BEE_Sommerfest_2024

Weltkulturerbe Yanomami!

Waldbewohner als Vorbild für den richtigen Umgang mit Ressourcen

Den Yanomami im nördlichen Regenwald Brasiliens steht ihr angestammtes Land laut Verfassung als zu schützendes Gebiet zu. Das wurde bis zur Jahrtausendwende massiv missachtet. Eine Armee von Goldsuchern war eingedrungen und verwandelte den Urwald in Wüste, tötete jeden, der Widerstand wagte. 65.000 Goldsucher gegen 20.000 Yanomami. Ein armer Teufel gegen den anderen. Indianer und Goldsucher - beide Opfer. Flinten gegen Pfeile. 120 illegale Landepisten, 400 Flugzeuge. Mafiös perfekt organisiert, von der Politik toleriert. "Man kann Völkerwanderungen nicht aufhalten", so der zynische Kommentar des damaligen Gouverneurs Juca Filho. Klar, er verdiente gut daran. Auch das letzte Urvolk sollte nicht von der Vernichtung verschont bleiben.
Der Urwald, die Heimat der Yanomami, wird durch den Goldabbau völlig zerstört.
Foto: © TARGET-Nehberg

Ich war Augenzeuge dieses Bürgerkrieges im Regenwald geworden und habe 18 Jahre lang mit spektakulären Aktionen versucht, eine pro-indianische Lobby zu schaffen. Mit Büchern, TV-Filmen, Konsultation des Papstes, der Weltbank, der UNO. Vor allem mit Ausdauer und Fantasie ist das gelungen. Im Jahre 2000 war der Druck auf Brasilien ausreichend groß geworden. Die Yanomami erhielten einen akzeptablen Frieden. Den Goldsuchern wurde der Nachschub abgeriegelt, Flugzeuge wurden beschlagnahmt, wenn sie dennoch flogen. "Aber wir sterben trotzdem weiterhin", klagte Davi Kopenawa Yanomami, der bemerkenswerteste Häuptling, "und zwar an den Krankheiten, die die Goldsucher eingeschleppt haben."
Wie schon immer. Seit Kolumbus. Denn Habgier und Egoismus der Menschheit waren und werden immer stärker sein als ihr Verstand und ihre Vernunft. Zwar ist da die "Affenliebe" zu den eigenen Kindern, aber die ist sofort vergessen, wenn es um die Selbstbereicherung geht, um den momentanen Vorteil. Irgendwie klar. Nur der Beste und Stärkste überlebt, und der Einzelne hat es schwer, sich gegen den Strom zu behaupten. Erst Katastrophen werden uns zum Umdenken zwingen. Dann ist es für Viele und Vieles zu spät. Es geht der Welt und unserem Nachwuchs verloren. Dekadenz und Maßlosigkeit - daran sind schon ganz andere Kulturen zerbrochen.
Als Augenzeuge dieser Verbrechen überkam mich maßlose Wut. Mein Vorteil: Wut macht mich kreativ. Sie lähmt mich nicht. "Wir werden zumindest das tun, was im Rahmen unserer Möglichkeiten liegt", entschieden meine damalige Kampfgefährtin Christina Haverkamp und ich. "Wir bauen den Yanomami eine Krankenstation. Gesunde Indianer werden ihren Wald verteidigen." Das haben wir getan. Dennoch - immer wieder dringen Goldsucher ein. Kleine Gruppen, die sich Wochen lang zu Fuß durch den Wald schlagen. Pioniere, die, wenn man sie gewähren lässt, erneute Völkerwanderungen auslösen werden. Armut und Verzweiflung sind ihr Antrieb, aber keine Lösung.
Pfeil gegen Bulldozer: Yanomami im ewigen Kampf gegen die Goldsucher.
Foto: © TARGET-Nehberg

Deshalb treibt mich eine Idee um, und ich halte es mit Albert Einstein: "Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd scheint", soll er gesagt haben, "dann gibt es keine Chance für ihre Realisierung." Ich habe solch eine Idee. Sie sollte aller Erfahrung zum Trotz eine Chance haben:

"Erklärt die Yanomami zum Weltkulturerbe!"

Das erhöht ihren Bekanntheitsgrad, steigert ihr Ansehen und hilft, durch eine breitere Öffentlichkeit den Status Quo zu wahren, der sie schützt. Es hat mich von der ersten Begegnung an beeindruckt, ein Volk zu erleben, das ohne Hilfe von außen eine absolut autarke Lebensform entwickelt hat, angepasst an seine Welt, den Regenwald. Es ist nicht nur das Leben von und mit dem Wald. Es ist auch die enorme Handwerkskunst, die es mit dem Bau seiner Häuser, Waffen und Arbeitsgeräte beweist. Natur und Mensch - eine homogene Einheit. Ein gelebtes Beispiel für uns, die wir uns im aktuellen Internationalen Jahr der Wälder wie so oft nur an Worte klammern können.
Weltkulturerbe Yanomami - es wäre auch für Brasilien ein Ruhmesblatt nie da gewesener Dimension, ein unvergängliches Denkmal für die neue Staatspräsidentin Dilma Rouseff. Ich finde es beglückend und hoffnungsvoll, dass forum Nachhaltig Wirtschaften und B.A.U.M. e.V. sich mit mir dieses Ziel auf die Fahnen geschrieben haben und wünsche uns und diesem Volk jeden Erfolg.
 
Von Rüdiger Nehberg, TARGET e.V.

Quelle:
Umwelt | Ressourcen, 07.09.2011

     
Cover des aktuellen Hefts

Positiver Wandel der Wirtschaft? – So kann's gehen

forum 03/2024 mit dem Schwerpunkt „Wirtschaft im Wandel – Lieferkettengesetz, CSRD und regionale Wertschöpfung"

  • KI
  • Sustainable Finance
  • #freiraumfürmacher
  • Stromnetze
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
17
JUN
2024
„Das ÖPNV-Sofortprogramm für die Verkehrswende bis 2025“
In der Reihe "Mein Klima - auf der Straße, im Garten, ..."
80336 München und online
30
JUN
2024
Constellations Week 2024
Inspiration, Klarheit und Empowerment
I-39040 Tramin, Südtirol
03
JUL
2024
BEE Sommerfest 2024
Das Gipfeltreffen der Erneuerbaren
10997 Berlin
Alle Veranstaltungen...
The VinylPlus Sustainability Forum 2024. Together towards higher ambitions

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Politik

"Um die Gegenwart zu verstehen, müssen wir uns die Vergangenheit ins Bewusstsein zu rufen."
Christoph Quarch begrüßt die Feierlichkeiten zum D-Day in der Normandie.
B.A.U.M. Insights

Jetzt auf forum:

Engagement Report 2023:

CWS Workwear eröffnet Innovation Lab für nachhaltige Textilien

Von Emmendingen bis Neumünster:

Nachhaltige Arbeitsplatzkonzepte

Adapteo-Großprojekt Gymnasium Mainz-Mombach

Tax the Rich – was steckt dahinter?

Feinde der Demokratie, Feinde des Rechts

Das waren die zweiten BIO Tage im Wiener Palmenhaus

  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • circulee GmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • ECOFLOW EUROPE S.R.O.
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Kärnten Standortmarketing
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen