66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen
Technik | Energie, 27.06.2012

Bibliothek mit Grips

Bundesweit erste "Smart Library" soll bis zu 35 Prozent Energie einsparen

Pilotprojekt an Universität Hildesheim gestartet: Wie von Geisterhand - Künftig wird das komplette Energiemanagement - von Beleuchtung, über Klimatisierung bis zu den Heizungen - der Universitätsbibliothek der Universität Hildesheim "intelligent" gesteuert. Ziel ist es, den Energieverbrauch technisch um bis zu 35 bis 45 Prozent zu senken. Damit kann die Universitätsbibliothek Hildesheim zu einem Modell für weitere öffentliche Gebäude werden, wie Energie in Altbauten eingespart werden kann.

Die Universitätsbibliothek Hildesheim könnte zu einem Modell für weitere öffentliche Gebäude werden.
Foto: © Stiftung Universität Hildesheim
Kern des Systems sind "Smart-Home-Technologien", die in einem Netzwerk die Gebäudetechnik effizient zusammenführen und steuern. Das intelligente Netzwerk ist in hohem Maße entwicklungsfähig.

Das zweigeschossige, alleinstehende Bibliotheksgebäude wurde in mehrere "Energie-Bereiche" unterteilt: Sensoren erfassen zum Beispiel den Lichteinfall im Raum und regeln bereichsspezifisch die Beleuchtung in den öffentlichen Arbeitsbereichen. Die Außenjalousien reagieren segmentbezogen auf Licht und Wärme. Alte Thermostate der Heizkörper wurden durch neue Regler ersetzt, die über Funksensoren gesteuert werden. Bei Sommerhitze werden die Räume nachts "durchgespült" (Luftwechsel). Über Funktechnologie sind alle Sensoren und Aktoren vernetzt und werden über eine Software intelligent gesteuert. Das Investitionsvolumen beträgt etwa 70.000 Euro.

"Die Energiewende in Deutschland wird nur gelingen, wenn zwei Wege gleichzeitig mit Erfolg beschritten werden: neue, regenerative Energien und effiziente Energienutzung. Das Projekt 'Smart Library' ist ein innovativer Beitrag zur effizienten Energienutzung", unterstreicht Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich. Im Rahmen der Eröffnung am heutigen Mittwoch wurden die technischen Neuerungen erstmals vollständig in Betrieb genommen.

Die "Smart Library" der Universität Hildesheim ist ein bundesweit einmaliges Lehr- und Forschungsprojekt. "Am Anfang stand die Frage, wie wir die Kosten und den Energieverbrauch in einem öffentlichen Gebäude, das täglich von 7:00 bis 21:00 Uhr genutzt wird, senken können", berichtet Dr. Ewald Brahms, Direktor der Universitätsbibliothek Hildesheim.
Die Universität rechnet mit hohen Energieeinsparungen und einer Kostensenkung von bis zu 35 Prozent (Einsparung von Strom: bis zu 45 Prozent, Senkung der Heizungskosten: bis zu 30 Prozent). "Wir messen in den nächsten Monaten die Energieverbrauchsdaten und analysieren sie", erklären Prof. Dr. Helmut Lessing vom Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik und Student Andre Vespermann. "Wenn die Erwartungen erfüllt werden, könnte unsere Universitätsbibliothek zu einem Modell für weitere öffentliche Gebäude werden."

Die Universitätsbibliothek Hildesheim ist Lern- und Arbeitsort für 6.000 Studierende und rund 400 Lehrende. 1990 wurde das freistehende, zweigeschossige Gebäude in Betrieb genommen. Vor der Modernisierung zur "Smart Library" war die Gebäudetechnik veraltet; nur eine großräumige manuelle Beleuchtung, Beheizung und Belüftung möglich.
Studierende der Bachelor- und Master-Studiengänge "Umweltsicherung" und "Umweltwissenschaft und Naturschutz", Wissenschaftler und Mitarbeiter aus dem Baudezernat der Universität haben seit Anfang 2011 gemeinsam mit den Firmen Ben Said Elektrotechnik und INGA Ingenieurgesellschaft für Gebäudeautomation die technologische Umrüstung entwickelt und im laufenden Betrieb implementiert.

"Von der technischen Umrüstung zur Smart Library habe ich gar nichts mitbekommen, das lief leise ab und die Bib musste nicht geschlossen werden", berichtet Lehramtsstudentin Lisa Weinhöfer, die sich regelmäßig in der Bibliothek auf Prüfungen vorbereitet. "Ich finde es wichtig, dass man nicht nur zu Hause ans Energiesparen denkt, wenn man selbst auch die Kosten bezahlen muss. In öffentlichen Gebäuden gibt es viel Energiesparpotenzial."

Die manuelle Nachsteuerung der Geräte ist auch künftig möglich. Die Universität Hildesheim appelliert weiter zu energiesparendem Nutzerverhalten - gerade in öffentlichen Gebäuden.

Quelle:



     
        
Cover des aktuellen Hefts

forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy

forum 01/2026

  • Zukunft bauen
  • Frieden kultivieren
  • Moor rockt!
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
30
JAN
2026
Perspektive Wohnungsbau in Augsburg und Bayern
Impulse, Herausforderungen und Lösungswege
86159 Augsburg
04
FEB
2026
Solarenergie, Großspeicher und Netzausbau – aber keine Gaskraftwerke!
Im Rahmen unserer Serie "Klima-Strategien"
80336 München und online
10
FEB
2026
E-world energy & water
Der Branchentreffpunkt der europäischen Energiewirtschaft
45131 Essen
11
FEB
2026
BootCamp Impact Business Design
Professional Training zum Update Ihrer Transformationsskills
81371 München
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Pioniere & Visionen

Großzügigkeit und Wohlwollen
Christoph Quarch wünscht sich einen Relaunch des Nikolaus-Festes
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Krankheit und Gesundheit

Aufrüsten für den Frieden?

Tu Du's auf 17 Ziele.de

Rat für Nachhaltige Entwicklung neu berufen

Sperrmüll vs. Entrümpelungsfirma: Wann lohnt sich professionelle Hilfe?

Das große Aufwachen nach Davos

BAUExpo 2026 vom 20. bis 22. Februar in Gießen

Lichtblicke für die Landwirtschaft: Nachhaltige LED-Technologien im Einsatz

  • circulee GmbH
  • NOW Partners Foundation
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • TÜV SÜD Akademie
  • toom Baumarkt GmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • WWF Deutschland
  • SUSTAYNR GmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)