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Nachhaltig und klimaneutral versichert?

forum-Interview mit Andreas Eurich und Joachim Risse

Die Barmenia Versicherungen machen mit ihrem Nachhaltigkeitsengagement in der Versicherungsbranche aufmerksam. forum wollte es etwas genauer wissen und fragte nach: Was hat eine Versicherung mit Nachhaltigkeit zu tun?

2008 hat die Barmenia beim ersten Deutschen Nachhaltigkeitspreis einen Sonderpreis gewonnen. War schon damals alles bei Ihnen perfekt?
Der Vorstandsvorsitzen­de Andreas Eurich und Vorstandsmitglied sowie Leiter des Umwelt­managementteams Martin Risse geben im forum-Interview einen Einblick in das Klima- und Umweltengagement der Barmenia Versicherung. // Foto: © Kristina MalisMartin Risse (MR): Der Preis hat gezeigt, dass wir vieles richtig gemacht haben, aber keines­falls perfekt. Da der Wettbewerb damals zum ersten Mal stattfand, haben wir uns erst einmal erklären lassen, worum es im Detail geht. Der Preis hat die Säulen Ökonomie, Soziales und Ökologie vernetzt miteinander gesehen. Meines Wissens war diese Ausrichtung damals absolut neu.

Sie erhielten den Sonderpreis für den nachhaltigsten Vertrieb.
Andreas Eurich (AE): Dieser Preis beinhaltete auch die Qualitätsberatung durch unseren Vertrieb. Hinzu kamen die vielen ökologischen Aspekte, die damals beim Bau der neuen Hauptverwaltungen berücksichtigt wurden und auch unser gesellschaftliches Engagement inklusive der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für unsere Mitarbeiter. Aber auch die nachhaltige Ausrichtung unserer Produkte, wie eine Krankenvollversicherung, deren Alterungsrückstellungen vollständig ökologisch investiert wurden, haben gepunktet.

Die neuen Hauptverwaltungen wurden 2010 eröffnet. Damit konnten Sie sich, ökologisch gesehen, zurücklehnen?
MR: Im Grunde genommen fing damit einiges an. Das Umweltmanagement wurde vorher quasi im Verborgenen geführt. Mit den neuen Hauptverwaltungen haben wir unseren Blick neu fokussiert. Deshalb wurde im Vorstand Ende 2010 beschlossen, dass wir bereits im Jahr 2016 klimaneutral wirtschaften wollen.

Was war die erste Maßnahme, die Sie nach dem Beschluss durchgeführt haben?
MR: Wir haben das Barmenia-Umweltmanage­mentteam gegründet. Das neunköpfige Team setzt sich aus Vertretern der Bereiche zusammen, die CO2 verhindern oder bei der Kompensation unterstützen können. Ich habe die Leitung des Teams übernommen.

Wie sah die Arbeit des Umweltmanagementteams aus?
MR: Wir mussten unsere Emissionen ermitteln. Wir hatten zwar Verbrauchswerte, aber bislang noch keine CO2-Bilanz erstellt. Unser Wissen haben wir angereichert durch den Zertifizierungsprozess Ökoprofit, in dem die Berater von B.A.U.M. Consult Hamm halfen, unser Umwelt- und Energiemanagement zu verbessern. Wichtig war dabei, zu erkennen, dass Verbesserungen der Umweltbilanz gleichzeitig auch wirtschaftlich sinnvoll waren.

Bei Ihrem Neubau konnten Sie ja zeigen, wie ernst es Ihnen ist …
MR: Wir haben Anfang 2001 mit den Planungen des Neubaus begonnen. Damals wurden schon viele neue ökologische Kriterien berücksichtigt, wie z.B. Quelllüftung mit Verzicht auf Klimaanlagen, Betonkerntemperierung, Nutzung von Fernwärme und hohe Tageslichtfenster mit weitestgehendem Verzicht auf künstliches Licht. Dennoch darf man den technischen Fortschritt nicht aus den Augen verlieren. Mit dem Neubau hatten wir lediglich einen Zähler für unseren Stromverbrauch. Im Zuge der Optimierung haben wir die Messtechnik auf 40 Zähler erweitert. So können wir Verbräuche detailliert zuordnen und das Energiemanagement verbessern.

Inwieweit war Ökoprofit für Sie von Nutzen?
AE: Zertifizierungen helfen, Prozesse zu prüfen und zu optimieren. Deshalb haben wir nach der Zertifizierung 2013 im Folgejahr direkt noch einmal teilgenommen. 2015 wurden wir sogar vom ­NRW-Umweltminister Johannes Remmel als Leuchtturm ausgezeichnet, da wir es verstanden haben, diesen Zertifizierungsprozess in unser umfangreiches Nachhaltigkeitsmanagement passgenau einzubinden. 2015 wollten wir uns noch breiter aufstellen. Die ISO 26000 zum gesellschaftlichen Engagement war die Norm, die zeigen konnte, dass wir alle Themen der Nachhaltigen Unternehmensführung strategisch berücksichtigen. Leider war sie nicht zertifi­zierbar. Beim TÜV Rheinland sind wir aber fündig geworden. Im April 2015 wurden wir neun Tage lang von drei Auditoren geprüft. Umwelt/Energie war nur ein Themenfeld. Hinzu kamen IT-Sicherheit, gesellschaftliche Verantwortung, Qualitätsmanagement und einiges mehr. Nach der allerersten Prüfung erhielten wir das Zertifikat zur Nachhaltigen Unternehmensführung. Im April 2016 haben wir uns erfolgreich dem Überwachungsaudit gestellt. Im April 2017 steht das nächste an.

Sie sprachen davon, dass Sie 2016 klimaneutral gestellt sind. Also dieses Jahr?
MR: Durch viele Umweltmaßnahmen ist es uns gelungen, 4.000 t CO2 jährlich einzusparen. Den Rest der nicht vermeidbaren Treibhausgasemissionen der Wuppertaler Hauptverwaltungen in Höhe von ca. 2.200 t haben wir ausgeglichen. Dazu gehören Emissio­nen, die durch Verbrauch von Energie, Wasser und Papier, den Geschäftsreiseverkehr, die Entsorgung von Abfällen sowie durch den Verlust von Kühl- und Löschmittel am Standort Barmenia-Allee 1 in Wuppertal entstehen. Wir haben uns für ein Klimaschutzprojekt von myclimate in Kenia entschieden, das ökologi­sche sowie soziale Kriterien berücksichtigt. Arbeitswege der Mitarbeiter und Lieferanten wurden nicht in die Kompensation einbezogen. Wir werden in Kürze unsere Mitarbeiter sensibilisieren. Ein erster Schritt ist eine Abfrage, wie sie zur Arbeit kommen und was passieren muss, dass sie eine umweltfreund­lichere Mobilitätsform wählen. Ich kann Ihnen aber sagen, dass das im bergigen Wuppertal eine echte Herausforderung darstellt.

Haben Sie damit Ihr Ziel erreicht?
AE: Wir werden nie einhundert Prozent erreicht haben. Wichtig ist ein ­kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Unser nächster Meilen­stein ist die Mitarbeitermobilität, aber wir wollen auch unsere Emissionen weiterhin senken. Denn mit der Vermeidung von CO2 reduzieren wir auch die Kompensations­menge. Wir möchten dabei transparent zeigen, was wir tun. Das tun wir auf einer speziellen Internetseite und durch unsere Nachhaltigkeitsberichte.

Weiterhin viel Erfolg auf Ihrem nachhaltigen Weg voller Meilensteine.
www.nachhaltige.versicherung


Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2016 - Klima, Krieg und gute Taten erschienen.

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