Für ein neues Zeitalter von Unternehmertum?! - Wege in ein Resonanz-Unternehmertum. 11. bis 13. Juni 2024

Starke Frauen - Mascha Kauka

Ein halbes Leben für den Erhalt unseres Planeten

17 Millionen Kochbücher und 35 Jahre Kampf für den Schutz des ecuadorianischen Regenwaldes – die zwei großen Karrieren der Mascha Kauka
 
Scheut keine Strapazen: Seit 35 Jahren versucht die zierliche Münchnerin mit großem Mut, vil Verstand und grenzenloser Einsatzereitschaft den traditionellen Lebensraum der Waldindianer zu bewahren. © Barbara DombrowskiAm 14. Februar 2015 feierte Mascha Kauka ihren 70. Geburtstag. Zu den Gratulanten aus aller Welt gehörten auch viele Indianer. Denn die Hälfte ihres bisherigen Lebens hatte die einstige erfolgreiche Verlegerin vorwiegend ihrem engagierten Kampf für den Erhalt des ecuadorianischen Regenwaldes gewidmet – und dabei zahllose indigene Mitstreiter und Freunde gewonnen. Seit 35 Jahren versucht die zierliche Münchnerin mit großem Mut, viel Verstand und grenzenloser Einsatzbereitschaft, den traditionellen Lebensraum der Waldindianer zum Wohle allen Lebens auf der Erde zu bewahren. Heute kann die Gründerin des Vereins Indio-Hilfe e.V., der Stiftung Amazonica und der einzigartigen Amazonica-Akademie auf ein überaus beeindruckendes Lebenswerk zurückblicken – und ist doch noch lange nicht am Ziel.
 
Als Urlauberin erkundete Mascha Kauka 1980 an der Seite ihres verstorbenen Mannes, Uli Pohl, auf einer Reise quer durch Südamerika auch den ecuadorianischen Regenwald. Fernab der üblichen Touristenpfade trafen sie auf das Indianervolk der Chachi. Diese Flussnomaden hatten bis dahin noch wenig Kontakt zu Europäern gehabt. Ungeachtet dessen fassten die Chachi so großes Vertrauen zu ihren Besuchern, dass sie ihnen offenbarten, wie massiv ihre Lebensgrundlage bedroht sei. Ausländische Holzgesellschaften hatten nicht nur begonnen, den Wald zu zerstören, sondern von der Regierung auch die Aussiedlung der Indianer verlangt.
 
Rasch erkannte Kauka, dass eine Vertreibung der Indianer aus den Tiefen des Waldes weltweite Auswirkungen auf das Leben auf der Erde haben würde. Die Ureinwohner des Regenwaldes würden nur als dessen natürliche Beschützer fungieren, solange sie dort auch weiterhin im Einklang mit der Natur leben können. Eine Vertreibung der „Waldhüter" hätte unweigerlich die Zerstörung des größten intakten Waldökosystems und des größten Süßwasserspeichers unseres Planeten zur Folge. Die verheerenden Auswirkungen auf das Klima, den Weltwasserhaushalt und die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren wären nicht abzusehen. Tatenlos zuschauen konnte die temperamentvolle Tochter des deutschen „Walt Disney", Rolf Kauka, bei dieser drohenden Katastrophe nicht. Aber natürlich hatte sie auch noch keine konkrete Vorstellung, wie ihre Hilfe aussehen könnte. Bisher war die leidenschaftliche Kochbuch-Autorin mit einer verkauften Gesamtauflage von über 17 Millionen Exemplaren beruflich völlig anders ausgerichtet. 
Also begann Mascha Kauka entschlossen, sich mit den verbrieften Rechten der indigenen Bevölkerung und den Möglichkeiten, sie beim Kampf um ihren Lebensraum zu unterstützen, vertraut zu machen – und startete eine unglaubliche zweite „Karriere".
 
"Die zukünftige Lebensqualität auf der Erde wird wesentlich davon abhängen, wie gesund wir unsere Natur erhalten können."
 
 
Im Regenwald des 21. Jahrhunderts wird nach alten Werten und modernen Erkenntnissen gelebt und gelehrt
Siebzig Jahre und unermüdlich: Die Hälfte ihres bisherigen Lebens hat die erfolgreiche Verlegerin Mascha Kauka ihrem engagiertem Kampf für den Erhalt des ecuadorianischen Regenwaldes gewidmet. © Barbara DombrowskiBereits zwei Jahre nach der Begegnung mit den Indianern entstand 1982 unter Kaukas Federführung die Indio-Hilfe e.V. Sie wurde zu ihrem Lebenswerk und hat mit weit über einhundert erfolgreichen Projekten dazu beigetragen, den Indianern inmitten ihres ursprünglichen Lebensraums eine Zukunft zu ermöglichen. Die Liste der realisierten Projekte liest sich wie eine Best Practice-Sammlung der Hilfe zur Selbsthilfe: Schulprojekte, Lehrplantagen, Ausbildungswerkstätten, Trinkwasserprojekte, Landvermessung, medizinische Ausbildung, der Bau eines Urwaldkrankenhauses, die Einführung zahlreicher neuer landwirtschaftlicher Kulturen, Unterstützung bei der Vermarktung, Aufforstungsprojekte, Familienplanungskurse…
 
2007 gründete Kauka die Stiftung Amazonica, unter deren Dach sie seither gemeinsam mit den indigenen Völkern des Regenwaldes um dessen Erhalt kämpft. Der Laptop gehört heute ebenso zum Alltag im Regenwald wie die Mülltrennung oder eine Solaranlage. Immer mehr neue Indianervölker lassen sich von Amazonica den Weg in ein zeitgemäßes Gemeindeleben weisen. Tausende haben bereits von entsprechenden Pilotprojekten profitiert. Die oberste Prämisse: Der Schutz der Natur und die eigene Tradition fallen den neuzeitlichen Errungenschaften nicht zum Opfer. Stattdessen wird im Regenwald des 21. Jahrhunderts nach alten Werten und modernen Erkenntnissen gelebt – und gelehrt.
 
