Die Sonne schickt uns keine Rechnung

Der Einsatz von Photovoltaikanlagen ist und bleibt sinnvoll

Trotz des Gerangels um die EEG-Reform ist für ausgewählte Branchen der Einsatz von Photovoltaik und der Eigenverbrauch von Strom wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll.


Solare Eigenverbrauchsanlage der Heineken Brauerei in Wieckse, Niederlande – 921 kW – 855.000 kWh/Jahr – 3.683 Solarmodule © RECDie meisten Reaktionen auf die EEG-Reform malen für die Zukunft der Solarenergie in Deutschland ein düsteres Szenario. Dabei ist die Solarenergie dank des technischen Fortschritts und der attraktiven Preise der Module inzwischen eine wettbewerbsfähige Energiequelle in Deutschland. In diesem Kontext haben sich verschiedene neue Geschäftsmodelle für Solaranlagen entwickelt. Eines der interessantesten ist die „gewerbliche Eigenverbrauchsanlage". Dabei wird der selbst produzierte Strom größtenteils für den Eigenbedarf eines Unternehmens verwendet und nur ein kleiner Teil in das Netz eingespeist. Auf diese Weise können Unternehmen preisgünstig Strom für ihren Bedarf erzeugen, ihre Energiekosten optimieren und aktiv einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.


Wann wird der Strom benötigt?

Die Höhe des Einsparpotenzials bei den Energiekosten hängt von mehreren Faktoren ab: Neben der Sonneneinstrahlung vor Ort, der Ausrichtung und Größe der Anlage sowie dem Lastprofil, also dem zeitlichen Verlauf der benötigten Leistung, sind der Strombezugspreis und die Steuern und Abgaben entscheidend. Je nachdem, ob es sich um ein Handelsunternehmen, ein produzierendes Gewerbe oder ein Unternehmen der Schwerindustrie handelt, sind der Energiebedarf, die Bezugspreise sowie die Steuern und Abgaben unterschiedlich hoch und damit auch die Attraktivität der Anlage. So ist eine Solaranlage für den Eigenverbrauch grundsätzlich für ein Handelsunternehmen am attraktivsten; dagegen lohnt sich für die Schwerindustrie eine solare Eigenverbrauchsanlage aufgrund der geringen Strombezugspreise nicht.


Warum Gebühren auf den eigenen Strom bezahlen?

Die EEG-Umlage dient der Förderung der erneuerbaren Energien und wird von den Verbrauchern über ihre Stromrechnung abgeführt. Die Höhe orientiert sich u.a. am Börsenstrompreis und beträgt aktuell 6,24 Eurocent pro Kilowattstunde. Im Rahmen der EEG-Reform soll bei zukünftigen Photovoltaik-Anlagen jede Kilowattstunde, die selbst produziert und verbraucht wird, mit einer Umlage belastet werden. Damit ist der Eigenverbrauch zu einem der aktuell heiß diskutierten Themen und auf alle Fälle weniger attraktiv geworden, aber für Grabesreden besteht dennoch kein Anlass, denn eines ist sicher: Die Strompreise werden nicht mehr fallen und die Sonne schickt auch weiterhin keine Rechnung.


© RECWo lohnt sich Eigenverbrauch weiterhin?

Eine Studie zeigt, dass Solarenergie für gewerbliche Eigenverbrauchsanlagen für viele Unternehmen selbst mit einer EEG-Umlage von 50 Prozent, also 3,12 Eurocent je Kilowattstunde, attraktiv bleibt. Insbesondere Unternehmen im Handel, die hohe Steuern und Abgaben auf eingekauften Strom zahlen, können mit Eigenverbrauch weiterhin ihre Energiekosten reduzieren und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. REC, ein Anbieter für Solarenergielösungen, sowie das Beratungsunternehmen BET Büro für Energiewirtschaft und technische Planung GmbH, haben dazu reale Lastprofile für die drei Segmente Handel, produzierendes Gewerbe und Schwerindustrie herangezogen und die wichtigsten wirtschaftlichen Kennzahlen – Amortisationsdauer, Rentabilität und Gewinn – analysiert.

Bei einer EEG-Umlage von 50 Prozent auf den Eigenverbrauch würde sich demnach die Amortisationsdauer der Solaranlage für ein Handelsunternehmen um nur rund acht Monate verlängern, so dass bereits nach knapp neun Jahren der Break-even-Point erreicht ist. Hierbei wird eine Solaranlage mit 95 Kilowatt Peak (kWp) Größe an einem Standort mit mittlerer Sonnenstrahldauer wie Bonn unterstellt. Die Rentabilität einer solchen Anlage liegt damit, bezogen auf eine Gesamtlaufzeit von 20 Jahren, bei immerhin 9,3 Prozent; der Gewinn beträgt 466 €/kWp (Messgröße für den Gewinn einer Eigenverbrauchsanlage ist der Nettobarwert, also die abgezinste Summe des Cashflows).


Produzierendes Gewerbe und Solarnutzung

Ein Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe zahlt grundsätzlich geringere Steuern und Abgaben auf den eingekauften Strom, hat aber einen höheren Energiebedarf. Für eine Eigenverbrauchsanlage der Größe 190 kWp und ebenfalls am Standort Bonn ergibt sich mit der 50prozentigen EEG-Umlage ein Gewinn von 86 €/kWp. Die Amortisationsdauer steigt im Vergleich zur bisherigen Gesetzgebung um rund 2,5 Jahre und die Rentabilität beträgt 5,9 Prozent. An Standorten mit längerer Sonnenscheindauer in Süddeutschland kann der Gewinn einer Eigenverbrauchsanlage für produzierende Unternehmen in Zukunft sogar um die 240 €/kWp betragen. Je nach Standort können also auch Unternehmen aus dem produzierenden Sektor in Zukunft deutliche Einsparungen erzielen und aktiv zum Klimaschutz beitragen.


Wo bleibt der Klimaschutz?

Dennoch kritisiert Luc Graré, Senior Vice President von REC, die Pläne der Regierung: „Die geplante Belastung des Eigenverbrauchs setzt ein falsches Signal für die Energiewende und beschneidet ausgerechnet eines der wenigen Geschäftsmodelle, bei dem Solarenergie frei von Subventionen wettbewerbsfähig ist." Seiner Meinung nach zeigt die Diskussion, dass die eigentlichen Ziele der Energiewende vergessen wurden. „Die Debatte um die Energiewende dreht sich mittlerweile fast nur noch um die Verteilung der Kosten. Es wird jedoch außer Acht gelassen, dass jede Investition in Erneuerbare Energien dazu beiträgt, die milliardenschweren Kosten des Klimawandels in zehn, zwanzig Jahren zu reduzieren."


Die ausführliche Studie zum Betrieb von Solaranlagen für den gewerblichen Eigenverbrauch sowie zu den Auswirkungen der EEG-Reform auf das Geschäftsmodell finden Sie unter www.recgroup.com/de/Produkte/Studie-zum-Eigenverbrauch.


Technik | Energie, 01.07.2014
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2014 - Tooooor! 3:0 für Nachhaltigkeit erschienen.
     
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