehr besaß.
Was unterscheidet Regional von Bio?
Regional unterscheidet sich nicht von Bio, weil es regionale Lebensmittel sowohl aus dem herkömmlichen Anbau, dem integrierten sowie dem Bio-Landbau gibt. Der Königsweg ist für mich Bio, regional und fair.
Woher kommt die neue Liebe zur Region?
Der Heimatbezug wurde im Zuge der steigenden Akzeptanz regionaler Lebensmittel für viele Verbraucherinnen und Verbraucher in der Zeit ab 1995 bis heute immer wichtiger. Wie der Bundesverband für Regionalbewegung treffend formuliert: Wurzeln in einer globalisierten Welt. Während der Slogan „Weil wir wissen, wo’s herkommt", bei Unser Land nahezu 20 Jahre lang verwendet wurde, wurde dieser ab 2017 insbesondere von unserer jungen Generation abgelöst durch „Weil uns Heimat verbindet".
Hätten Sie bei der Gründung von Brucker Land jemals gedacht einmal so erfolgreich zu werden?
Bei der Gründung von Brucker Land hatten wir im Entwicklungsteam bereits ein Haus mit vielen Zimmern geplant. Das 1. Zimmer wurde mit Brucker Land sehr gut eingerichtet. Die anderen Zimmer waren von Anfang an bereits für weitere angrenzende Landkreise und die Landeshauptstadt München vorgesehen. Es wurden aber auch Zimmer für die Wiedereinrichtung regionaler Infrastrukturen reserviert sowie insbesondere für Maßnahmen zur Energiewende. Es freut mich natürlich, dass dies gelungen ist und daraus das Netzwerk Unser Land entstanden ist.
Was können Sie unseren Lesern raten, um Regionalität zu unterstützen und zu leben?
Sie sollen sich mit hochwertigen Lebensmitteln aus der Region etwas Gutes tun, sich über deren Hintergründe informieren, durch den bewussten Einkauf täglich ein kleines Stück Verantwortung für die Erhaltung der Lebensgrundlagen in ihrer Heimat übernehmen und dabei ein gutes Gewissen haben nach dem Slogan „Mit gutem Gefühl genießen". |
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2017 - Tierische Geschäfte erschienen.
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