Umwelt | Klima, 01.01.2016
Veränderungen brauchen Begleitung
Sicherstellen, dass unsere Welt lebenswert bleibt – für alle!
Die zunehmenden Umweltkatastrophen sind ein Signal dafür, dass sich die Welt verändert. Dürren, Überschwemmungen, Ernteausfälle oder Hitzewellen werden durch den Klimawandel vermehrt auftreten und betreffen jeden Einzelnen unmittelbar. Es braucht deshalb Lernprozesse, Ideen und Innovationen, die sicherstellen, dass unsere Welt lebenswert bleibt – für alle!
Der Übergang zu einer nachhaltigen Zukunft ist ein Veränderungsprozess. Ein solcher Vorgang hat in den Hunderttausenden von Jahren menschlicher Evolution immer wieder stattgefunden, wenn sich der Mensch veränderten Umweltbedingungen anpassen musste. Dabei liegen in der Veränderung Risiko und Chance zugleich. Und manchmal bereitet sie auch Unbehagen.
Klimawandel als politisches KrisenthemaDer Klimawandel ist nicht länger ein wissenschaftliches Problem, denn spätestens seit dem letzten Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) sind die Ursachen der Erwärmung klar. Sie ist vom Menschen verursacht. Der Klimawandel ist damit ein gesellschaftliches und politisches Problem. Die Menschheit fängt langsam an zu reagieren, wie die in Paris stattgefundenen Verhandlungen zeigten. Vermutlich werden aber die dort vereinbarten Ziele nicht ausreichen, um die globale Erwärmung auf unter 2°C zu begrenzen. Es ist ein Irrglaube, dass politische Prozesse schnell und umfassend Ergebnisse liefern können. Dazu sind sie viel zu sehr auf pluralistische Teilhabe und auf Kompromisse ausgerichtet. Positiv ist, dass das Klimathema nun, trotz weiterer Krisen, mit hoher Priorität auf der internationalen Agenda steht. Die Politik hat gelernt und ist sich bewusst, dass Nicht-Handeln andere Krisen, wie z.B. Flüchtlingsbewegungen, sogar noch verstärken wird.
Fachwissen für Klima-Laien
Während in Entwicklungsländern vielerorts die Konsequenzen der globalen Erwärmung schon spürbar sind, scheint es, als verharrten die entwickelten Länder in ihrem „business as usual"-Szenario. Veränderung beginnt im Kopf und damit sie stattfinden kann, braucht es ein frühes Problembewusstsein, Bildung und Ausbildung. Das schafft Gestaltungskraft und ermöglicht eine andere und breitere Sicht auf die gestellten Herausforderungen. Viele Menschen fühlen sich allerdings durch die zunehmende Komplexität überfordert. Deshalb ist es wichtig, komplexe Zusammenhänge auch für Schüler und Laien erfahrbar zu machen. Die Wissenschaft erkennt erst langsam, wie zwingend notwendig diese Art der Veröffentlichung ist, denn bisher zählten vor allem Fachpublikationen in Spezialjournalen als Kommunikationsinstrument.
Neue Formate zur Wissensvermittlung
Aus diesem Grund haben das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und die Filmuniversität Potsdam-Babelsberg Konrad Wolf bereits vor mehr als fünf Jahren ein Kooperationsprojekt gestartet, um in der Wissenschaftskommunikation nach neuen Wegen zu suchen. Aus dem Projekt heraus entstand 2011 die Climate Media Factory (CMF), die bereits 2012 mit dem renommierten CleanTec Award in der Kategorie Kommunikation ausgezeichnet wurde. In einem interdisziplinären Ansatz, welcher Medienschaffende und Klimawissenschaftler unter einem Dach zusammenführt, werden Nachhaltigkeitsthemen medial neuartig, umfassend und sachlich richtig aufbereitet. Dabei wird die inhaltliche und gestalterische Qualität gleichermaßen beachtet. Die CMF versteht sich nicht nur als ausführende Agentur für Klimainformationen, sondern auch als kritischer Dialogpartner. Das Ziel ist, neue Medien, Informationsservices, Spiele und E-Learning-Konzepte zu entwickeln, um interessierte Laien, die junge Generation sowie Interessenvertreter fit für die kommenden Veränderungen zu machen. Die von der CMF produzierten Materialien sind vielfältig und sollen Ideen und Innovationen stimulieren.
Vom Video bis zum Wimmelbild
Der Film Earthbook beschreibt beispielsweise, was die Erde wohl zur Ankunft des Menschen gepostet hätte. Mit über einer Viertelmillion Views auf Youtube hat ihn die anvisierte Zielgruppe der Digital Natives sehr positiv aufgenommen.Für die Kleinsten wurden Wimmelbilder, also große Übersichtsbilder mit vielen kleinen Einzelheiten, kreiert, die komplexe Zusammenhänge darstellen. Diese werden nicht linear gelesen, sondern kreuz und quer. Die Climate Media Factory hat den Prototypen des Wimmelwelt-Spiels Energie! entwickelt. Neben einer Stadtlandschaft, auf der es viele Details zu entdecken gilt, gibt es kleine Mini-Games, in denen man etwa durch Pusten in das Mikrophon des iPads Windkraftanlagen betreiben kann. Kurze Hilfstexte halten Erklärungen für die Eltern bereit.
Ein weiteres Beispiel ist das interaktive Online-Tool Global Calculator. Es macht die Konsequenzen von Lebensstiländerungen zum Beispiel in den Bereichen Reisen, Ernährung, Energienutzung und deren Einfluss auf das Klima unmittelbar erfahrbar. Die potenziellen Maßnahmen lassen sich kombinieren und zeigen mögliche Synergieeffekte auf. Der „Monster-Western" Outlaws in Air City verdeutlicht, dass es neben Kohlendioxid noch eine Reihe anderer Luftschadstoffe gibt, die Gesundheit und Klima bedrohen.
Veränderungsprozesse erleben
Die Climate Media Factory (CMF) versteht sich als Partner vieler Organisationen, darunter auch Regierungsinstitutionen in Europa oder Forschungsinstitute, um Veränderungsprozesse zu begleiten und sie spielerisch und informativ erfahrbar zu machen. Seit 2014 ist die CMF Teil des vom European Institute of Technology gesteuerten und der Europäischen Kommission finanziell unterstützten Climate-KIC (Knowledge and Innovation Community) Netzwerkes, das versucht, Innovationen im Klimasektor schneller als bisher üblich in den Markt zu bringen.
Veränderungen beginnen im Kopf. In Bezug auf den Klimawandel müssen wir alles tun, damit wir uns dieser Jahrhundert-Herausforderung stellen können. Die Climate Media Factory als Institution an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft will hier ihren Beitrag leisten.
www.climatemediafactory.de
Prof. Dr. Jürgen Kropp
hat Chemie und Physik studiert, arbeitet am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und leitet dort den Bereich Klimawandel und Entwicklung. Im liegt besonders am Herzen, wie ein faires und gerechtes Klimaabkommen ausgestaltet werden kann und wie unter dessen Rahmenbedingungen die Entwicklungschancen der Dritten Welt erhalten sowie nachhaltig gestaltet werden können.
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2016 - Herausforderung Migration und Integration erschienen.
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