IASS-Forschungsprogramm bis 2021 vorgestellt

Energiewende, Klimapolitik und die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen stehen im Fokus der Forschungsarbeit

Die wissenschaftlichen Direktoren Mark Lawrence, Patrizia Nanz und Ortwin Renn haben bei der gestrigen Mitgliederversammlung das Forschungsprogramm des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam für den Förderzeitraum vom 1.1.2017 - 30.6.2021 vorgestellt. Die Mitgliederversammlung, in der die Forschungsministerien des Bundes und des Landes Brandenburg und wichtige wissenschaftliche Einrichtungen vertreten sind, stimmte dem Forschungsprogramm des neuen wissenschaftlichen Führungsteams, das im Frühjahr 2016 seine Arbeit aufnahm, zu.
 
„Mit diesem Forschungsprogramm werden wir unseren transdisziplinären, dialogorientierten Ansatz weiter stärken", erklärt der Klima- und Atmosphärenwissenschaftler Mark Lawrence. „Seit der Gründung des Instituts befördern wir politische und gesellschaftliche Veränderungsprozesse, indem wir unterschiedliche Akteure aus aller Welt und ihre Erkenntnisse zusammenführen. Dabei wird die Erarbeitung forschungsbasierten Wissens, mit dem wir Transformationen in Richtung Nachhaltigkeit initiieren und begleiten, eine noch wichtigere Rolle einnehmen."
 
3 politische Prozesse, 20 Kernprojekte, 16 Drittmittelprojekte
Dafür wird sich die Forschung am IASS in den kommenden Jahren auf drei politische Prozesse konzentrieren: Auf den globalen und nationalen Prozess zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs), auf die Energiewende und die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Diese politischen Prozesse stellen zentrale Herausforderungen für die Industrie- und die Entwicklungsländer dar und erfordern entscheidende Schritte und Maßnahmen, um die Ziele und weitgehend kohlenstofffreie Wirtschaften und Gesellschaften zu erreichen.
 
Das Institut, das von den Forschungsministerien des Bundes und des Landes Brandenburg gefördert wird, plant zu diesen Kernthemen sowie angrenzenden Themenfeldern (etwa systemische Risiken, Digitalisierung, Futurisierung von Politik) 20 Projekte für den Förderzeitraum bis Mitte 2021. Darüber hinaus gibt es am IASS aktuell 16 Drittmittelprojekte.
 
Zeitgemäße Politikberatung: Transdisziplinär und demokratietauglich
Der transdisziplinäre Ansatz des IASS fördert den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. In einem Meta-Projekt zur Ko-Kreation und zeitgemäßer Politikberatung wird das Institut die in der transdisziplinären Arbeit gewonnenen Erkenntnisse auswerten und die eigene Forschungstätigkeit reflektieren. Damit wird das Projekt nachweisen, inwieweit transdisziplinäre Forschung eigenständige Beiträge zu Veränderungsprozessen leisten kann, die traditionelle wissenschaftliche Politikberatung ergänzen.
 
„Wir wollen mehr darüber herausfinden, wie ein zeitgemäßer wissenschaftlicher Beratungsprozess gestaltet sein muss, damit sich Expertenwissen auch als demokratietauglich erweist", sagt die Politikwissenschaftlerin Patrizia Nanz. „In einer Zeit, in der viele Demokratien Europas in einer Krise sind, können wissenschaftlich begleitete, partizipative Prozesse einen wesentlichen Beitrag zur Belebung und Legitimation der Demokratie leisten."
 
Wissenschaftliche Plattform zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele
Das IASS entwickelt gemeinsam mit anderen eine Wissenschaftsplattform zur Umsetzung der SDGs (kurz: SDG-Plattform). Sie entsteht im Zusammenhang mit der neu aufgelegten Nachhaltigkeitsstrategie, die noch im Herbst vom Bundeskabinett verabschiedet werden soll. Diese Plattform wird die Nachhaltigkeitsziele stärker in die deutsche Wissenschaftslandschaft tragen und den Austausch zwischen Wissenschaft und Politik intensivieren. Unter der Leitung von Patrizia Nanz ist das IASS als Träger der Geschäftsstelle für die Plattform vorgesehen und wird bei der Themensetzung und der Koordinierung der Plattform eine herausragende Rolle einnehmen.
 
