#VerantwortungJetzt! - Die Krise als Chance für den Wandel

Countdown für Planet B. Leila Dreggers Plädoyer für einen Aufbruch ins utopische Denken

7 - Geschlechterlust auf Planet B

Es gibt keinen Planet B, sagt die Klima-Streik-Bewegung. Nein? Dann wird es höchste Zeit, ihn uns auszudenken. Was ist anders in einer Welt, die den Systemwechsel schafft? Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie viel Veränderung in kurzer Zeit möglich ist. Wir laden ein zu einem Countdown des utopischen Denkens! Alle zwei Wochen stellen wir - ganz unsystematisch - einen Kernfaktor des Systemwechsels vor. Einige der genannten Erneuerungen gibt es ansatzweise bereits; dafür haben wir diesmal hilfreiche Verlinkungen eingefügt.
 
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7- Geschlechterlust auf Planet B

© mmi9, pixabay.comWas für einen Stand werden LGBTQ-Menschen auf Planet B haben? fragte mich ein Leser. 
Wichtige Frage. Unser Verständnis von Geschlechtlichkeit ist zentral für das Wohlergehen des Planeten. So viele untergründige Konflikte, Aggressionen, Ängste, Depressionen und unnötiger Konsum gehen auf Kosten einer Kultur, die die Geschlechterbeziehung in viel zu enge Vorstellungen pressen wollte. Ist es nicht lustig? Gerade das, was so für Freude, Lust und Wonne gemacht ist, führt zu so viel Selbstunterdrückung, Heimlichkeit, Verunsicherung und unerfüllte Sehnsucht. Und dann das Gefühl vieler Menschen, nicht im richtigen Körper zu leben. Was muss das für ein Konflikt sein! 

Die alten Rollenmuster zerbrechen.
Frauen haben nach jahrtausendelanger Unterdrückung keine Lust mehr auf die Opfer- und Unschuldsnummer. Der harte Mann hat ausgedient, aber mit der Rolle des schuldbeladenen Weicheis will sich auch kein Mann identifizieren. Immer mehr Menschen experimentieren mit neuen Identitäten ihres Geschlechtes und ihrer Lust. 

Wird Planet B - unser utopischer Fluchtpunkt in der Zukunft - die Auflösung der sexuellen Identitäten sein? Was geschieht ohne die festen Geschlechterrollen? Was wird aus der polaren Anziehung und Abstoßung der Geschlechter? Dem Tanz von Yin und Yang? Alles weg? 
Glaub ich nicht.
Aber wie leben wir Geschlechtlichkeit ohne diese einengenden Rollenklischees?

Ich habe einmal einen erotischen Science Fiction gelesen: Auf einem fernen Planeten gibt es nur temporäre Geschlechter. Jeder Mensch hat im Normalzustand dasselbe Geschlecht - und verwandelt sich in bestimmten Zeiten in Mann oder Frau, meistens polar zu dem Menschen, mit dem er gerade zusammen ist. In unterschiedlicher Intensität und ohne das mit dem eigenen Willen steuern zu können. Der Zustand hält meistens für ein paar Tage an. Ein durchschnittliches Liebespaar kann sich also auf die Überraschung freuen, wer diesmal Mann und wer Frau wird. Die polar geschlechtlichen Kräfte entwickeln sich überall - im Zug, bei der Arbeit, während eines Fußballspiels, im Zusammensein mit einem Fremden. Eben sitzen noch zwei Ingenieure in typischer Männerkollegialität über einem technischen Problem zusammen - und dann springt ein Schlüsselreiz über. Einer der beiden entfaltet klassisch weibliche Formen, während der andere sich langsam in ein männliches Idealbild wandelt. Die Lust aufeinander wächst in gleichem Maße - bis zu einem Punkt, wo man einfach übereinander herfallen MUSS - oder aber, so man Zölibat geschworen oder einem anderen Partner Treue versprochen hat, eiligst Reißaus nimmt. 
Ist das nicht herrlich inspirierend?

