82 Leistungen. Ein Vertrag. Ein Preis. Transformation as a Service - Planungssicherheit statt Projekte

Wirtschaft und Umweltbewusstsein

Ein Gegensatz?

1984, in dem Jahr, als sich der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management gründete, war viel vom Waldsterben die Rede. "Saurer Regen" war das Schlagwort, mit dem damals eines der für uns heute noch offensichtlichsten Umweltprobleme bezeichnet wurde: der großzügige Umgang mit fossilen Brennstoffen und die daraus folgende Emission schädlicher Abgase in die Atmosphäre. Es gab auch vor 30 Jahren schon Menschen, die Energie sparten, ihren Müll trennten oder Recyclingpapier verwendeten. Ein systematischer Umgang mit Umweltthemen aber fehlte.


Ökonomie und Ökologie Hand in Hand

In der Gesellschaft steckte das Umweltbewusstsein noch in den Kinderschuhen, umweltgerechtes Wirtschaften fand nur punktuell statt. Die von Unternehmen ergriffenen Maßnahmen beschränkten sich überwiegend auf den betrieblichen Umweltschutz am Standort. B.A.U.M. trat damals an, diese Situation zu verändern. Dem zugrunde lag die Einschätzung, dass Umweltschutz in der Wirtschaft zuerst Sache des Managements sein muss, nicht des Umweltbeauftragten, so es ihn bereits gab.

B.A.U.M. machte darauf aufmerksam, dass Einfluss immer einhergeht mit Verantwortung. Rendite um jeden Preis lohnt sich am Ende nicht. Oder anders ausgedrückt: Ein gutes Geschäft kennt keine Verlierer. Viele inzwischen schon vergessene Projekte der damaligen Umweltbewegung zeigen uns: Spenden ist gut, denn Geld kann Verhältnisse ändern. Viel wichtiger ist aber, in unserem Handeln - und das heißt für mich vor allem auch: im unternehmerischen Agieren - umweltgerecht und sozialverträglich vorzugehen. Nachhaltiges Wirtschaften ist der Schlüssel, mit dem wir die Sperre zwischen Umweltschutz und ökonomischem Erfolg aufschließen können.

Der Bericht des Club of Rome brachte es 1974 auf den Punkt: Unsere Art zu wirtschaften stand damals und steht heute immer noch im Widerspruch zu der Tatsache, dass die natürlichen Ressourcen der Erde endlich sind. Es brauchte Entschlossenheit und Visionen, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wir haben bei OTTO bereits 1986 Umweltschutz als Unternehmensziel verankert. Gerade in der Tradition dieses langfristigen Wirkens wissen wir, wie langsam ein Bewusstsein über globale Zusammenhänge entsteht und wie schwerfällig die Übersetzung der gewonnenen Erkenntnisse in konkrete, den Unternehmensalltag verändernde Maßnahmen ist.

Einen wichtigen Impuls hin zu einer systematischen Beschäftigung mit Umweltfragen hat der Weltgipfel der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro ausgelöst. Die damals verabschiedete Klimaschutzkonvention ist auch heute noch aktuell. Es ist wichtig, dass sich alle Staaten einem globalen Klimaschutzregime anschließen. Denn die Atmosphäre erwärmt sich weiter, mit unvorhersehbaren Folgen für das Leben auf unserer Welt. Wir müssen es deshalb gemeinsam schaffen, diese Entwicklung zu verlangsamen. Mit der Initiative "2°-Deutsche Unternehmer für Klimaschutz" unterstützen wir seit 2007 die Bundesregierung bei einer wirksamen Politik zum Schutz des Weltklimas.


Wieder ist ein Umbruch im Gange

Es hat sich eine Menge getan in den letzten 30 Jahren. In weiten Teilen der Bevölkerung existiert heute eine Grundaufgeklärtheit über den Umweltschutz und die Konsequenzen unseres Tuns und Lassens. Eine wachsende Zahl von Konsumenten ändert ihr Kaufverhalten und hinterfragt kritisch Qualität und Herstellungsbedingungen von Produkten. Dieses Umdenken verfestigt sich inzwischen auf beiden Seiten, bei Kunden wie bei Unternehmen. Kunden lernen, was sie mit Ihren Kaufentscheidungen bewirken und nehmen nachhaltigere Produkte zunehmend an. Unternehmen stellen immer häufiger entsprechende Angebote zur Verfügung und überzeugen die Konsumenten vom Mehrwert ökologisch und sozial verträglicher Produkte.

Was hat sich in den vergangenen 30 Jahren für uns als Unternehmer geändert? Wir wissen, dass die Verantwortung global agierender Unternehmen nicht an den Werkstoren endet. Sie umfasst vor allem auch die Art des Wirtschaftens, die in unseren Lieferketten praktiziert wird. Das mussten wir erst lernen. Wer heute Wirtschaft und Nachhaltigkeitsbewusstsein immer noch als Widerspruch begreift, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Unternehmerisches Handeln und ökologische und soziale Verantwortung lassen sich nicht nur miteinander vereinbaren, sie gehören zusammen. Dabei reichen gute Wünsche und Visionen allein nicht aus. Wir brauchen belastbare Bewertungen der Umwelt- und Sozialauswirkungen unseres wirtschaftlichen Handelns. Denn nur was messbar ist, lässt sich auch managen. Und nur so wird Nachhaltigkeit zu einer Selbstverständlichkeit in der Unternehmenssteuerung werden.


Wachstum neu definieren

Ich habe mein ganzes berufliches Leben nichts anderes getan, als unternehmerisch zu denken und zu handeln. Als Unternehmer habe ich nach Wachstum und Prosperität meiner Unternehmensgruppe gestrebt. Ich weiß, dass es kein grenzenloses Wachstum geben kann. Die Aufgabe der nächsten 30 Jahre besteht also darin, eine stärker regenerative Wirtschafts- und Gesellschaftsform zu organisieren: eine Gesellschaft, die ihre Energie aus erneuerbaren Quellen speist; die ihre CO2-Emissionen und ihren Ressourcenverbrauch auf ein Minimum beschränkt. Eine Gesellschaft, die weder auf Kosten der Natur noch der nachfolgenden Generationen lebt. Wir brauchen eine Entkopplung unseres Wachstums von dem heute noch damit einhergehenden Ressourcenhunger. Diese Transformation ist eine gewaltige Aufgabe. Sie bedarf technischer, gesellschaftlicher und politischer Innovationen - und sie wird nur durch ein konstruktives Zusammenspiel aller Akteure gelingen. Gut, dass aus dem zarten Pflänzchen von damals ein stattlicher B.A.U.M. geworden ist.
 
Von Dr. Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender, Otto Group

Quelle:



     
        
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