"Zum Alltag im Regenwald gehören heute Laptop, Mülltrennung und eine Solaranlage."
 
 
Naturschutz durch Bildung
Hilfe im und für den Regenwald. © Barbara DombrowskiDer vorläufige Höhepunkt ihrer einzigartigen Entwicklungshilfe ist Kaukas stiftungseigene Amazonica-Akademie. Die erste Urwald-Akademie mit zwei Repräsentanzen in der Amazonasregion Ecuadors liegt weitab vom Straßennetz, mitten im tropischen Primärwald auf indigenen Territorien. Dorthin kommen Studenten und Wissenschaftler der verschiedensten Fakultäten aus aller Welt, um Hand in Hand mit indigenen Akademikern und Studenten zu lernen und zu forschen. Vielfältige Fachrichtungen sind und waren hier bereits vertreten, z.B. Biologie, Klimatologie, Hydromechanik, Regenerative Energien oder Tourismus.
 
Die Verpflegung vor Ort ist legendär gut. In umfangreichen Kochkursen hat Mascha Kauka, die einst zu den erfolgreichsten Kochbuchautorinnen Deutschlands zählte, den Indianerfrauen höchstpersönlich ihre kulinarischen Geheimnisse verraten. Die Kombination aus traditioneller Urwaldküche und ecuadorianischen Spezialitäten wird mit Prisen aus Europa und Asien fein gewürzt.
 
Die Amazonica-Akademie ermöglicht den Indianervölkern Amazoniens ebenso wie der Jugend der Welt Zugang zu einem Lebensraum, der immer mehr an Bedeutung gewinnt, den unmittelbaren Kontakt mit der „Lunge der Erde" und verantwortungsbewusstes Arbeiten in einem der letzten noch gesunden Regenwaldgebiete. Die vier Säulen der Akademie (Ausbildungsstätte für die lokale, indigene Bevölkerung, Lehr und Forschungsbetrieb für Studierende aus aller Welt, CSR und Produktentwicklung für Mitarbeiter und Kunden sowie Reisen für Naturliebhaber), zusammengefasst als „Naturschutz durch Bildung" haben auch die Unesco überzeugt. Im Rahmen ihrer weltweiten Bildungsinitiative präsentierte sie die Amazonica-Akademie Ende vergangenen Jahres als ein vorbildhaftes Modell für nachhaltige Entwicklung.
 
Erst kürzlich wurde die Amazonica-Akademie von Mascha Kauka endlich ganz offiziell als gemeinnützige GmbH eingetragen. Es war ein langer, beschwerlicher Weg bis dorthin, und das Ringen um Ausbau, Konsolidierung und finanzielle Absicherung ist noch lange nicht zu Ende. Während der wissenschaftliche Betrieb bereits überaus erfolgreich läuft, muss die bauliche Infrastruktur noch wachsen. Unermüdlich wird Frau Kauka daher weiter kämpfen und Spenden sammeln - für ihren Einsatz zum Erhalt unserer Erde.
Weitere Informationen finden Sie unter www.amazonica.org
 

Amazonica

Vorteile für alle Beteiligten schafft dieses Projekt in Ecuador. © Barbara Dombrowski  hat es sich zur Aufgabe gemacht, das bedeutendste Waldökosystem der Erde gemeinsam mit den dort lebenden indigenen Völkern für die Menschheit zu bewahren. Eine wesentliche Säule dieser Aktivitäten bildet die Amazonica Akademie in Ecuador. Diese Forschungs- und Lehreinrichtung, die neben den Waldindianern auch Wissenschaftlern und Studierenden aus aller Welt offen steht, wurde ins Leben gerufen, um Verständnis für den tropischen Regenwald zu vermitteln. Ein ebenso wichtiges Anliegen ist das Weitergeben und Vertiefen von Erkenntnissen über zukunftsweisende Formen der Gemeindeentwicklung aus erprobten Modellprojekten im Wald. Das Amazonasbecken ist der größte Süßwasserspeicher unseres Planeten. Annähernd ein Drittel der gesamten Süßwasserreserven der Erde wird in dieser Flusslandschaft im nördlichen Teil Südamerikas gehalten und erneuert. Das Weltklima wird durch den tropischen Regenwald maßgeblich beeinflusst, denn ein intakter Tropenwald stabilisiert den Weltwasserhaushalt und reinigt die Atmosphäre von Verschmutzungen und klimaschädlichen Gasen wie dem CO2.
 
 
 
Ein weiterer Beitrag der forum-Serie "Starke Frauen" erzählt von den fotografischen Projekten Barbara Dombrowskis.
 

Gesellschaft | Pioniere & Visionen, 01.04.2015
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2015 - Nachhaltige Mode erschienen.
     
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