Die Energiewende effektiv, effizient, resilient und fair gestalten
Der IASS-Forschungsschwerpunkt zur nationalen und internationalen Energieversorgung wird unter der Leitung des Umwelt- und Techniksoziologen Ortwin Renn ausgebaut, um einen erfolgreichen Umbau in kohlenstoffarme Energiesysteme zu befördern. Die soziale Verträglichkeit der Energiewende wird dabei ein Kernthema sein. Mit einem Sozialen Nachhaltigkeitsbarometer, das das IASS als Monitoring-Instrument entwickelt, sollen soziale Faktoren empirisch-analytisch erfasst werden, um eine Bewertung dieser Faktoren zu ermöglichen. Weitere Schwerpunkte sind die Dekarbonisierung der Energiesysteme und die internationale Dimension der Energiewende.
 
Nach Paris: Effektive Klima-Governance zur Erreichung der Klimaziele
Die Verabschiedung des Pariser Abkommens 2015 hat neue Rahmenbedingungen für den Klimaschutz geschaffen. Zwei Projekte des IASS beschäftigen sich explizit mit der Umsetzung des Abkommens. Sie werden zentrale Hindernisse und Treiber für eine effektive Klima-Governance identifizieren und Fragen zur Regimewirksamkeit, Transparenz und Partizipation untersuchen.
 
Mit dem Ziel, die weltweite Erwärmung auf weit unter 2 Grad zu begrenzen, befördert das Pariser Abkommen auch Überlegungen zu gezielten technischen Eingriffen zur Abkühlung des Klimas, die mit dem Begriff ‚Climate Engineering‘ zusammengefasst werden. Unter der Leitung von Mark Lawrence beschäftigt sich das IASS seit 2011 mit den potenziellen Auswirkungen, Unsicherheiten und Risiken des ‚Climate Engineering‘. Ein neues Projekt wird die Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft analysieren, insbesondere den Umgang mit systemischen Risiken, wissenschaftlichen Ungewissheiten, der gesellschaftlichen Konstruktion von Zukunftsmodellen und der Legitimation von Forschung und politischen Strategien.
 
Weitere Projekte rund um die Klimaforschung widmen sich den Zusammenhängen zwischen Klimawandel und Luftverschmutzung und der Frage, wie Politikberatung gestaltet werden sollte, um die Luftqualität in Deutschland, Europa und Südasien zu verbessern.
 
Ab 2017: Neue Forschungsstrukturen und ein Inkubator als Experimentierraum
In einem strategischen Entwicklungsprozess hat das wissenschaftliche Führungsteam mit den IASS-Gremien und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Instituts auch neue Strukturen für das Forschungsprogramm erarbeitet. Es ist projektbasiert und löst damit die bisherige Abteilungsstruktur ab. Jeweils zwei wissenschaftliche Direktoren verantworten die einzelnen Projekte, um Synergien zu heben und die Vernetzung voranzutreiben.
 
„Unser Ziel ist es, der Fragmentierung von Forschung entgegenzuwirken", unterstreicht Ortwin Renn. „Am IASS sind rund 30 verschiedene Wissenschaftsdisziplinen vertreten, vom Atmosphärenwissenschaftler bis zum Theologen. Gerade die Nachhaltigkeitsforschung profitiert von einer stärkeren Vernetzung, die evidenzbasiertes und zugleich praxisnahes Wissen erbringt."
 
Weitere Neuerungen: Institutsweite Wissenspools und ein Inkubator als Experimentierraum, in dem Wissenschaftler neuen Ideen und Methoden nachgehen können. Damit will das IASS das kreative Potenzial der rund 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und der jährlich rund 30 Fellows aus aller Welt nutzbar machen und innovative Forschungsideen für nachhaltige Gesellschaften fördern.
 
Weitere Informationen finden Sie hier.
 
Das von den Forschungsministerien des Bundes und des Landes Brandenburg geförderte Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) hat das Ziel, Entwicklungspfade für die globale Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft aufzuzeigen. Das IASS folgt einem transdiszipli-nären, dialogorientierten Ansatz zur gemeinsamen Entwicklung des Problemverständnisses und von Lösungsoptionen in Kooperation zwischen den Wissenschaften, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ein starkes nationales und internationales Partnernetzwerk unterstützt die Arbeit des Instituts. Zentrale Forschungsthemen sind u.a. die Energiewende, aufkommende Technologien, Klimawandel, Luftqualität, systemische Risiken, Governance und Partizipation sowie Kulturen der Transformation.
 
Kontakt: IASS, Eva Söderman | eva.soederman@iass-potsdam.de | www.iass-potsdam.de

Gesellschaft | Bildung, 25.10.2016

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