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Slow is beautiful

Die Notwendigkeit einer Ernährungswende

Dr. Ursula Hudson, Vorstandsvorsitzende von Slow Food Deutschland, zeigt, wie wahrer Genuss sich mit Nachhaltigkeit verbindet. Sie begeistert Jung und Alt für das Thema Essen und engagiert sich für die kulinarische Bildung.

Wenn die Bässe vibrieren und mehrere hundert Jugendliche ambitioniert im Takt dazu Gemüse klein schneiden, dürfte Dr. Ursula Hudson nicht weit sein. In ihrer Funktion als Chefin von Slow Food Deutschland hat sie die „Schnippeldisko" – ein von den Slow-Food-Youth-Aktivisten Nadja Flohr-Spence und Hendrik Haase erdachtes Format – salonfähig gemacht. Bei diesen „kulinarischen Protestaktionen" verarbeiten die Teilnehmer sogenannte Knubbelgemüse – Gemüse, das wegen seiner Größe oder Unförmigkeit vom Lebensmittelhandel abgelehnt wird – zu leckeren Gerichten, um so gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu demonstrieren. Doch nicht nur das! Die Disko ist vor allem auch Spaß – Spaß am gemeinsamen Schnippeln, Schruppen und Kochen!

Essen in Deutschland: gut, sauber, fair mit Slow Food
Foto: © EU, Patrick MascartDas Konzept der Schnippeldiskos, das seit 2011 von der Slow Food Youth zunächst in Deutschland, mittlerweile aber auch weltweit umgesetzt wird, gehört zu den herausragenden Projekten, die in den letzten Jahren unter der Ägide von Dr. Ursula Hudson angestoßen wurden. Unter dem Motto „gut, sauber und fair" setzt sich Slow Food mit verschiedenen Projekten und Aktionen dafür ein, dass jeder Mensch Zugang zu Nahrung hat, die sein Wohlergehen sowie das der Umwelt erhält. Auch in ihren Veröffentlichungen und Vorträgen dreht sich alles um das Thema Essen, dessen Geschichte und Kultur, die Regionalität von Lebensmitteln und die kulinarische Bildung. Bei ihrer Arbeit motiviert Dr. Ursula Hudson „die unabdingbare Notwendigkeit, eine wirkliche Ernährungswende, getragen von allen Akteuren, mit herbeizuführen". Ernährung steht für die Kulturwissenschaftlerin und Autorin im Zentrum des menschlichen Handelns, weil es große und langfristige Auswirkungen auf unsere ökologische Umwelt hat. Essen ist für sie von daher hoch politisch. Ihr Credo lautet: „Um den nachkommenden Generationen einen Planeten Erde zu übergeben, der sie nährt und Leben ermöglicht, bedarf es des sofortigen Handelns."

Seit ihrer Wahl in den Vorstand von Slow Food Deutschland gehört deshalb die Beschäftigung mit Fragen der Nachhaltigkeit für sie zum Tagesgeschäft. Sie betreibt eine aktive Verbands- und Öffentlichkeitsarbeit und fungiert als engagierte Schnittstelle zur Politik. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen die Ernährungsbildung sowie die Aufklärung der Verbraucher über die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Entscheidungen bei der Nahrungsmittelwahl und Auswirkungen auf Wasser, Luft und Boden durch unser Essverhalten. Große Themen sind biologische Vielfalt, Tiere und Tierhaltung, Überfischung, Bodenfruchtbarkeit, Saatgut und Ökologisierung der Landwirtschaft. Dr. Ursula Hudson war maßgeblich beteiligt an der Einführung des Fish Dependence Day in Deutschland, um auf die Überfischungsproblematik aufmerksam zu machen, und trug zur Verbreitung von Konzepten wie „Genuss und Verantwortung" oder „Essen, was wir retten wollen" bei, die alle den unmittelbaren Zusammenhang von Essenshandeln und Umwelt verdeutlichen.

Nose-to-Tail – Ganze Tiere essen statt Verschwendung
Slow Food Youth Deutschland rettet mit der Schnippeldisko verformtes, aber schmackhaftes Gemüse vor der Tonne und hat damit eine kulturübergreifende, virale Bewegung geschaffen. Foto: © Janne TervonenSlow Food zählt in Deutschland derzeit über 13.500 Mitglieder, doch die 1958 geborene Aktivistin ist auch Mitglied des Vorstands von Slow Food International und bringt sich dort tatkräftig ein. Die internationale Slow-Food-Kampagne „Slow Meat" engagiert sich zum Beispiel für einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Fleischkonsum. Die erste Slow-Meat-Konferenz fand in Denver, Colorado (USA), im Sommer 2014 statt und auch bei Slow Food Deutschland ist Fleisch zu einem zentralen Thema geworden.

Auf dem Markt des guten Geschmacks, der jährlichen Slow Food Messe in Stuttgart, fand dazu im April eine Kochwerkstatt zur Ganztierverarbeitung statt. Die Besucher konnten bei der Verarbeitung der einzelnen Teile eines Schafes zuschauen und dabei interessante Tipps zur Verwertung und Fakten zu der oft vorkommenden Verschwendung vieler Fleischteile erfahren. Häufig wird nur ein relativ geringer Anteil eines geschlachteten Tieres verzehrt – ein erschreckendes Beispiel für die Schieflage des industrialisierten Lebensmittelsystems. Für ihr nationales und internationales Engagement wurde Frau Dr. Hudson von Bundesumwelt­ministerin Dr. Barbara Hendricks am 6. Juni in Berlin mit dem B.A.U.M.-Umweltpreis ausgezeichnet.

www.slowfood.de

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2016 - Zukunft der Arbeit erschienen.

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