Wie wird es auf Planet B?
© Gordon Johnson, pixabay.comIch schalte mein visionäres Teleskop ein und sehe: Es gibt kein LGBTQ mehr. Jede besondere Festschreibung liegt hinter uns. Man, frau, mensch sucht und ringt und kämpft nicht mehr um die eigene sexuelle Wahrheit. Sondern lebt sie. Wahrheit ist dabei so lebendig wie das Leben selbst. Ich muss mich nicht als lesbisch definieren, wenn ich mich einmal in eine andere Frau verliebe, mit ihr intim werden oder sogar den Rest meines Lebens verbringen will. Ich muss mich nicht als polygam definieren, wenn ich einmal einen anderen Menschen als meinen Partner begehre. Es gibt kein anderes Müssen als das, was unsere innere Wahrheit uns gebietet - und die Treue zu uns selbst und unserer Liebe. Wie erschaffen wir diese Freiheit in uns?

Mit Hilfe all der Liebestempel, wo wir die erotische Liebe feiern, ehren, lernen. Lernen in der Liebe? Oh ja. Wer Klarinette spielen will, übt das jahrlang - doch das wichtigste, die Liebe, dürfen wir kein einziges Mal üben, lernen, uns zeigen lassen, verfeinern?

Diese Liebestempel erinnern die Menschen auch daran, dass Sexualität etwas Heiliges ist. Sie will zelebriert werden - auf jede Art, die uns Freude bereitet. Alles ist erlaubt - vorausgesetzt, man respektiert den anderen als einen Menschen mit eigenem Willen. Darauf achten die Liebespriesterinnen und -priester sehr genau. 

Partnerschaft ist ein weiterer hoher Wert.
Liebespaare werden mit ihren Konflikten nicht allein gelassen. Jedes Paar hat Begleiter, die sofort da sind, wenn sie gebraucht werden. Sie schlagen sich nicht auf die eine oder andere Seite, sondern erweitern den Raum, so dass das Pingpong der alten Liebesbeziehungen sich auflösen darf.

Gleichgeschlechtliche Liebe gilt auf Planet B als wichtige Entwicklungsphase jedes Menschen. Wer nie einen Menschen desselben Geschlechtes geliebt oder begehrt oder begattet hat, wird allgemein bemitleidet. Die meisten führen das ihr Leben lang fort - entweder ausschließlich oder als Bereicherung der eigenen Heterosexualität. 

Gleichzeitig ist man sich bewusst, wie sehr in jeder Begegnung und Anziehung eine polare Kraft wirkt. Auf einmal, nachdem alle falschen Etiketten und Ängste von uns abgefallen sind, sehen wir das ganz neu: Weiblich - männlich. Gott - Göttin. Egal, was wir selbst sind und wie viel davon wir leben wollen. Es gibt tatsächlich polare Gegensätze in der Welt, die alles durchdringen, jede einzelne Person, jede Situation. Wir staunen über deren Macht. Keines ist besser oder mächtiger als das andere. Sie ziehen sich an, wollen sich kennenlernen, sind in einem ewigen Tanz miteinander. Ja, es gibt noch Geschlechterpolarität auf Planet B. In aller Freiheit und Vielfalt.

Es war, als hätte der Himmel die Erde still geküsst. 

Leila Dregger ist Diplom-Agraringenieurin und langjährige Journalistin. Mit den Schwerpunktthemen Frieden, Ökologie, Gemeinschaft, Frauen arbeitet sie seit 25 Jahren für Presse und Rundfunk sowie als Drehbuchautorin und Regisseurin für Theater und Film. Sie war Herausgeberin der Zeitschrift „Die weibliche Stimme – für eine Politik des Herzens", Pressesprecherin des Hauses der Demokratie in Berlin und lebt heute überwiegend in Tamera in Portugal. www.tamera.org

Gesellschaft | Pioniere & Visionen, 21.07.2020
     
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