Technik | Energie, 31.08.2015
Kleine Interventionen mit großer Wirkung
Wie die Umweltpsychologie Energie-Einsparungen ohne Rebound-Effekt möglich macht
Angenommen, Sie als Kunde eines Energieversorgungsunternehmens könnten auf
Ihrer Rechnung ablesen, wie sich Ihre Verbrauchsdaten zu den Ihrer Nachbarn bzw.
vergleichbarer Verbraucher verhalten? Was glauben Sie, würden Sie tun? Mehr
Energie sparen? Für OPOWER, einem in den USA marktführenden Dienstleister für
Energieabrechnungen ist das keine Zukunftsmusik, sondern gelebte Realität. Der
Energiedienstleister hatte einen wirksamen und kostengünstigen Weg gesucht,
seine Kunden zum Energiesparen zu bewegen, ohne danach in die gefürchtete
Rebound-Falle zu tappen. Beraten wurde das Unternehmen von P. Wesley Schultz,
einem der führenden Umweltpsychologen der USA.

Für Schultz, Professor für Psychologie an der California State University in San
Marcos, ist klar, dass Aufklärung und Information über umweltfreundliche
Verhaltensweisen allein nicht ausreichen, um Menschen dazu zu bringen, im Sinne
der Umwelt zu handeln. „Menschen nehmen das Verhalten anderer als Richtlinie
wahr. Um davon abzuweichen, brauchen sie gesellschaftlich sichtbare Motive und
Anreize." Schultz hat bereits früh statistische Verfahren der Soziologie in die
Umweltpsychologie eingeführt. Damit können Befragungen von großen Test- und
Kontrollgruppen mit der experimentellen Überprüfung der Wirksamkeit von
extrinsischen Umweltmotivationen, sogenannten „cues", kombiniert und genaue
Handlungsmuster herausgearbeitet werden.
Cues, die mit einer direkten Rückmeldung verbunden werden, erzielen dabei die
höchste Umsetzungsrate. Diese Rückmeldung sei nicht „richtig" oder „falsch",
sondern setze das eigene Verhalten in eine nachvollziehbare Relation zum Verhalten
ähnlicher Kunden, Käufer oder Nachbarn. Den Beweis, dass der direkte Vergleich von
Verbrauchsdaten und -verhalten ein wirksamer Anreiz zum Energiesparen ist, blieb
Schultz nicht schuldig, die Verbrauchsvergleiche von insgesamt 85.000 Haushalten
zeigten: Gegenüber der Kontrollgruppe sank der Energieverbrauch der Testgruppe
um bis zu 2,8%.
Die Motivation zum Energiesparen erfolgte in dem Fall weder über den Preis der
Leistung, noch war ein Anreizprogramm damit verbunden. Lediglich eine kleine
Zusatzinformation auf der Rechnung über die Verbrauchsdaten vergleichbarer
andere Verbraucher reichte aus, einen positiven Einfluss auf den Energieverbrauch zu
nehmen. Das Besondere des Vergleichs: Durch ihn wird die eigene soziale Gruppe zum Maßstab. Zudem macht er ein vorher nicht bewusstes Vergleichskriterium
sichtbar – und wirksam. So öffnet die Zusatzinformation auf der Rechnung den Weg,
Energiesparen nachhaltig zu forcieren und, fast wichtiger noch, Energiesparen zur
sozialen Norm zu machen.Umweltpsychologische Ansätze wie die von Prof. P. Wesley Schulz sind hierzulande
noch nahezu unbekannt. Einen Einblick in Interventionsmöglichkeiten, die
Umwelthandeln ohne teure Anreizkampagnen forcieren, bietet der Impulsvortrag
„Making Energy Conservation the norm" von Prof. Dr. P. Wesley Schultz, Professor of
Psychology, California State University, San Marcos, USA auf der green2market.
green2market findet am 12. Oktober im Rahmen der WORLD OF ENERGY SOLUTIONS
auf der Messe in Stuttgart statt. Das Dialogforum bietet neues Wissen zu Akzeptanz
und Umwelthandeln, praxistaugliche Anregungen, individuelle Hilfestellung und
Erfahrungsaustausch. Das Besondere des Dialog-Forums sind die Praxis-Workshops
am Nachmittag. Hier stehen die Teilnehmer im Mittelpunkt und diskutieren
gemeinsam mit Umweltpsychologen, Wirtschaftsvertretern und Politik. Im Workshop
unter der Leitung von Prof. P. Wesley Schultz können Teilnehmer ihre
Fragestellungen einbringen und gemeinsam mit einem der führenden
Umweltpsychologen der USA neue, nachhaltige Lösungen entwickeln.
green2market 2015
green2market findet im Rahmen der WORLD OF ENERGY SOLUTIONS am 12.10.2015 in Stuttgart statt.
green2market findet im Rahmen der WORLD OF ENERGY SOLUTIONS am 12.10.2015 in Stuttgart statt.
Kontakt:
Peter Sauber Agentur Messen und Kongresse GmbH, Julia Krägeloh
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